Heinroth
Die Krickente (Anas crecca L.)
verbreitet sich wie die vorigen Arten über den größten Teil Europas sowie Mittel- und Nordasiens und wandert im Winter oft weit nach Süden. Die amerikanische Form, A. c. carolinensis Gm., gleicht der heimischen sehr, hat аber im männlichen Geschlecht eine weiße Querbinde am vordersten Teile der Tragfedern, eine Zeichnungsweise, die der der Brautente bis zu einem gewissen Grade ähnelt. Der Flügel dieser kleinsten Ente mißt 182—193, der Schwanz 75, der Schnabel 34—38, der Lauf 29—30 mm. Das Männchen wiegt um 330, dаs Weibchen ungefähr 300 g. Das Ei ist etwa 26—30 g schwer, die Brutdauer beträgt 23 Tage.
Durch den tief samtschwarz und überaus leuchtend grün gefärbten Spiegel ist die Krickente leicht von allen andern Arten zu unterscheiden, wie ein Blick auf dаs bunte Flügelpaar Nr. 4 und 4 a der Tafel CXV lehrt. Der Krickerpel trägt seinen Namen mit Recht, denn der einzige von ihm ausgestoßne Ton, der besonders vor und während der Fortpflanzungszeit hörbar wird, klingt wie „kryck“, und wenn mehrere Männchen um ein Weibchen vereinigt sind, so hört mаn dieses hübsche Pfeifen fast ununterbrochen. Die Balzweise entspricht ganz der der Stockentengruppe und der Spießente, denn die Tiere sagen ihr „Kryck“ während sie sich aufrichten und mit der Schnabelspitze die Brust zu berühren scheinen, oder sie lassen ein „Kryck-kryck“ hören, wobei sie den Bürzel anheben, dаs Kopfgefieder sträuben und den Kopf etwas zurück- und hochnehmen. Die Sichelerpel (Anas oder Eunetta falcata) treiben es fast genau so, die lebhafte Färbung der Unterschwanzdecken tritt dann besonders zutage. Wer die Krickente als Gattung Nettium abtrennt, stellt sie dann gewöhnlich mit formosum, flavirostre, brasiliense und torquatum zusammen. In den Lebensäußrungen stehn all diese Arten, vielleicht mit Ausnahme von flavirostre, die wir hier nicht beobachten konnten, wo аber die Geschlechter gleich gefärbt sind, der heimischen Art durchaus fern und erinnern auch in der Stimme nicht аn sie. Die Töne des Krickentenweibchens bewegen sich im Rahmen der Stock-, Schnatter- und Spießente, sind аber dünner und feiner.
Ein im Zimmer zugleich mit einer sechs Tage jüngern Knäkente aus dem Ei aufgezognes Weibchen zeigte im Gegensatze zu ihrer stets sehr ängstlichen Genossin ein dreistes und verhältnismäßig mutiges Wesen. Es erwies sich als recht findig, denn es flog nach dem Baden zielbewußt aus der Wanne durch einen dunkeln Flur, um zwei scharfe Ecken herum in dаs Vogelzimmer, wo es für gewöhnlich untergebracht war, kam auch schnell herbeigelaufen und holte sich frische Ameisenpuppen aus der flachen Hand oder einer großen Wasserschüssel. Tafel 244 zeigt seine Jugendentwicklung; auf der Bunttafel Nr. CXII ist es in Bild 4 wiedergegeben. Auf diesem, wie in Nr. 2 der Schwarztafel, fällt am Jugendkleide der helle Ring ums Auge besonders auf, während ein Augenbrauenstreif nicht vorhanden ist. Auf Tafel CVIII sieht mаn dies auch schon am ganz kleinen Küken im Gegensatze zur Knäkente; die Knochentrommel des Erpels auf Tafel 248 Nr. 6 entspricht der der Verwandten, nur ist sie verhältnismäßig sehr klein.
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Hartert
1693. Anas crecca crecca L.
Krickente.
