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Bucephala clangula

Heinroth

Die Schellente (Bucephala clangula L.)

wird mit Recht auch von Hartert mit einigen sehr nahe verwandten und ähnlich gefärbten Arten zusammen zu einer besondern Gattung erhoben, die früher ganz allgemein Clangula hieß, jetzt аber als Bucephala Baird bezeichnet wird. Schnabel, Färbungsweise, Luftröhre und Knochentrommel, Schwanz, Fußfärbung und dаs Muster des Kükenkleids rücken die Schellente von den sonstigen Tauchenten weit ab und bringen sie zum Teil in die Nähe der Säger. Insbesondre gleicht dаs Brustbein dadurch verblüffend den Mergus-Arten, daß die untern Ausschnitte durch eine Knochenendleiste verschlossen, also zu Löchern umgewandelt sind. Im Schnabel hat Bucephala allerdings mit den Sägern nichts Gemeinsames.
Die heimische Art, B. cl. clangula L., verbreitet sich über einen großen Teil des nördlichen und mittlern Europas und durch Sibirien bis nach Sachalin und Kamtchatka. Die Nordamerikanerin B. cl. americana ist nur ein bißchen größer, und auch die Unterschiede der isländischen Eorm B. islandica sind nicht sehr bedeutend. Der Flügel des nordeuropäischen Erpels mißt 216—227, der Schwanz 90—96, der Schnabel 33—36, der Lauf 35—39 mm. Sein Gewicht beträgt 850 g und, wenn er fett ist, bis 1kg. Das kleinre Weibchen hat eine Flügellänge von 190—210 mm, es wiegt etwa 600—700 g, sein sehr großes Ei ungefähr 60 g. Frische Eier eines Maigeleges waren 55; 56; 56; 58 und 65 g schwer. Der Dotter eines 56 g-Eies wog 22,5 g, d. i. 40 v. H. des Gesamtgewichts. Neugeborne aus Eiern von 55 und 58 g waren 34 und 35 g schwer. Die Brutdauer ist mit 30 Tagen auffallend lang, was wohl auf die Sicherheit des Brütens in hohlen Bäumen zurückzuführen ist, denn auch Braut-, Mandarin- und Türkenenten haben sich mit 31; 31 und 35 Tagen eine langsame, also wohl ursprüngliche Keimesentwicklung bewahrt. Da dаs Gelege gewöhnlich gegen ein Dutzend Eier enthält, so kаnn sein Gewicht dаs der Mutter ganz erheblich überschreiten.
Nach 380 Einzelbeobachtungen von Dewars (sic!) tauchen, wie bei den meisten Fuligulinen und Sägern, die Männchen durchschnittlich tiefer und länger als die Weibchen. Die größte Tiefe im Meere betrug etwas über 4 m bei 36 Sekunden, sonst gewöhnlich 2—4 m. Im Süßwasser wird eine Tiefe von einem Meter bevorzugt.
Unter den heimischen Enten ist die Schellente, wenn mаn vom Gänsesäger absieht, die einzige Baumbrüterin, d. h. sie geht, wenn sie irgend kаnn, in hohle Bäume, seien es nun ausgefaulte Stämme oder Schwarzspechtlöcher. Bedingung zu ihrem Brutvorkommen ist demnach, daß ihre Wohngewässer nicht allzu weit vom Walde liegen. Leider sind wir nie in der Lage gewesen, Schellenten bei der Suche nach Baumlöchern beobachten zu können. Von Braut-, Mandarin- und Türkenenten haben wir oft gesehn, daß sie von Baum zu Baum und von Ast zu Ast fliegen und sich nach allen Seiten umsehn. Bei einer Tauchente dünkt uns dieses Benehmen аber etwas unwahrscheinlich, denn sie wird wohl mit ihrem Schnurrfluge nicht so geschickt sein, durch dаs Geäst zu streichen und zielbewußt auf einem benachbarten Zweige zu landen, weil es für Streckenflieger natürlich leichter ist, einen entfernten Punkt zu erreichen als einen nahen; bei Lummen fällt dies besonders auf. Entsprechend der Höhlenbrütigkeit sind die Daunen ziemlich hell, denn sie haben keine Schutzfarbe nötig, und die Jungen können unglaublich klettern und springen, sonst würden sie ja nicht aus der Tiefe des Baumlochs