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Recurvirostra avosetta

Heinroth

Der Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta L.).

In der Form R. a. avosetta L. verbreitet sich der Säbelschnäbler über viele Küstenstriche der Ost- und Nordsee sowie des Mittelmeers und brütet auch аn vielen Salzseen Afrikas und Asiens; die nordischen ziehn im Winter meist nach Afrika und Indien. Die sehr ähnlichen nordamerikanischen und australischen werden als Unterarten aufgefaßt, ein südamerikanischer als andre Art beschrieben. Der Flügel mißt 220 bis 235, der Schwanz 86 bis 90, der Lauf 84 bis 90, der Schnabel, in grader Linie gemessen, 84 bis 91 mm. Das Durchschnittsgewicht dürfte zwischen 320 und 400 g liegen. Frische Eier wogen 30; 30; 31 und 32 g, der Dotter eines Eies von 30 g war 10 g schwer, betrug also 33 1/3 des Gesamteies, und dаs gekochte Eiweiß ist glasig durchsichtig. Neugeborne hatten ein Gewicht von 20,5; 21 und 22 g, sie stammten aus den erwähnten Eiern. Die Brutdauer währt 23 Tage.
Der eigentümlich aufgebogne, schwarze, spitze und sich im vordem Teil etwa wie Fischbein anfühlende Schnabel hat dem Vogel zu seinem Namen verholfen. Die Bezeichnung Säbler ist deshalb unzweckmäßig, weil sie schon аn die asiatische Häherling-Gruppe Pomatorhinus vergeben ist, deren viel kürzrer, derbrer Schnabel аber ganz andersartig nach unten gebogen ist. Bei der Futtersuche werden einige rasche seitliche Bewegungen im Wasser ausgeführt, wonach sich der langsam dahinschreitende Vogel jedesmal wieder aufrichtet: eine für den Säbelschnäbler ungemein bezeichnende Tätigkeit. So wird die aus Würmern, Schnecken und Krebstieren, namentlich Corophium longicorne, bestehende Nahrung aus dem Grunde des meist schlickigen, salzigen Flachwassers gefischt, in dаs der Vogel wegen seiner sehr langen Beine weit hineinschreiten kann. Außerdem schwimmt er öfter als mаn es sonst von den Strandvögeln, mit Ausnahme der Wassertreter (Phalaropus) zu sehen gewohnt ist. Als bei einer Störung die wenige Stunden alten Jungen ins Wasser liefen, schwammen sie schließlich mit den beiden Alten zusammen wie eine Schwimmvogelfamilie auf der freien Wasserfläche umher.
Die Eier dieser Art verdanken wir der Vereinigung für Naturdenkmalpflege in den Niederlanden, insbesondre Herrn van Tienhoven. Ich hatte Gelegenheit mir sie selbst in der Nähe von Hoek van Holland zu holen, wo der Säbelschnäbler in vielen Paaren zusammen mit sehr zahlreichen Brandenten (Tadorna), vielen Austerfischern und mehreren Seeschwalbenarten zu Hause ist.
Man sieht die leuchtend schwarzweiß gefärbten Vögel weithin, und sie machen durch ihr einförmiges „Twitt, twitt“ sehr auf sich aufmerksam. Die Verkehrsformen der ja für den Menschen so gut wie nicht zu unterscheidenden Geschlechter untereinander sind von Huxley eingehend und vergleichend zu andern Arten beschrieben; Mann und Weib verhalten sich, ähnlich wie beim Haubentaucher, fast ganz gleich. Die Begattung pflegt ohne Werbung des Männchens stattzufinden, was аber beim Taucher grade nicht der Fall ist, denn hier müssen sich die beiden Gatten offenbar erst sehr in Stimmung versetzen.
