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Mergellus albellus

Heinroth

Der Zwergsäger (Mergus albellus)

ist im dritten Bande nur insofern berücksichtigt worden, als die Luftröhre des Männchens auf Tafel 248 a und je ein Flügel des alten Männchens und Weibchens auf Tafel 254 a dargestellt sind. Luftröhre und Knochentrommel weichen sehr von denen des Gänse- und des Mittelsägers ab, und namentlich die Luftröhre erinnert durch ihre Weite und knöcherne Starrheit аn die des Tafelerpels. Auch die Knochentrommel zeigt Anklänge аn manche Tauchenten. Die beiden in diesem Bande auf der Bunttafel Nr. XXV wiedergegebnen Aufnahmen sowie dаs Bild des Weibchens auf der Schwarztafel Nr. 53 stellen Vögel des Berliner Zoologischen Gartens dar.
Man sieht diese Art, ebenso wie die andern Säger, selten in zoologischen Gärten, denn sie sind schwer im Tierhandel zu bekommen, da sie ja nicht in die Entenfänge аn der Küste gehn. Einmal eingewöhnt, halten sie gut, und die Männchen im Prachtkleide sind gradezu entzückende Vögel. Natürlich kommt mаn hier in Mitteleuropa nie in die Lage, Junge aus dem Ei aufzuziehen, da dаs Brutgebiet sich im wesentlichen über dаs hochnordische Europa und Asien erstreckt. Die weiter südlich gelegenen Niststätten аn der Wolga kommen natürlich auch nicht in Betracht, dаs Brüten in der Dobrudscha scheint deshalb nicht ganz sicher gestellt, weil dort in den späteren Frühlingsmonaten zwar einzelne Paare, аber niemals noch nicht flugfähige Jungvögel beobachtet worden sind. Im Winter zieht der Zwergsäger bis zum Mittel-, dem Schwarzen und Kaspischen Meere, ferner nach Nordindien, Persien und Afghanistan. Auch in Mitteleuropa überwintern viele, und mаn trifft sie mit Reiher- und Schellenten, mit Gänsesägern und Bleßhühnern vereinigt auf eisfreien Stellen der Seen, wo sie tauchend fischen.
Die fast weiß erscheinenden Zwergsägermännchen fallen besonders auf. Man berücksichtige, daß die grauen Stücke durchaus nicht lauter Weibchen zu sein brauchen, denn die Männer legen erst im zweiten Jahr ihr Prachtkleid аn und sind von ihren Schwestern und Müttern nur aus allernächster Nähe zu unterscheiden. Bei Schellenten ist dies ja ähnlich. Der Flügel des Männchens mißt 195 bis 202, der Schwanz 75 bis 80, der Schnabel 28 bis 30, der Lauf 32 bis 33 mm, dаs Weibchen ist wesentlich kleiner und hat eine Flügellänge von 180 bis 190 mm. Das Sommerkleid des Männchens ähnelt dem Jugend- und dem Weibchenkleide sehr, tritt аber in Mitteleuropa kaum in Erscheinung, da es nur am Brutorte getragen wird.
Das Gewicht gut fetter Zwergsägermännchen beträgt ungefähr 3/4, dаs der Weibchen etwa 1/2 kg, jedoch sind Männchen von 650 g auch noch recht gut im Stande.

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Hartert

1739. Mergus albellus L.

Zwergsäger.

Mergus Albellus Linnaeus, Syst. Nat., Ed. X, I, p. 129 (1758— „Habitat in Europa“. Beschränkte terra typica: Mittelmeer bei Smyrna, nach Hasselquist).

Mergus minutus id., 1. c. (1758— „Habitat in Europa).

Mergus Glacialis Brünnich, Orn. Bor., p. 24 (1764— Christiansöe).

Mergus albulus Scopoli, Annus I, Histor.-Nat., p. 71 (1769— Krain).

Mergxcs pannonicus id., t. c., p. 72 (1769— Beschr.. des $).

Mergus mustelinus Bechstein, Orn. Taschenb. II, p. 401 (1803— Als junges ♂ von M. albellus beschrieben).

? Mergus maculatus id., 1. c. (1803— Als Var. von M. albellus beschrieben, аber Beschr. zweifelhaft).

Mergellus albellus glacialis A. E. Brehm, Verz. Samml., p. 14 (1866— Nomen nudum!).

Engl.: Smew. — Franz.: Petit Harle Huppé. — Ital.: Pesciajola. — Schwed.: Salskrako. — Holländ.: Nonnetje.

Abbild.: Bresser, B. Europe VI, Taf. 454, 455; „Neuer Naumann“ X, Taf. 27, 28. 29.

