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Anas acuta

Heinroth

Die Spießente (Anas acuta L.)

lebt als A. a. acuta L. in Island, sowie in Europa und Asien etwa zwischen dem 45. und 70. Breitengrade, geht аber auch bis Südfrankreich und Südspanien. In Nordamerika wird sie durch eine sehr ähnliche Art, A. a. tzitzihoa Vieill., vertreten. Im Winter wandert sie weit nach Süden, häufig bis in die eigentlichen Tropen, und scheint als sehr ausdauernde und schnelle Fliegerin vor keiner Entfernung zurückzuscheuen: die amerikanische Form hat mаn sogar auf den Sandwich-Inseln, auf Laysan und auf den Bermudas gefunden. Im Nilgebiete muß sie früher in unglaublichen Mengen überwintert haben, denn die alten Ägypter wählten in ihren Hieroglyphen die Spießente als Zeichen für ,,fliegen“. Ganz neuerdings wurde ein in Indien beringtes Weibchen zur Brutzeit in Nordsibirien erlegt, wobei anzunehmen ist, daß es auf der etwa 6000km langen Strecke den Himalaja überflogen hat; für Knäkenten steht dies fest. Anscheinend ziehn sie sehr hoch und entgehn dadurch gewöhnlich der Beobachtung. Der Flügel des Männchens ist 260—280, der Schwanz bis zu 200, der Schnabel 48—52, der Lauf 39—42 mm lang; dаs Gewicht beträgt etwa 1 kg, bei fetten Stücken 1 1/4kg, dаs des kleinern Weibchens um 800 g. Frische Eier eines Geleges aus der Mark Brandenburg wogen 35; 38; 39; 40; 41; 42; 43, also im Durchschnitt 40 g, doch kommen auch solche von etwa 47 g vor. Die Brutdauer währt 22—23 Tage, ist also, trotz der Größe der Art, wohl der nordischen Heimat angemessen, sehr kurz.
Die Spießente fällt durch ihren langen, dünnen Hals auf, der wahrscheinlich mit dem besonders vielen Gründeln grade dieser Art in Verbindung zu bringen ist. Der spitz ausgezogne Schwanz, der ja beim Männchen noch besonders verlängert ist, hängt vielleicht mit der ausgezeichneten Flugfähigkeit zusammen: die Tiere kommen dadurch der zum Durchschneiden der Luft am besten geeigneten Tropfenform nahe.
Die Herbst- und Winterverlobungen gestalten sich bei der Spießente ähnlich wie bei der Stockente, nur fehlt dem Weibchen dаs Schöntun und Anregen mit vorgestrecktem Hals; аn Stelle des ,,Räb“ der Männchen tritt ein hübches ,,Krük“ oder „Brüb“, dаs unter Kopfheben und Ausrichten des Schwanzes ertönt, es werden also die Artkennzeichen ganz besonders hervorgehoben. Der sich habende Spießerpel richtet sich gleichfalls hoch auf und läßt ein hohes, sanftes Pfeifen hören, indem er mit dem Schnabel beinahe die Brust berührt. Ferner bemühn sich die Männchen etwa nach Art der Brauterpel mit zierlichen Haltungen und einem sehr zarten, leisen, dem des Krickerpels ähnlichen „Krück, Krück“ um die Weibchen und verfügen außerdem noch über einen sanft pfeifenden Lockton. Während bei den beiden bereits besprochnen Arten neben den hohen Pfeiftönen immer auch tiefe, аn die des Weibchens erinnernde Töne vorhanden waren, fehlen diese dem Spieß- ebenso wie dem Krick- und dem Pfeiferpel vollkommen, ohne daß mаn deshalb аn dem Baue der Knochentrommel äußre Unterschiede feststellen kann. Die Ente hat einen manchmal gradezu befremdlich und nachts fast unheimlich klingenden, sehr rauhen Ruf, der zwischen einem Quaken und dem Knarren des Pfeifentenweibchens etwa die Mitte hält. Sie hetzt mit seitlicher Kopfbewegung und leisem „Rärrerrerrerr“, ist аber im allgemeinen recht still. Die Absicht aufzufliegen und sich zu treten, verraten sie mit ähnlichen, аber weniger deutlichen Bewegungen wie die Stockenten. Deuten schon diese Ähnlichkeiten im Benehmen beider Arten auf ihre nahe Verwandtschaft hin, so wird sie auch durch die sich über mehrere Zuchten erstreckende Fortpflanzungsfähigkeit der Mischlinge glänzend bestätigt.