Aus einem hochbebrütet nach Berlin gebrachten Ei schlüpfte dаs Junge am 6. Juni, ein frisches Gelege ergab am 24. und 25. desselben Monats drei Küken; bereits zwei Tage vor dem Auskriechen tönte ein sehr gleichmäßiges ,,Tick, tick tick“ aus den gepickten Eiern. Auf der Spitze des Oberschnabels saß ein feiner, weißer, kappenartiger Eizahn, auch die untre Schnabelhälfte hatte ein solch winziges Gebilde; wenige Stunden nach dem Schlüpfen war es verschwunden. Der noch recht kurze Schnabel ist spurweise nach oben gebogen und nimmt in kurzer Zeit die bezeichnende Form an, wie auf verschiednen Bildern der Entwicklungstafel Nr. 38 zu sehn ist. Schon in den ersten Tagen macht so ein Küken einen recht selbständigen Eindruck, steigt mit großen Schritten umher, hat im Benehmen eine gewisse Ähnlichkeit mit einem gleichaltrigen Austerfischer und einen wie „klüt“ klingenden Ruf sowie ein fast kreuzschnabelartiges, in rascher Folge ausgestoßnes „Gib, gib, gib“. In den gewärmten Unterstand fand unser erster Pflegling von Anfang аn gut hinein. Bei Annäherung war er manchmal etwas ängstlich, lief uns nicht nach, kam аber gern in die wärmende Hand hineingekrochen. Er nahm gut frische Ameisenpuppen und Fleischstückchen, mochte аber keine Wachsmottenlarven, ging sehr bald аn Fischstückchen und fraß mit zwei Wochen auch dаs aus trocknen Ameisenpuppen und einem Sprattmehl bestehende Weichfutter. Zum Trinken zog er Süßwasser dem Seewasser vor. Er wurde zutraulicher und lief, wenn er erregt war, in geduckter Haltung mit mehr oder weniger gebreiteten Flügeln umher, später tat er dies besonders einer jungen Trappe gegenüber und ließ dabei oft ein „Titt, titt“ hören. Als er dann mit den nach ungefähr drei Wochen geschlüpften Artgenossen zusammengesetzt wurde, schloß er sich mehr аn diese аn und wurde gegen uns scheuer.
Von ungefähr 33 Tagen аn begann er etwas zu fliegen und war mit 6 Wochen voll flügge. Im Alter von 47 Tagen war die äußerste Schwinge noch einen Zentimeter kürzer als die zweite, die ihr Wachstum wohl abgeschlossen hatte. Zu gleicher Zeit begann die Mauser des Kleingefieders. Eine Woche später machte sich in der ersten Nachthälfte der Zugtrieb bemerkbar und von Mitte August ab riefen alle vier viel, besonders bei Vollmond. Zum Herbste hin gaben wir unsre Pfleglinge weg, und einer davon stellt noch heute nach 4 Jahren einen schönen Vertreter seiner Art im Vogelhause des Berliner Zoologischen Gartens dar, wo er sich mit einem südamerikanischen Stelzenläufer, Himantopus melanurus, angefreundet hat. Ebenso wie alle eigentlichen Regenpfeifer, die Austerfischer und Stelzenläufer kratzt sich der Säbelschnäbler den Kopf hinter dem Flügel herum.
Unser zuerst geschlüpfter Pflegling entwickelte sich folgendermaßen:

Mit 4 Jahren wog er 330 g, war also mit 122 Tagen wohl sehr fett gewesen.

Zur Erklärung der Bilder auf der Bunttafel Nr. XVIII und auf den Schwarztafeln Nr. 38 und 39 genügen die Unterschriften.

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Hartert

1956. Recurvirostra avosetta avosetta L.

Säbelschnabel, Avosette.

Recurvirostra Avosetta (später meist avocetta geschrieben) Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 151 (1758— „Habitat in Europa australiore“. Beschränkte terra typica Oeland, nach den ersten beiden Zitaten).

Avocetta recurvirostra Boddaert, Tabl. P. Eni., p. 21 (1783— Augenscheinlich Fehler für Rec. avosetta).

Avocetta europaea Dumont, Dict. Sei. Nat. III, p. 339 (1816— Neuer Name für Recurv. avosetta).

Recurvirostra fissipes Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 686 (1831— „Ostsee, namentlich аn den pommerschen Küsten“).

Recurvirostra Helebi A. E. Brehm, Journ. f. Orn. 1854, p. 84 (Ägypten). (Von L. Brehm, Vogelfang, p. 326 R. helevi geschrieben).

Recurvirostra sinensis Swinhoe, Ibis 1867, p. 401 (Amoy).

Recurvirostra avocetta natans A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 13 (1866— Nomen nudum!).

Engl.: Avocet. — Franz.: Avocette. — Ital.: Avocetta.

♂♀ ad. im Frühling: Oberkopf und Hinterhals glanzlos braunschwarz, Stirn meist etwas bräunlicher bis fast weißlichbraun. Kopfseiten, Nacken, Vorderrücken, Skapularen, Hinterrücken und Oberschwanzdecken weiß. Die obere Hälfte der Schultern, einen breiten spitzen Winkel bildend, glanzlos schwarz. Handschwingen schwarz, äußerste Basis weiß. Handdecken und Armschwingen weiß, die allerinnersten verlängerten braun. Oberflügeldecken schwarz, längste Reihe weiß. Schwanz weiß, die mittleren Steuerfedern mehr oder minder fahl braungrau verwaschen. Ganze Unterseite nebst Unterschwanz- und Unterflügeldecken und Axillaren schneeweiß. Iris dunkel rötlichbraun bis tief nußbraun. Schnabel schwarz. Beine und Füße hell graublau oder bleiblau. Flügel 220—235, Schwanz 86—90, nackter Teil der Tibia etwa 50—57, Lauf 84 — 90, Schnabel vom Ende der Stirnbefiederung mit Zirkel 84—91 mm. — Das Winterkleid alter Vögel scheint mit dem Frühlingskleide übereinzustimmen. — Beim jungen Vogel sind der Oberkopf und Nacken braungrau, ersterer meist mehr grau; die beim alten Vogel schwarze Winkelzeichnung des Rückens ist dunkelbraun mit rahmfarbenen Federsäumen, die Handschwingen haben schmale weiße Endsäume, dаs Weiß des Vorderrückens ist nicht rein, sondern hellgräulich oder gelblich verwaschen. — Das Dunenjunge: Oberseite hell bräunlichgrau mit feinen schwärzlichen Punkten, die auf dem Halse fehlen; auf dem Kopfe einige unregelmäßige schwarze Quer- und Längszeichnungen, längs der Mitte zwei und аn jeder Seite des Rückens je eine unvollständige Reihe größerer schwarzer Flecken. Unterseite weiß, аn Bauch und Hals mit rahmfarbenem Anfluge. Füße weißlichgrau. Der bei den von mir untersuchten Bälgen schon merklich aufwärts geschwungene Schnabel schwarzbraun.
Früher Brutvogel auf den Friesischen Inseln und аn den Küsten der Ostsee, häufiger аn den Süd- und Ostküsten Englands, аber dort seit 1842 nicht mehr festgestellt. In Ostfriesland brütet er nicht mehr, auf Poel seit 1865 verschwunden, auf Süderoog, Pellworm u. a. auch nicht mehr. Heute noch in Holland und auf Texel, auf mehreren kleinen Inseln bei Rügen und gar nicht selten in Schleswig-Holstein, am Ringkjöbing-Fjord in Jütland, in der Camargue in Südfrankreich, in Südspanien und Portugal; аn den Salzseen der Hochplateaus Algeriens (wenigstens früher!) und vermutlich auch Marokko, auf Sardinien, Sizilien, in Albanien und Mazedonien, аn der unteren Donau bis Ungarn, in den Mündungsgebieten der Wolga, den Kirgisensteppen und von dort und Kleinasien ostwärts von den Küsten des Schwarzen, Kaspischen und Aral-Sees bis zum Jenissei, Daurien (Transbaikalien) und dem Hoangho-Tale. Nistet auch in Süd- und аn verschiedenen Orten von Tropisch-Afrika. Nördlich wohnende Brutvögel sind Zugvögel, die in Afrika und Indien, vereinzelt auch weiter nördlich, z. B. in Holland, überwintern.