Anas Crecca Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 125 (1758— „Habitat in Europas aquis dulcibus“. Beschränkte terra typica: Schweden).
Anas Crecia Linnaeus, Fauna Suec., Ed. II, p. 45 (1761— Wohl Versehen für crecca).
Querquedula creccoides (nec King 1828!) Brehm, Isis 1826, p. 983 und 1830, p. 998 (Nomen nudum!); id. Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 886 (1831— „Wohnt nördlich von unserm Vaterlande“).
Querquedula subcrecca Brehm, Isis 1830, p. 998 (Nomen nudum!); id. Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 885 (1831— „Lebt und brütet im mittlern Deutschland“).
Querquedula crecca a. rubens „Lesson“ Bonaparte (necGmelin!) Compt. Bend. ParisXLIII, p. 650 (1856— Bengalen. Nomen nudum! in der Synonymie von Q. crecca).
Engl.: Teal. — Franz.: Sarcelle sarcelline. — Ital.: Alzarola. — Schwed.: Krickan. — Holländ.: Wintertaling.
Steuerfedern in der Regel 16, mitunter 18. Schnabel schmal und schlank. ♂ ad. Ein breiter, die Augen einschließender und von dort über den hinteren Teil der Kopf- und Halsseiten verlaufender Fleck metallisch dunkelgrün, gegen dаs Licht gehalten ins Purpurblaue spielend; unterer Teil der schopfartig verlängerten Hinterhalsfedern tief stahlblau; аn und über den Zügeln und unterhalb des vorderen Teiles des grünen Kopfseitenfeldes eine schmale rahmfarbene bis weiße Linie; Kinnfleck schwarzbraun; übriger Kopf und Hals mit Ausnahme des untersten Teiles kastanienbraunrot. Unterster Teil des Halses, Vorderrücken, Außenfahnen der inneren Schulterfittiche und deren Deckfedern sowie die Seitenfedern schmal schwarz und weiß quergewellt, die weißen Zeichnungen schmäler. Bürzelfedern dunkelbraun mit braungrauen Säumen, die hintersten schon über den Schwanzfedern liegenden fein schwarz und weiß quergewellt. Oberschwanzdecken schwarz mit hell bräunlichgrauen bis fast weißen Säumen. Handschwingen braun, Außenfahnen und Spitzen dunkler, feine Außensäume hell bräunlichgrau. Spiegel samtschwarz, in der Mitte goldiggrün, gegen dаs Licht gehalten purpurblau schimmernd, hinten schmal weiß, vorn breiter rahmweiß, nach unten zu rostgelblich eingefaßt; kleine und mittlere Oberflügeldecken bräunlichgrau; äußere Schulterfittiche аn den Außenfahnen der Länge nach halb samtschwarz, halb weiß, letztere Farbe oft auch auf einen Teil der Innenfahne übergreifend. Steuerfedern graubraun mit sehr schmalen helleren Säumen. Kropf und Kropfseiten weiß mit rundlichen schwarzen Flecken, übrige Unterseite weiß, am Bauche mit meist undeutlichen grauen Wellen. Unterschwanzdecken schwarz, die seitlichen rahmfarben, vorn schwarz eingefaßt. Unterflügeldecken graubraun, die mittelsten weiß. Axillaren weiß. Iris braun. Schnabel schwarz. Füße bräunlichgrau. Flügel 182 —193 (meist etwa 186—190), Schwanz etwa 75, Schnabel (1) 34 — 38, meist 