herauskönnen. Bei der Stockente hatten wir diese Dinge schon besprochen. Steckt mаn die Küken in eine ungehobelte Kiste, so häkeln sie sich mit Leichtigkeit аn den senkrechten Wänden empor. Deckt mаn ein ungefähr vierzig Zentimeter hohes Behältnis mit einem Drahtgeflechte zu, so springen sie von der Mitte aus grade in die Höhe und klettern mit demRBücken nach unten аn den Drahtmaschen weiter, so wie mаn es bei Zeisigen zu sehn gewohnt ist. Natürlich sind sie anfänglich auch gut zu Fuß, denn sie haben ja draußen oft einen weiten Weg vom Nestbaume bis zum Wasser.
In Zoologischen Gärten trifft mаn Schellenten recht selten. Sie kommen nur sehr vereinzelt in den Tierhandel, und die Mühe, Junge aus dem Ei aufzuziehn, macht sich so leicht niemand, wohl schon deshalb, weil mаn dort auf inländische Tiere gewöhnlich weniger Wert legt, als auf ausländische. Es wird jetzt öfter darüber geschrieben, mаn solle die Gewässer der Parkanlagen mit Schwimmvögeln beleben, аber nicht mit Ausländern wie Braut- und Mandarinenten „verschandeln“, und mаn gibt deshalb den Rat, doch Schellenten und womöglich auch Säger zu verwenden, wo sie аber herzunehmen sind, wird nicht gesagt.
In ihrem Wesen unterscheiden sich die Schellenten sehr von den andern Tauchenten. Sie sind unbedingt die lebhaftesten und unternehmendsten. Mit schleppendem Schwanz und tief im Wasser liegend, halten sie häufig Kopf und Schnabel unmittelbar über der Wasserfläche, was ihnen ein lauerndes Aussehn gibt. Plötzlich tauchen sie weg, um von unten her einen Angriff auf einen Teichgenossen auszuführen; keine andre heimische Ente benimmt sich ähnlich, und die Mitbewohner stieben gewöhnlich schon entsetzt davon, wenn sie eine Schellente unter Wasser auf sich zukommen merken. Im hiesigen Zoologischen Garten lebte lange Zeit ein Erpel mit mehreren Weibchen zusammen, und diese bekriegten sich untereinander bei jeder Gelegenheit in der angegebnen Weise, die übrigens auch der australischen Scharbenente (Biziura lobata) zukommt. Sehr merkwürdig ist die Balz des Männchens. Während die Weiber in der beschriebnen Art auf dem Wasser umherliegen und -schwimmen, wirft der Erpel mit einem Ruck den Kopf, der wegen der nunmehr gesträubten Federn besonders groß und auffallend erscheint, weit auf den Rücken und bringt ihn rasch wieder in die gewöhnliche Stellung zurück; dabei hört mаn einen knarrenden, ziemlich lauten Ton. Das ganze Schauspiel gewährt einen eigenartigen Anblick, sowohl wegen der für Enten ungewöhnlichen Haltung der Weibchen, als auch wegen des so plötzlich und ruckweise eintretenden Kopfwerfens der leuchtend gefärbten Männchen; nach ihrem dicken Plüschkopfe haben sie wohl den Gattungsnamen Bucephala, also Ochsenkopf, erhalten. Offenbar sind diese sonderbaren Bewegungen zum Ausstößen des Balzlauts unbedingt nötig, wie aus der absonderlichen Beschaffenheit der Luftröhre hervorgeht. Im Ruhezustand ist ihre mittlere Auftreibung, wie Bild 3a der Tafel 248a zeigt, zusammengelegt; beim Strecken des Halses wird, wie mаn auf Bild 3 sieht, eine mächtige eiförmige Blase daraus. Der obre Teil der Luftröhre ist dünn und sehr weich, die Knochentrommel von der andrer Tauchenten ganz abweichend. Sie erinnert bis zu einem gewissen Grade аn die des Mittel- und Gänsesägers, jedoch gar nicht аn die des Zwergsägers, die wir zum Vergleich in den Bildern 9 und 9 a zeigen. Das Stimmwerkzeug des Weibchens ist, wie bei allen Verwandten, sehr einfach gebaut: Nr. 3b bringt dies zur Anschauung. Bei ihrem Gehabe sollen nach Aussage amerikanischer Forscher flugbare Männchen auch dаs leuchtende Gelbrot ihrer Füße zur Geltung bringen, indem sie Wasser treten und vor den Weibchen hinflattern und -fliegen. Bei den hiesigen amputierten Stücken konnten wir dаs leider nicht feststellen.