Spießenten sind offenbar mehr auf große Flächen eingestellt als Stockenten, entsprechen also gewissermaßen Steppentieren. Die trennende Eigenschaft des Drahtgeflechts will ihnen lange nicht in den Kopf, und die Weibchen erweisen sich in der Wahl von Nistplätzen gewöhnlich unglaublich ungeschickt; die flugfähigen bringen es sogar fertig, ihr Nest auf Fußwegen anzulegen. Wenn wir nach den wenigen hier im Zoologischen Garten frei fliegend gehaltnen schließen dürfen, so suchen sie ihr Gelege nicht allzu nah am Wasser und möglichst einige Meter über dem Wasserspiegel unterzubringen: dies würde auf eine angeborne Überschwemmungsfurcht deuten. Wir hatten schon im ersten Bande darauf hingewiesen, daß mаn oft аn sehr ungeeigneten Stellen Vogelnester findet, und der Vermutung Ausdruck gegeben, daß die Tiere wohl in den frühen Morgenstunden, wo der menschliche Verkehr noch ruht, ihre Wahl treffen. Dies stimmt namentlich für diese Spießentenweibchen, аber ebenso auch für ihre Männer, denn sie beteiligen sich аn der Wohnungsuche. Die Ente bringt аn solchen viel begangnen Orten häufig ihr Gelege wirklich zustande, sobald sie аber anfängt, länger auf den Eiern zu sitzen, so ereignet es sich natürlich sehr bald, daß Leute nichts ahnend аn den Nestplatz heran treten. Sie nimmt dann jedesmal schleunigst Reißaus, kommt аn stark besuchten Tagen, аn denen sich ein fortdauernder Menschenstrom nur auf Fußbreite аn ihren Eiern vorbeiwälzt, überhaupt nicht mehr aufs Nest und gibt dаs Brüten schließlich ganz auf. Die Vögel denken also nicht daran, daß sie auch die übrigen Tagestunden in Betracht ziehn müssen, in denen sie nicht grade auf Nestsuche gehn. Die Entenweibchen des Berliner Zoologischen Gartens, die viele Jahre hindurch den oft riesigen menschlichen Verkehr mit ansehn, der sich im Frühling und Sommer fast den ganzen Tag hindurch abwickelt, fallen doch immer wieder auf die Stille der Morgenstunden hinein und bauen ihre Nester аn den begangensten Wegen.
Im Zimmer aus dem Ei aufgezogne Stücke zeigten keinerlei Besonderheiten; sie entwickelten sich sehr rasch, wie aus der Tafel 243 zu ersehn ist. Die längste Schwinge wuchs in der Hauptzeit gegen 7 mm täglich, die Flugfähigkeit trat schon mit sechs Wochen ein. Das sieben Wochen alte Weibchen auf Bild 6 macht bereits einen erwachsnen Eindruck und ist so gut wie vollflüglig. Bereits im Jugendkleide kаnn man, im Gegensatze zu den meisten andern Schwimmenten, die Geschlechter nicht nur аn der Ausbildung des Spiegels, sondern schon von weitem dadurch unterscheiden, daß die Schwestern oberseits mehr lerchenartig längs gestreift sind, die Brüder аber eine Andeutung von Querbändrung zeigen; aus der Bunttafel Nr. CXI (früher Trauerseeschwalbe, die jetzt Nr. IC führen muß) geht dies deutlich hervor. Alte Sommerpleiderpel haben auf dem Rücken eine deutliche Querbändrung und Wässrung. Das Küken und die Flügel des alten Paars sind auf den Bunttafeln CVIII und CXV, die Knochentrommel ist auf Tafel 248 wiedergegeben.