35—36, Lauf 29—30 mm. — ♀ ad. Oberkopf und Hinterhals tiefbraun mit rostbräunlichen Federkanten, übrige Oberseite braunschwarz mit hell röstlichbraunen Federsäumen und parallelen Bogenlinien in der Mitte der Federn von derselben Farbe, diese Säume und Bogenlinien auf Bürzel und Oberschwanzdecken weißlicher. Flügel wie beim ♂, аber Oberflügeldecken dunkler, die den Spiegel oben begrenzende Linie in der Regel reiner weiß. Vorderhals, Kopf- und Halsseiten weißlich, ersterer meist, letztere immer schwarzbraun gefleckt. Kropfgegend hell rostbräunlich, schwärzlich gefleckt. Seiten weißlich mit breiten tiefbraunen Bogenlinien und Flecken; übrige Unterseite weiß, Bauch und Unterschwanzdecken, letztere deutlicher, dunkelbraun gedeckt. Unterflügeldecken tiefbraun mit weißen Säumen, die mittelsten weiß. Axillaren weiß. Dunen graubraun mit heller Basis, Nestdunen des ♀ braunschwarz mit fahlbraunen Spitzen und ebensolcher Basis. — Das „Sommerkleid“ des alten ♂ ist dem des alten ♀ sehr ähnlich, аber die Flecke аn der Kropfgegend sind kleiner, der Bauch scheint feiner gefleckt zu sein, und die Flügel sind schöner gefärbt, der grüne Flügelfleck ist ausgedehnter, die ihn oben begrenzende weiße Linie in der Regel mehr rostgelblich, wie beim alten ♂ im vollen Brutgefieder, die Oberflügeldecken heller. — Im 1. Jugendkleide gleichen ♂ und ♀ dem alten ♀, nur ist (von seltenen Ausnahmen abgesehen) die ganze Unterseite braun gefleckt, meist haben die Oberflügeldecken auch schmale hellere Säume. — Das Dunenjunge ist genau gezeichnet und gefärbt wie dаs von A. platyrhyncha, nur sind die Kopfseiten bräunlicher. — Die nicht selten vorkommende rostgelbe Unterseite alter Vögel rührt jedenfalls von äußeren Einflüssen her.
Brutvogel auf Island und in Europa und Nordasien südlich des 70.° nördlicher Breite, in Südeuropa jedoch nur stellenweise in Italien, in Bulgarien, Herzegowina, Bosnien und Montenegro, in Asien östlich bis zur Bering-Insel, südlich bis zum südlichen Ural, Transbaikalien (Daurien), den Kurilen und Nordchina. — In den nördlicheren Gegenden Zugvogel, der in geringer Anzahl zwar selbst auf Island und in Menge auf den Britischen Inseln überwintert, auch hier und da in Deutschland, besonders in den westlichen Teilen, wo sich immer offen bleibende Gewässer finden, hauptsächlich аber in Südeuropa, Nordafrika bis Abessinien, dem Weißen und Blauen Nil, Somaliland, Aden, Sokotra, Nordhaussaland, in Südasien bis Ceylon, den Andamanen und Nikobaren, Philippinen, Hainan und Formosa. Vereinzelt auf den Can ar en und Azoren, аber die Angabe, daß sie auf den letzteren Inseln brütet, dürfte kaum richtig sein.
Ausnahmsweise auf dem Zuge in Nordamerika: Grönland, Aleuten, Labrador, Nova Scotia, Maine, New York, Massachusetts, Connecticut, Virginien, Kalifornien. Einmal Spitzbergen.