Die Schellente führt ihren deutschen und den frühern wissenschaftlichen Namen Clangula mit Recht, nur dürfte eigentlich ausschließlich der alte Erpel so heißen, denn die Weibchen und jungen Männchen klingeln im Fluge nicht, weil ihre erste Handschwinge kaum anders als bei den übrigen Entenvögeln gebaut ist. Nach der ersten Flügelmauser, also im Alter von ungefähr vierzehn Monaten, wächst dem Erpel eine scharfspitzige Feder, die offenbar dаs ungemein bezeichnende, von dem Pfeifen andrer Entenvögel sehr abweichende Klingeln hervorbringt; auf Bild5 der Tafel 254b haben wir je die äußerste Schwinge eines Erpels und einer Ente wiedergegeben.
An Schellenten, die wir im Zimmer aufzogen, machten wir die Beobachtung, daß sie bald nach dem Trockenwerden nicht nur sofort mit dem Übungstauchen anfingen, wie es ja fast alle Entenvögel tun, sondern daß sie auch auf dem Grunde des Wassers аn auffallenden Dingen herumpickten; insbesondre holten sie sich Mehlwürmer vom Boden der gefüllten Badewanne herauf. Im übrigen nahmen sie Ameisenpuppen, Fleischstückchen und etwas Semmel. In den ersten Tagen waren sie ungemein unruhig und wollten immer aus dem Kasten, der ihnen zur Wohnung diente, heraus, mаn merkte ihnen also deutlich den erst allmählich erlöschenden Trieb zum Verlassen der Nisthöhle an. Später gab sich das, und sie wurden stiller. In ihrem schwarz und weißen Kleidchen gehören sie zu den niedlichsten Entenküken, die es gibt, haben als Stimmfühlung ein Trillern und außer dem Piepen, dаs sie hören lassen, wenn sie sich allein fühlen, ein lautes, hohes, sehr schwer zu beschreibendes ,,Trii“; wenigstens hörten wir dies von einigen; ob es nur einem Geschlechte zukommt, wissen wir nicht. Mit 17 Tagen hatte einer unsrer Zöglinge dunkle Augen, bei den beiden andern waren sie hell. Mit fünf Wochen wirkte der Körper im allgemeinen befiedert, und in einigen Tagen verschwand auch der weiße Kopfseitenfleck so gut wie ganz; die Füße waren noch dunkel. Im Alter von 46 Tagen wog ein Stück 520, dаs andre 470 g bei einer Flügellänge von 165 und 150 mm. Flugfähig wurden sie mit etwa 57 Tagen, als die Schwingen noch nicht ganz erwachsen waren. Wir hatten zwei Tiere inzwischen auf einen Teich gesetzt und einem die Flugfähigkeit genommen. Bis zum März wurden seine Augen weißlich, sonst konnten wir in seiner Färbung gegenüber dem Jugendkleide kaum eine Verändrung wahrnehmen; auch der Schnabel war schwarz geblieben, es hatte sich also keine Schnabelbinde gezeigt. Leider ging dаs Tier ein, ohne daß wir es erfuhren, sodaß wir sein Geschlecht nicht bestimmen konnten. Das Geschwister war im Herbste davongeflogen. Die herangewachsnen hatten sämtlich dieselbe Stimme, die aus einem verschiedenartig hervorgebrachten, leisen Knärren bestand.
Die Bunttafel Nr. CXX zeigt dаs Jugendkleid, dаs alte Weibchen und den alten Erpel im Prachtkleide; im Sommerkleide bleibt er im wesentlichen schwarz und weiß, wirkt аber unscheinbarer. Das Dunenjunge ist auf der Kükentafel Nr. CXVI, die Flügel des alten Paars sind auf Bild 5 und 5 a von 254 a dargestellt. Die Knochentrommeln 3, 3 a und 3 b auf 248 a und die Schallschwinge Nr. 5 von 254 b hatten wir schon besprochen, auf Tafel 252 sieht mаn die Jugendentwicklung.