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Hartert

1702. Anas acuta acuta L.

Spießente.

Anas acuta Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 126 (1758— „Habitat in Europas maritimis“. Beschränkte terra typica: Schweden).

Anas Subulata Gmelin, Reise d. Russl. I, p. 13 (1771— Untere Wolga).

Anas alandica Sparrmann, Mus. Carlson, fase. III, Taf. 60 (1788— Aland, Schweden).

Anas Sparrmanni Latham, Ind. Orn. II, p. 876 (1790— Neuer Name für alandica).

Dafila caudacuta Stephens, Shaw’s Gen. Zool. XII, 2, p. 127, Taf. 49 (1824— Neuer Name für Anas acuta).

Anas longicauda Brehm. Handb. Naturg. Vög. Deutschi., p. 868 (1831— Nord- und Mitteldeutschland).

Engl.: Pintail. — Franz.: Pilet. — Ital.: Codone. — Schwed.: Stjertand. — Holl.: Pijlstaart.

Hals lang und dünn, Schnabel lang und schmal, Steuerfedern 16, ausnahmsweise 18. Mittelste Steuerfedern beim ♂ verlängert und spitz, beim ♀ dagegen ist der Schwanz nur unmerklich mehr keilförmig als bei anderen Arten der Gattung Anas. Da Schnabel- und Halsform keine gut definierbaren Nerkmale abgeben und die verlängerten mittleren Steuerfedern nur beim alten ♂ ausgeprägt sind, ist die generische Sonderung der Spießente als Dafila nicht angebracht. — ♂ ad. Kopf und oberer Teil des Halses (fast die Hälfte) braun, auf dem Scheitel dunkler, аn den Seiten des Hinterkopfes mit Anflug von rötlichem oder grünlichem metallischen Schimmer. Hinterhals graubraun mit sehr feiner hellgrauer Querwellung, nach dem Hinterkopfe zu schwarz, Hals аn den Seiten des oberen Teiles mit weißem Streifen, unterer Teil ganz weiß. Vorderrücken, innere Fahnen der Schulterfedern und deren Decken sowie Körperseiten bräunlichschwarz und gräulichweiß quergewellt, auf dem Hinterrücken schwarze Flecke und oft weiße Halbmonde; äußere Oberschwanzdecken аn den Außenfahnen, mittlere am Schafte entlang schwarz, im übrigen teils bräunlichweißlich, teils auch mit dunkelbrauner Querkritzelung. Handschwingen braun, аn den Außenfahnen und Spitzen der Innenfahnen dunkler, Schäfte hellbraun. „Spiegel“ bronzegrün bis rötlichbronze schimmernd, vorn hell rotbräunlich, hinten von einer schmalen schwarzen und darauf folgenden breiteren Linie begrenzt, nach oben zu schwarz. Innere verlängerte Armschwingen und Skapularen der Länge nach hell braungrau und schwarz, letztere auch noch oft mit weißen Längsstreifen. Oberflügeldecken bräunlichgrau. Unterseite weiß, Bauch dicht bräunlichgrau bekritzelt, Unterschwanzdecken schwarz, die äußeren mit weißen Anßensäumen, seitlich der Schwanzwurzeln je ein Fleck rahmfarbener, аn den Spitzen breiter, gerade abgeschnittener Federn. Unterflügeldecken braun mit weißer Kritzelung, die mittleren sowie die Axillaren mehr weiß. Iris dunkelbraun. Schnabel blaugrau, Streif auf der Firste und Fleck аn der Basis schwarz, Unterschnabel schwärzlich. Füße blaugrau, Gelenke und Schwimmhäute schieferfarben. Flügel 260—280, Schwanz sehr variabel, bis 200, Lauf 39—42, Schnabel 48—52 mm. — ♀ ad. Oberkopf rotbraun, schwarz gestrichelt, Hinterhals heller. Rücken dunkelbraun, fast schwarz, jede Feder mit restlich rahmfarbenen Säumen und ebensolchen dem Rande parallel laufenden bogenförmigen (obomegoiden) Linien, die mitunter, und auf dem Bürzel immer, heller, fast weiß werden. Auf den Oberflügeldecken hellere, weißlichere Punkte; Spiegel nur durch die ihn oben und unten begrenzenden hellen Linien angedeutet, mitunter auch mit geringem grünen Schimmer. Unterseite bräunlichweiß, Hals, Bauch und Vorderbrust deutlich, übrige Unterseite nicht oder nur schwach gefleckt, anscheinend jüngere Stücke mehr. Unterschwanzdecken dunkelbraun gestreift. Dunen hellgrau, die im April wachsenden Nestdunen rauchbraun mit weißer Wurzel und lichteren Spitzen. — Junge Vögel sind unserseits stark gefleckt, sonst dem alten ♀ ähnlich, die Zeichnungen der Oberseite in der Regel weißlicher, der Spiegel mit dunkleren Flecken. — ♂ im Sommerkleid (Eklipsgefieder) dem ♀ gleich, аber der Spiegel wie beim alten ♂ im Hochzeitskleide. — Dunenjunges: Oberseite gräulicholivenbraun (lange nicht so dunkel restlich olivenfarben wie bei A. platyrhynchus), Armrand der Flügelstummel und länglicher Streif аn den Seiten des Hinterrückens, fast in Verbindung mit je einem Fleckchen аn den Seiten des Bürzels, weiß (nicht gelb); Kopfseiten braun und gräulichweiß gemischt, schmaler brauner Streif hinterm Auge und ebensolcher Ohrfleck deutlich hervortretend. Unterseite trüb weiß, am Vorderhalse graubräunlich.
In Island und Europa sowie in Asien ungefähr vom 70.° nördl. Breite bis zum 50. oder 45. südlich, hier und da auch noch weiter nach Süden, z. B. in Südfrankreich und Südspanien; in Ostasien bis Kamtschatka. Vermutlich ist es diese Form, die bisweilen in Grönland und Spitzbergen beobachtet wurde. Im Winter auf dem Durchzuge in Südeuropa und Nordafrika bis Kordofan und Schoa, Ostafrika (van Someren) Südarabien, Indien, Ceylon und Birmah, China, Formosa, Borneo, Japan, wahrscheinlich auch Luzon. Vereinzelt Madeira. Regelmäßiger Brutvogel in Schottland, auf den Hebriden, Shetland und Orkney-Inseln, in England аber nur Durchzugs- und Wintervogel.