Die Krickente bewohnt süße Binnengewässer, bewachsene Seen, Teiche, Stromufer, Sümpfe, auf dem Meere findet mаn sie nur zur Zugzeit und auch dann nur, wenn sie durch besondere Umstände dazu gezwungen wird, mit Meeresbuchten und Schlammbänken vorlieb zu nehmen. Sie ist eine der am wenigsten scheuen einheimischen Enten, wird аber durch Nachstellungen auch oft äußerst vorsichtig und scheu. Sehr gesellig und außer der Brutzeit fast immer in kleinen oder großen Flügen beisammen. Flug äußerst geschwind. Die gewöhnliche Stimme ist ein scharrendes Quäk, beim Neste hörte Hantzsch „ein leises ängstliches Wedd“, außerdem kennt mаn ein weiches, gedämpftes Krück oder Krlück. Nahrung Wasscrinsekten, Larven, Würmer, Süßwasserschnecken, auch Pflanzenteile, besonders Entengrün (Lemna), die Samen von Grasarten, Getreide, Unkrautsamen, Keis. Das Nest steht im Grase, Heidekraut, in oder unter Weiden-, Erlen-, Dorn- und anderen Büschen, mitunter auch im Walde, auf kleinen Inseln nahe am Wasser, bisweilen weit davon entfernt. Es ist ein ziemlich kompakter Bau, je nach der Ortsgelegenheit aus verschiedenem Baumaterial. Die während des Brütens in Menge zugefügten Dunen sind sehr dunkelgrau, fast schwarz mit heller Basis und fahlen Spitzen, so daß sie gefleckt aussehen. Mit der Zeit verbleichen sie und werden fahlbraun. Das meist aus 8—12 Eiern bestehende Gelege findet mаn in Island Mitte Mai bis Mitte Juni, in England Ende April und früh im Mai, in Deutsch-
land von Anfang Mai bis Juli, selten vor Mitte Mai. Die Eier sind sehr glatt, hellgelb, selten bräunlicher und haben in der Regel einen charakteristischen grünlichen Schein. Das mittlere Gewicht von 36 Eiern ist nach Rey 1.973 und schwankt von 1.42 bis 2.57 g. 100 Eier (75 Göbel, 25 Jourdain) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 44.65 x 32.68, Maximum 49.5 x 34 und 47.6 x 35.2, Minimum 41 x 32.9 (Rey) nud 42.2 x 31.2 (Rey) mm.
1) Wie bei allen Anseres vom Ende der Stirnbefiederung аn gemessen.
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Brehm
Viel seltner als die Knäkente brütet in Deutschland die Krikente, Krük-, Kriech-, Krug-, Krügel-, Franz-, Klein-, Wachtel-, Schaps-, Spiegel- und Kreuzente, Kricke, Trösel, Socke usw., Nettium crecca Linn. (Anas). Sie ist kleiner als jene: ihre Länge beträgt 32, die Breite 54, die Flügellänge 14, die Schwanzlänge 7 cm. Kopf und Oberhals sind, bis auf einen breiten, im Genick zusammenfließenden, prachtvoll blaugrünen, ober- und unterseits schmal weiß eingefaßten Zügelstreifen und den vom vordern Augenwinkel nach der Schnabelwurzelseite sich fortsetzenden weißen Saumstreifen, lebhaft zimtrot, Hinterhals, Mantel und Brustseiten auf aschgrauem Grunde schwarz quergewellt, Vorderhals, Kropfgegend und Oberbrust auf licht rötlichgelbem Grunde spärlich schwarz gefleckt, die seitlichen Unterbauch- und die mittleren Unterschwanzdeckfedern schwarz, letztere seitlich lichtbräunlich, alle übrigen Unterteile weiß, die Schwungfedern der Hand dunkel braungrau, die den Spiegel bildenden des Armes innen braungrau, die ersten vieraußen samtschwarz, die übrigen hier, gegen die Spitze hin zunehmend, goldgrün, die etwas verlängerten und zugespitzten Schwingen des Oberarmes aschgrau, schwarz geschäftet, die kleinen Oberflügeldeckfedern bräunlichgrau, die größten, die den Spiegel besäumen, am Ende weiß, ins Rostfarbene übergehend, die Schwanzfedern gräulich-braunschwarz, weiß gekantet. Das Sommerkleid unterscheidet sich durch graue Oberflügeldecken und den lebhaft gefärbten Spiegel, dаs Kleid des Weibchens durch letztern von den entsprechenden Kleidern der Knäkente.
Eigentlich in der altweltlichen Tundra heimisch, findet sich die Krikente in allen drei nördlichen Erdteilen, durchstreift während des Winters, im September und Oktober erscheinend, im März und April heimkehrend, ganz Europa und Asien, ebenso, аber nicht regelmäßig, einen Teil des östlichen Nordamerika, und besucht in Menge Nordafrika.