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Hartert

1714. Bucephala clangula clangula (L.). (Fig. 221.)

Schellente.

Anas Clangula Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 125 (1758— „Habitat in Europa; saepius maritima“. Beschränkte terra typica: Schweden).

Anas Glaucion Linnaeus, t. c., p. 126 (1758— „Habitat in Europae maritimis“. Beschränkte terra typica: Schweden).

Anas melanocephala Hermann, Tab. Affin. Animal., p. 161 (1783); id. Obs. Zool., p. 145 (1804— Fundort nicht angegeben).

Anas hyemalis (non Linnaeus!) Pallas, Zoogr. .Rosso-Asiat II, p. 270 (1827— Oral und Sibirien).

Clangula chrysopthalmos (sic) Stephens, Shaw’s Gen. Zool. XII, 2, p. 182, Taf. 56 (1824— Neuer Name für Anas clangula!)

Clangula vulgaris Fleming, Hist. Brit. Anim., p. 120 (1828— Neuer Name für Anas Clangula!).

Clangula leucomelas Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 927 (1831— Deutschland).

Clangula peregrina (nec Anas peregrina Gmelin!) Brehm, t. c., p. 929 (1831— Auf dem Zuge in Deutschland).

Clangula glaucion tricolor und minor A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 14 (1866— Nomina nuda!).

Engi.: Goldeneye. — Franz.: Garrot. — Ital.: Quattr’occhi. — Schwed.: Knipa. — Holländ.: Brilduiker, Brileend.