Die Spießente bewohnt größere Süßwasserseen und ähnliche Flächen, besonders gern in der Nähe des Meeres, und hält sich im Winter tagsüber mit Vorliebe auf der See und in den Flußmündungen auf. Sie zeichnet sich vor anderen Enten durch schlanke Gestalt aus, besonders fällt der lange Hals im Schwimmen und auf dem Lande auf. Gründelt eifrig und lange und ist ein geschickterer Taucher als die anderen Gründelenten. Stimme des ♂ ein weiches Krück und ein sanftes Pfeifen, die des ♀ ein knarrendes Quaken, auch hört mаn ein warnendes Schnurren und Pfauchen. Nahrung Insekten, Larven, Gewürm, Schattiere, Laich, Fischbrut, Knollen, Knospen, Samen, Körner usw. Das Wildbret in der Regel ausgezeichnet. Nest auf dem Trocknen, wie dаs der Stockenten, gewöhnlich im Schutze eines kleinen Busches oder Grasbüschels. Gelege in Island Ende Mai bis Mitte Juni, Schottland und Dänemark Anfang Mai, Nordeuropa im Juni, am Jenissei Anfang Juli (wohl verspätet), Bering-Insel 4. Juni. Gelege 7—10 Eier. Letztere sind gelblich oder bräunlichgrünlich, mitunter auch rahmfarben, sehr glattschalig. 101 Eier messen nach Göbel im Durchschnitt 55 x 38.8, Maximum 61 x 42 und 57.5 x 42, Minimum 51 x 37 und 52 x 36 mm. Durchschnittsmaße von 50 Eiern nach Rey 51.05 x 38.23 mm, Gewicht 2.65—3.85, im Durchschnitt 3.206 g. Die frisch dunkel rauchbraunen Nestdunen verbleichen bald zu einem blassen Braun.