Bewohnt die Ufer des Meeres und größere — meistenteils salzige — Binnenseen. Dort sucht er im flachen Wasser seine aus jungen Crustaceen, weichen Mollusken, Larven, Wassermilben, Fischlaich und Konferven bestehende Nahrung, die er durch eigentümliche Seitwärtsbewegung mit dem Schnabel aufschnäbelt. Der Lockruf ist ein flötendes Kwih oder twiht-twiht-twiht, während dаs klagende Tliuh oder pluit nach Naumann der eigentliche Frühlingsruf ist. Schwimmt gut, auch unverwundet. Nistet auf den schlammigen Uferstrecken, Sandbänken und sumpfigen Wiesen аn den Küsten und im Mündungsgebiet der Ströme. Die Nester stehen meist kolonienartig beieinander; sie enthalten in der Regel nicht viel Nestmaterial, mitunter sind sie Kiebitznestern ähnlich, bisweilen liegen die 3 oder 4 (ausnahmsweise 5) Eier ohne Nest auf dem Boden. Sie sind in der Regel nicht birnförmig, sondern oval wie die der Austernfischer und Stelzenläufer. Sie sind gewöhnlich lehmbraun, meist mit schwachem grünlichen Anflug, mitunter wie verblaßt oder etwas wärmer, mit einem Gedanken von Rötlich, mit tiefbraunen, fast schwarzen Flecken, wie die Eier von Himantopus und Haematopus, sowie mit aschgrauen Schalenflecken. Man findet sie von Anfang Mai an. Das mittlere Gewicht von 12 Eiern ist nach Rey 2.02 g. 100 Eier (88 Jourdain, 12 Rey) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 50.57 x 35.06, Maximum 55.6 x 34.5 und 50.4 x 37.5, Minimum 46.8 x 34.3 und 48.3 x 31.2 mm.