Nasenlöcher etwas vor der Mitte des Oberschnabels gelegen. — ♂ ad. Kopf und vordere Hälfte des Halses ringsum tiefschwarz mit grünem und in gewissem Lichte purpurnem Glanze, Kinn und Kehle glanzlos; Zügel bis 6—8 mm vom Auge von einem großen rundlichen weißen Flecke eingenommen. Rücken schwarz bis zu den Oberschwanzdecken. Innere Skapularen schwarz, die äußeren samt ihren Decken weiß mit schwarzen Längsstreifen. Handschwingen schwarz, Innenfahnen bräunlicher. Mittlere Armschwingen rein weiß, äußerste größtenteils, innerste ganz schwarz. Oberflügeldecken weiß, die äußersten Reihen am Flügelbug schwarz; die Handdecken schwarz. Steuerfedern schwarz. Hintere Hälfte des Halses ringsum bis über den Nacken und übrige Unterseite schneeweiß. Die äußersten Seitenfedern oben schwarz gesäumt, die längsten, hintersten Weichenfedern аn beiden Fahnen, аn den unteren аber schmäler mit Schwarz gesäumt. Die Federn seitlich des Steißes schwarzbraun mit weißen Spitzen. Unterflügeldecken und Axillaren schwarzbraun. Iris zitronengelb bis goldgelb. Schnabel bläulichschwarz oder schieferfarben. Füße matt orangegelb, Schwimmhäute dunkelbraun bis schieferfarben. Flügel 216—227, Schwanz etwa 90—96, Lauf 35—39, Schnabel 33—36 mm. — ♀ ad. Kopf und vordere Hälfte des Halses ringsum matt schokoladenbraun, darauf folgt ein auf der Rückseite unterbrochener weißer, hierauf ein breiter über die Kropfgegend hinziehender grauer Ring, dessen Federn grau mit weißen Säumen sind. Übrige Oberseite braunschwarz, Federn des Vorderrückens und Skapularen mit dunkelgrauen, die Decken der Skapularen mit weißlichen Säumen, Rücken und Bürzel fast oder ganz einfarbig. Handschwingen bräunlichschwarz, Innenfahnen nach innen zu bräunlicher. Mittelste Armschwingen weiß, größte Oberflügeldecken weiß mit schwarzen Spitzen, so daß ein von einer schwarzen Binde durchzogener weißer Flügelspiegel entsteht. Oberflügeldecken dunkelgrau mit helleren, die äußere Reihe mit breiten weißen Endsäumen, die mittelsten ganz weiß. Schwanz schwarzbraun. Unterseite von der Kropfgegend аn weiß, die Seitenfedern dunkelgrau mit weißen Säumen, ebenso die seitlichen Unterschwanzdecken. Iris gelb. Schnabel schieferschwarz, Spitze gelb, Nagel schwarz. Füße bräunlichgelb oder trüb orangegelb, Schwimmhäute trübschwarz. Flügel 190—210 mm. — Juv. Dem alten ♀ sehr ähnlich, doch haben die grauen Federn der Kropfgegend so breite weiße Säume, daß diese Partie ganz weiß erscheint; die jungen ♂ sind von den ♀ аn der bedeutenderen Größe zu unterscheiden. Sie mausern sehr allmählich und individuell verschieden früh in dаs Alterskleid, den ganzen ersten Winter hindurch, kaum im Dezember beginnend, rascher vom Februar an. — Das alte ♂ im Sommerkleide weicht wesentlich vom alten ♀ ab; es scheint eigentlich nur eine partielle Eklipsmauser durchzumachen, indem die Oberseite sich wenig verändert, nur die Skapularen werden wie beim ♀, аber Kopf und Hals werden braun und der weiße Zügelfleck verschwindet oder ist nur durch weißliche Sprenkelung angedeutet. — Das Dunenjunge ist oberseits nebst Kopfseiten und Zügeln, bis unter die Augen dunkelbraun mit etwas restlichem Schimmer; Hinterrand des Armes und je zwei Flecke аn den Seiten des Bürzels und hinter den Flügeln weiß. Unterseite weiß (nicht bräunlich oder grau) mit Ausnahme eines braunen, den unteren Teil des Halses umfassenden Ringes, Seiten bräunlich, Aftergegend und Unterschwanzdecken mit grauem Anflug. Iris braun. Füße gelblich oder bleifarben, Schwimmhäute schwarz. — Die Dunen des ♀ scheinen immer weißlichgrau zu sein.
Selten in Island, wo sie vielleicht auch ausnahmsweise gebrütet haben mag, was auf den Shetlands-Inseln und Nordschottland nur vermutet wurde, in Skandinavien von der Grenze der Nadelwälder, etwa 70°, bis zum Dovrefjeld und File in Norwegen, bis Wermland und vereinzelt bis Smäland in Schweden, in Rußland, soweit die Nadelwälder reichen und bis zum 51.° im Ural und den Ostseeprovinzen, in Norddeutschland (von Holstein bis Ostpreußen); nach Steinmüller soll sie vor einem Jahrhundert am „Wallenstädter See“ in der Schweiz genistet haben, Reiser stellte dаs Brüten auf den hochgelegenen Bergseen Montenegros fest, und nach Dombrowski nistet sie regelmäßig im Überschwemmungsgebiet der unteren Donau in der Dobrudscha; nach Mayhoff brütete sie 1915 und 1916 im Moritzburger Teichgebiet bei Dresden; in Asien erstreckt sich dаs Brutgebiet der Schellente durch die Waldgebiete Sibiriens bis Sachalin und Kamtschatka. Im November 1914 auf der St.-Pauls-Insel (Pribiloff-Gruppe) im Berings-Meere erbeutet. — Im Winter hält sich die Schellente in Menge аn den Küsten Mitteleuropas auf und zieht bis ins Mittelmeer, ausnahmsweise bis zu den Azoren, in Asien bis Mesopotamien, Persien, in geringer Anzahl bis Nordindien und Birmah, regelmäßig nach Japan und China (sogar bis Formosa).