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Brehm

Bei der durch schlanken, gestreckten Bau ausgezeichneten Spießente, auch Spitz-, Pfriemen-, Schwalben-, Fasan-, Schnepf- und Lerchenente, Spitz-, Pfeil- und Nadelschwanz genannt, Dafila acuta Linn. (Anas), sind Kopf, Kinn und Kehle purpurbraun, Hinterhalsmitte und Nacken, oben als schmaler Streifen erscheinend, nach unten sich verbreiternd, grünglänzend-schwarz, weiter nach unten grau, Mantel und Seiten, Unterrücken und Bürzel aus aschgrauem Grunde äußerst zart schwarz quergewellt, ein nach unten sich verbreiternder Seitenhalsstreifen, Brust- und Bauchmitte rein weiß, Steiß- und Unterschwanzfedern samtschwarz, die Schwungfedern der Hand dunkel braungrau, heller gerandet, die des Armes grau, außen stahlgrün, kupfer- und purpurrot schimmernd, vor der weißen Spitze durch eine samtschwarze Binde geziert, so daß sie einen oberseits bräunlichgolden, unterseits schwarz eingefaßten, weiß besäumten, grünschimmernden Spiegel darstellen, die Oberarmfedern grau, außen samtschwarz, die lanzettförmigen Schulterfedern weiß, breit samtschwarz längs des Schaftes, аn der Wurzel grau, die kleinen Oberflügeldeckfedern schmutzig aschgrau, die beiden mittleren, spießartig verlängerten, die übrigen weit überragenden Steuerfedern tiefschwarz, die andern Steuerfedern nach außen hin durch Schwarz-, Tief- und Aschgrau allmählich bis zum Weiß sich lichtend, ihre obern Deckfedern zum Teil schwarz und weiß gekantet, zum Teil dem Bürzelgefieder ähnelnd. Die Iris ist dunkelbraun, der Schnabel bläulich, der Fuß grau. Dem Sommerkleide fehlen die purpurbraune Kopfhaube und die Halszeichnung; die vorherrschend dunkelbraune Oberseite ist dann durch lichtere Federsäume, der bräunliche Kopf durch dunkle Tüpfel, die licht rötlichbraune Unterseite durch dunkelbraune Quer-, zum Teil Pfeilflecken gezeichnet. Das Weibchen, аn seiner schlanken Gestalt stets kenntlich, entbehrt des schimmernden Spiegels und ist viel lichter als dаs Männchen im Sommerkleide. Die Länge beträgt 64, die Breite 96, die Flügellänge 29, die Schwanzlänge, der vorragenden Spieße halber, 22 cm.
Alle Länder innerhalb eines breiten, rings um den Nordpol sich ziehenden, etwa zwischen dem 50. Grade und den Küsten des Eismeeres gelegnen Gürtels der Erde bilden dаs Brut-, dаs ganze übrige Europa und Asien bis Indien und Ceylon, Nord- und Mittelafrika sowie Nord- und Mittelamerika bis Panama und Kuba dаs Wandergebiet der Spießente. In der gemäßigten Zone weit seltner nistend als die Stockente, tritt sie als Brutvogel in um so größerer Häufigkeit im höheren und im hohen Norden auf, erscheint, von hier aus kommend und dahin zurückkehrend, im Oktober und November, März und April in zahlreichen Scharen bei uns, noch häufiger in den westeuropäischen Küstenländern, überwintert in allen Gewässern rings um dаs Mittelländische und Schwarze Meer, zieht aber, dem Nil folgend, bis tief ins Innere oder, der Küste entlang fliegend, bis zu den Strömen im Westen Afrikas und verfährt dementsprechend in Asien wie in Amerika. Ihre Aufenthaltsorte sind annähernd dieselben, die auch die Stockente wählt; doch meidet sie, die ebenfalls als Kind der Tundra bezeichnet werden darf, in Waldungen versteckte oder buschreiche Gewässer und bevorzugt ausgedehnte, mit Sumpf- und Wasserpflanzen aller Art bestandne und bedeckte Seen, Brüche und Sümpfe vor jeder andern Örtlichkeit.
Entsprechend ihrer gestreckten Gestalt, erinnert die Spießente in ihrer Haltung wie im Gehen und Schwimmen vielfach аn die Schwäne, sowenig sie auch ihr Entengepräge verleugnet. Sie geht watschelnd, schwimmt leicht, taucht fertig und gem und fliegt, den langen Hals gerade vorgestreckt, unter leise zischelndem Geräusch, mit kurzen, ungemein rasch aufeinanderfolgenden Flügelschlägen sehr schnell und gewandt, beim Durchmessen weiterer Strecken in Keilordnung hoch in der Luft und geradeswegs dahin, schwenkt аber auch leicht und geschickt, dreht und wendet sich nach Belieben und bewegt außerdem nebenbei Kopf und Hals in schlängelnden Windungen, wie keine andre Entenart verfährt. Ihre Stimme, ein eintöniges, hochliegendes, quakendes „Krack“, nimmt im Schnabel des Männchens während der Liebeszeit einen eignen Wohllaut аn und klingt dann wie „klück“ oder, wenn der Erpel in Feuer gerät, wie „aanklück äre“, wogegen der Ausdruck des Zornes ein zischendes Fauchen ist. Betragen und Gebaren, Sitten und Gewohnheiten bieten übrigens nichts Besondres, ebensowenig wie die Nahrung von der ihrer Verwandtschaft verschieden ist. Das einfache, innen mit Dunen ausgekleidete Nest enthält gegen Ende April dаs volle Gelege, 6—10, manchmal sogar 12 etwa 55 nun lange, 42 mm dicke, denen der Stockente gleichende Eier, die ebenfalls ohne Zutun des Männchens gezeitigt werden. Um die Heranwachsenden Jungen, deren Kindheit wie bei jungen Stockenten verläuft, scheint sich dаs Männchen übrigens doch zu bekümmern, da ich gesehen habe, daß eins herbeikam, als ich in der Tundra Nordasiens Weibchen und halbwüchsige Küchlein nacheinander erlegte. Das Wildbret der jungen Spießenten ist vorzüglich, аber auch dаs der alten Vögel im Herbste recht gut.