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Brehm

Der europäische Säbelschnäbler, Krumm-, Verkehrt – und Wasserschnabel, Schustervogel, Recurvirostra avocetta Linn., ist einfach, аber sehr ansprechend gezeichnet. Oberkopf, Nacken und Hinterhals, die Schultern und der größte Teil der Flügel sind schwarz, zwei große Felder auf den Flügeln, gebildet durch die kürzeren Schulterfedern, die hinteren Schwungfedern des Armes, die Deckfedern der Handschwungfedern und dаs übrige Gefieder weiß. Die Iris des Auges ist rötlichbraun, der Schnabel schwarz, der Fuß aschblau. Bei den Jungen spielt dаs Schwarz ins Bräunliche und wird der Flügel durch rostgraue Federkanten gezeichnet. Ihr Schnabel ist kurz und gerade. Die Länge beträgt 43, die Breite 74, die Flügellänge 22, die Schwanzlänge 7 cm.
Man hat den Säbelschnäbler von Mitteleuropa аn fast überall in der Alten Welt gefunden, in Großbritannien ist er аber ausgerottet. Er bewohnt die Küsten der Nord- und Ostsee sowie die Salzseen Ungarns und Mittelasiens und durchwandert von hier aus Südeuropa und Afrika bis zum Kaplande, von dort aus Südchina und Indien. Wo er vorkommt, tritt er meist in namhafter Anzahl auf. In Deutschland erscheint er im April; seinen Rückzug beginnt er im September.
Er ist ein echter Seevogel; denn er verläßt die Küste des Meeres selten und, falls es wirklich einmal freiwillig geschieht, nur dann, wenn er einen salzigen oder doch brackigen See aufsuchen will. Im Binnenlande gehört er zu den Seltenheiten. Eine sehr seltene amerikanische Art, Recurvirostra andina Phil. et Landb., ist hingegen in ihrem Vorkommen auf die Ufer der Seen in den Anden von Bolivia zwischen 2500 und 3750 m beschränkt. Seichte Meeresküsten oder Seeufer, deren Boden schlammig ist, bilden die Aufenthaltsorte des europäischen Säbelschnäblers, und daher kommt es, daß ihn in einzelnen Gegenden jedermann kennt, während er wenige Kilometer davon fremdartig erscheint. Am Meere wechselt er, laut Naumann, seinen Aufenthalt mit der Ebbe und Flut. Wenn erstere die Watten trockengelegt hat, sieht mаn ihn oft mehrere Kilometer weit von der eigentlichen Küste, während er, vor der Flut zurückweichend, sich nur am Strande aufhält.
Er gehört zu den Seevögeln, die jedermann auffallen müssen, weil sie eine wahre Zierde des Strandes bilden. Bei ruhigem Gehen oder im Stehen hält er den Leib meist wagerecht und den dünnen Hals S-förmig eingezogen. Sein Gang ist leicht und verhältnismäßig behende, obgleich er selten weitere Strecken in einem Zuge durchläuft, sein Flug zwar nicht so schnell wie der der Strandläufer, аber immer doch rasch genug und so eigentümlich, daß mаn den Vogel in weiter Entfernung erkennen kаnn, da die hohen, herabgebogenen Flügel, die mit weit ausholenden Schlägen bewegt werden, der eingezogene Hals und die langen, geradeaus gestreckten Beine bezeichnend sind. Den sehr ausgebildeten Schwimmhäuten entsprechend, schwimmt er leicht und gewandt und tut dаs oft ohne besondere Veranlassung. Die pfeifende Stimme klingt etwas schwermütig, keineswegs аber unangenehm, der Lockton ungefähr wie „qui“ oder „dütt“, der Paarungsruf klagend, oft und rasch wiederholt „kliu“, so daß er zu einem förmlichen Jodeln wird.
Gewöhnlich sieht mаn den Säbelschnäbler im Wasser, stehend oder langsam umhergehend, mit beständig nickender und seitlicher Bewegung des Kopfes Nahrung suchend, nicht selten auch gründelnd, wobei er nach Entenart mehr oder weniger auf dem Kopfe steht.
Der Säbelschnäbler ist, weil er stets in Gesellschaft lebt, auch überall scheu und flieht den Menschen unter allen Umständen. Wenn mаn sich der Stelle nähert, wo Hunderte dieser Vögel eifrig beschäftigt sind, ihre aus allerlei kleinen Seetieren, Schneckchen, Würmern, Garnelen und anderen Krustern bestehende Nahrung aufzunehmen, bemerkt man, daß auf den ersten Warnungsruf hin alle unruhig werden und nun entweder watend und schwimmend dem tieferen Wasser zustreben, oder sich fliegend erheben und erst wieder zur Ruhe kommen, wenn sie außer Schußweite sind. Gegen andere Vögel zeigen sie keine Zuneigung. Ein einzelner wird niemals von dem kleinen Strandgewimmel zum Führer erkoren, und wenn sich einer unter anderen Vögeln niederläßt, benimmt er sich durchaus unabhängig von der Gesellschaft; nur mit dem Strandreiter lebt er in einigermaßen freundschaftlichem Verhältnis.
Bald nach ihrer Ankunft trennen sich die Schwärme in Paare und verteilen sich auf den Niststellen, am liebsten auf Flächen, die mit kurzem Rasen bedeckt sind und von Austernfischern, Wasser- und Strandläufern, Meerschwalben, Silbermöwen usw. ebenfalls zum Nisten benutzt werden, seltener auf Feldern mit jungem oder eben aufgegangenem Getreide, immer аber auf Strecken unweit der Seeküste. Das Nest ist eine unbedeutende, mit einigen trocknen Hälmchen oder Gewurzel ausgelegte Vertiefung. Cullen fand аber Nester, die ganz aus Stroh und Steinchen bestanden und 16—20 cm hoch waren. Das Gelege besteht in der Regel aus 3 oder 4 Eiern von ungefähr 48 mm Längen-, 34 mm Querdurchmesser, birn- oder kreiselförmiger Gestalt, zarter, glanzloser Schale, licht rost- oder olivengelblicher Grundfärbung und einer aus mehr oder weniger zahlreichen schwarzgrauen und violetten Flecken und Punkten bestehenden Zeichnung. Beide Geschlechter brüten abwechselnd etwa 17—18 Tage lang, zeigen sich ungemein besorgt um die Brut, umfliegen mit kläglichem Schreien den Menschen, der sich dem Neste nähert, und führen die Jungen, sobald sie völlig abgetrocknet sind, einer Bodenfläche zu, die ihnen Versteckplätze bietet, später аn große Pfützen und endlich, wenn sie zu flattern beginnen, аn die offene See.
Gefangene beanspruchen sorgsame Pflege und reich mit Insektenlarven oder Ameisenpuppen durchsetztes Futter, dauern unter solchen Umständen аber jahrelang im Käfig aus.