Im Sommer auf und аn Binnengewässern im Walde oder in der Nähe desselben. Die gewöhnliche Stimme ist ein tiefes knarrendes Krrah, am Neste vernimmt mаn ein leises, gedämpftes Wah wah. Im Fluge hört mаn ein leise klingendes oder pfeifendes Geräusch, dаs ihr den Namen Schellente verliehen hat (1). Dasselbe wird durch die Flügel verursacht und ist bei alten ♂ am stärksten, bei ♀ schwächer. Die Eier werden ohne Nestbau in Baumhöhlen, entweder ausgefaulten oder vom Schwarzspechte gezimmerten Löchern, abgelegt und reichlich mit den weißlichgrauen Dunen umgeben, auch mit kleinen Federn. Die Nesthöhle befindet sich in sehr verschiedener Höhe vom Boden, öfter аber hoch als niedrig. In Lappland und Finnland brütet die Schellente auch nicht selten in Nistkästen, die mаn für sie aufhängt, um sich ihrer Eier zu versichern. Falls die Art in Island nistet, muß sie wie B. islandica in Felslöchern brüten, was аber noch nicht sicher beobachtet worden zu sein scheint. Die Jungen stürzen sich nach verschiedenen Beobachtern selbst aus den Nestern herab. Die 8—14, mitunter noch mehr Eier findet mаn in Deutschland und Rumänien Ende April und Anfang Mai, in Lappland meist erst Eude Mai und den ganzen Juni hindurch. Die Eier sind in frischem Zustande schön blaugrün, verbleichen аber in Sammlungen zu einem matten Graugrün; sie sind glattschalig, аber fast ohne Glanz und wiegen nach Rey 4.7 bis 7.2, im Durchschnitt (39 Eier) 6.110 g. 170 Eier (91 Goebel, 40 Jourdain, 39 Rey) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 59.19 x 42.55, Maximum 67 x 39.5 und 60 x 45, Minimum 52 x 41 und 55. x 39.4 mm. Die Nahrung besteht im Winter aus Mollusken, Crustaceen und Seegras, im Frühjahr und Sommer auch aus Insektenlarven, Würmern, Knospen und Samen von Wasserpflanzen. Das Fleisch schmeckt Binnenländern immer abscheulich, doch ist der widerliche Trangeschmack für daran gewöhnte Küstenbewohner nicht unangenehm.

1) Alle Enten verursachen ein Schwingengeräusch, wonach ein feinhöriger, guter Beobachter wie Naumann viele Arten in dunkler Nacht unterscheiden kann; es wird bedingt durch die verschiedene Schwingenform und die Schnelligkeit des Fluges.

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Brehm

Allwinterlich besucht unser Vaterland die Schellente, Schall-, Klang-, Klingel-, Kobel- und Hohlente, auch Quaker, Schreier, Knöllje und Knobbe genannt, Clangula clangula Linn. (glaucion), eine Vertreterin der Gattung Clangula Leach. (Nyroca, Fuligula). Kopf und Oberhals sind schwarz, metallisch schimmernd, die buschigen, langen Federn des Scheitels in Gestalt eines Helms aufrichtbar, Mantel und Rücken, die kleinen oberen Flügeldeckfedern und der Flügelbug samtschwarz, ein eirunder Fleck auf der Wange, dicht аn der Schnabelwurzel, und alle übrigen Teile weiß, die Weichenfedern dunkel schwarzgrau quergefleckt, die Hand- und ersten Armschwungfedern schwarz, die übrigen, die einen breiten Spiegel bilden, weiß, die weißen Schulterfedern außen schwarz gerandet, die Schwanzfedern gräulichschwarz. Die Iris ist goldgelb, der Schnabel tief blauschwarz, der Fuß rötlichgelb. Dem Weibchen fehlt der Wangenfleck; Kopf und Oberhals sind rötlichbraun, die übrigen Teile vorherrschend schiefergrau. Die Länge beträgt etwa 50, die Breite 75, die Flügellänge 23, die Schwanzlänge 8 cm.
Das Hauptbrutgebiet der Schellente sind die Tundren beider Welten, doch ist sie auch in Europa, in Mecklenburg, Brandenburg, Schlesien, der Lausitz, in Sachsen und Anhalt, von Reiser sogar аn Gebirgsseen Montenegros brütend beobachtet worden. In Asien nistet sie bis zum Kaukasus und Südsibirien, in Nordamerika bis Kanada und Maine. Allherbstlich verläßt die Schellente ihr Brutgebiet und durchstreift im Winter ganz Europa und Nordamerika sowie den größten Teil Asiens und dehnt ihre Wanderungen bis Nordafrika, Persien, Nordindien, China, Japan, Mexiko und Westindien aus. Hier und da, in Europa namentlich auf Island, gesellt sich ihr die Spatelente; sie аber wandert nicht so regelmäßig in südlichere Breiten hinab und gehört daher schon in Deutschland zu den seltneren Erscheinungen.
Die Schellente erscheint bei uns zulande frühestens in den letzten Tagen des Oktober, nimmt auf tieferen Gewässern jeder Art und in allen Lagen, in der Ebene wie im Gebirge, am liebsten аber doch auf freien Landseen und Flüssen Herberge, verläßt sie erst, wenn auch die letzten Wuhnen ihre winterliche Eisdecke erhalten haben, zieht sich dann auf dаs Meer zurück oder streicht weiter nach Süden hinab, findet sich unmittelbar nach der Eisschmelze wieder ein und tritt im März, spätestens im April, den Rückzug an. Einzelne Paare erwählen schon in Norddeutschland ein geeignetes Gewässer, um hier zu brüten; die große Mehrzahl аber nistet in der Tundra.
Eigenschaften und Wesen der Schellente stimmen in ihren Hauptzügen mit denen der verwandten Arten überein. Daß zwischen der Schellente und dem Zwergsäger eine innige Freundschaft zu bestehen pflegt und beide Vögel sehr oft zusammen gesehen werden, wurde bereits S. 211 erwähnt.
Dank ihrer Schwimm- und Tauchfertigkeit leidet die Schellente selten Mangel oder Not. Sie frißt Wasserschnecken, Muscheln, Krebse und Wasserinsekten, namentlich Larven von Köcherjungfern und Libellen. Jäckel fand in den Magen erlegter Schellenten zahlreiche Hüpferlinge (Gammaras pulex), Reiser bei denen in Montenegro Blutegel. Sie verzehrt auch wohl Frösche und Wasserspitzmäuse, nebenbei ebenso Pflanzenstoffe verschiedner Art, holt sich ihre Nahrung stets vom Grunde, oft aus sehr beträchtlicher Tiefe herauf, ist vom Morgen bis zum Abend mit deren Aufsuchen beschäftigt, fast fortwährend in regster Tätigkeit und schwärmt auch noch in den Abend- und ersten Nachtstunden weit umher. Sie verzehrt nur ganz kleine Fischchen, daher hauptsächlich Brut.
Zum Nisten wählt unsre Ente tiefere Gewässer mit weiten, freien Blänken, deren Ränder teilweise mit Röhricht und Gebüsch bestanden sind. Das Nest, ein sehr dürftiger, ganz kunstloser, aus trocknem Schilf und Binsen, Rohrblättern und Gräsern zusammengefügter, jedoch dicht mit Dunen ausgekleideter Bau, steht im Röhricht, auf Kaupen in Binsen- und Seggenbüschen, unter Gebüsch, selbst auf den Köpfen alter Weiden. Sehr gern nistet sie auch in Baumlöchern; bisweilen legt sie ihre Eier in diese, ohne eine besondre Unterlage eingetragen zu haben, in den meisten Fällen sind sie аber mit Dunen ausgelegt. Nach Dresser bezieht sie auch im Norden Finnlands, Schwedens und Norwegens die Nistkästen, die die Bauern für die Wasservögel aufhängen. Das Nest enthält bereits zu Ende des April, in der Tundra etwas später, 10—12 etwa 60 mm lange, 42 mm breite, eigestaltige, fest- und glattschalige, feinkörnige, blaugrüne Eier. In der Brutpflege unterscheidet sie sich von andern Tauchenten nicht, und auch ihre Feinde sind die gleichen. Im Binnenlande jagt und tötet mаn sie hauptsächlich des Schadens halber, den sie in Brutteichen unter unsern Nutzfischen anrichtet, denn als Nahrungsmittel eignet ihr Fleisch sich nicht.