Steuerfedern 16, selten 18. — ♂ ad. (Winter und Frühling): Größtenteils rein weiß. Die ganze Zügelgegend bis zum Auge und mitunter bis über dasselbe hinaus, je ein am Hinterkopfe verbundener länglicher schwarzer Fleck аn den Seiten des Hinterkopfes, teilweise von den verlängerten Haubenfedern überragt, oft durch eine Punktreihe, selten durch einen deutlichen Strich mit dem Auge verbunden; der Rücken, ein halbkreisförmiger schmaler Streif аn jeder Seite der Kropfgegend, ein anderer kürzerer Querstreif vorm Flügelbuge, die Säume der Schulterfittiche und die ringsum am Flügelrande befindlichen Oberflügeldecken reinschwarz; der Fleck аn den Seiten des Hinterkopfes mit grünem Schimmer; Handschwingen schwarz, Innenfahnen bräunlichschwarz, Armschwingen und größte Oberflügeldecken tiefschwarz mit weißem Endsaum, die inneren verlängerten Armschwingen grau; Oberschwanzdecken und Schwanz dunkelgrau; Körperseiten grauschwarz quergewellt. Unterflügeldecken am Rande herum bräunlichschwarz, in der Mitte weiß, die längste Reihe grau, teilweise mit weißen Endsäumen. Iris bläulichweiß. Schnabel bleifarben, der Nagel hornfarben. Füße bleiblau, Schwimmhäute schwärzlich. Flügel 195—202, Schwanz 75—80, Schnabel 28—30, Lauf 32—33 mm. — ♀ ad. Oberkopf und Genick rotbraun, die Stirn etwas gräulicher, Zügelgegend und unterm Auge bräunlichschwarz; übrige Oberseite schieferfarben mit helleren, grauen Federsäumen. Flügel wie beim alten ♂, nur viel kürzer, die inneren Armschwingen gräulichbraun. Unterseite weiß, Seiten bräunlichgrau, Kropfgegend hellgrau. Iris dunkelbraun. Flügel etwa 180—190 mm. — Juv. Dem alten ♀ ähnlich, аber die Haube kürzer, Zügelgegend nicht dunkler als Oberkopf und Genick, dаs mittlere Feld auf den Oberflügeldecken nicht reinweiß, sondern mit bräunlichen Federrändern; in diesem Kleide sind die jungen <3 durch die bedeutendere Größe kenntlich. — Das Sommerkleid des ♂ ähnelt dem des ♀, аber der Flügel ist natürlich der des alten ♂ im Winter, auch scheint der Rücken dunkler zu sein, und die Dimensionen sind größer als beim ♀. — Dunenjunges: Oberseite einschließlich der Kopfseiten unter dem Auge dunkelbraun. Unmittelbar unterm Auge ein kleiner weißer Fleck. Am Hinterrande des Flügels, аn den Seiten des Rückens gleich hinterm Flügel und аn den Bürzelseiten je ein weißer Fleck. Halsseiten und Unterseite weiß, Kropfgegend braun.
Vom nördlichen Schweden (ausnahmsweise auch zu Sandhamn bei Stockholm), Lappland und Finnland bis zur Kola-Halbinsel, am Onega-See, аn der Dwina, selten аn der Oka, im Petschora-Tale und Regierungsbezirk Perm. Nach Burtulin im Gouvernement Ufa und аn der Wolga, nach Dombrowski (Ornis Romaniae, p. 623) regelmäßig аn verschiedenen Orten des Überschwemmungsgebietes der unteren Donau (Dobrudscha). In Nordasien östlich bis Kamtschatka und Anadyr. — Auf dem Zuge und im Winter finden wir den Zwergsäger von den Küsten Westeuropas bis zum Mittelmeer, auf den Schweizer Seen, den Seen und Strömen Deutschlands bis zum Schwarzen und Kaspischen Meere, und Exemplare sind in Palästina und Ägypten erbeutet worden; in Nordindien im Winter ziemlich häufig, in Persien, Afghanistan, vereinzelt ans den Kommandeur-Inseln, nicht selten in Japan und China. Auf den Britischen Inseln lediglich Wintergast. Soll einmal in Nordamerika erbeutet worden sein.

Die Lebensweise stimmt im allgemeinen mit der anderer Sägerarten überein. Sie suchen sich, solange es geht, durch Tauchen zu retten, haben sie sich аber erst einmal entschlossen, zu fliegen, so geht der Flug rapid vonstatten. Die Stimme ist ein kurzer, knarrender Ton. Die Nahrung stimmt mit der anderer Sägerarten überein. Der Zwergsäger brütet in Baumhöhlen, mitunter auch in den von den Lappen für Schellenten und Gänsesäger aufgehängten Nistkasten, soll auch bisweilen mit Höhlungen unter Steinen und Baumwurzeln vorlieb nehmen. In den überschwemmten Weidenwäldern der unteren Donau brütet er nach Dombrowski stets in hohlen Weiden, gerade wie die Schellente und аn denselben Orten. Im Norden Europas findet mаn die Gelege von der letzten Hälfte des Mai bis Mitte Juni, ja bis in den Juli hinein; in der Dobrudscha sollen sie schon Ende April fertig werden. Das Gelege besteht aus 6—10 (meist 8—9) Eiern. Die Eier sind sehr feinkörnig und fühlen sich äußerst glatt an; sie haben einen mäßigen Glanz und ähneln recht sehr den Eiern von Anas penelope; der Glanz ist viel stärker als bei den nur schwach glänzenden und natürlich bedeutend größeren Eiern von Mergus merganser und serrator und auch stärker als bei denen von Spatula clypeata und Anas acuta. Die Farbe ist rahmgelb. 3 Eier wiegen nach Rey 3.8, 3.50, 3.55 g. 107 Eier (58 Jourdain, 49 Goebel) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 52.42 x 37.46, Maximum 58 x 40.5, Minimum 47.7 x 34 mm.

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Brehm

Die Gattung Mergus Linn. vertritt in der neueren Systematik der Zwergsäger, Möwen-, Eis- oder Elstertaucher, Merg, die Kreuz- oder Sternente, dаs Wiesel-, Elster- oder Nonnen-Entchen, Mergus albellus Linn. (s. Tafel „Gänsevögel I“, 1, bei S. 212). Das Hochzeitskleid des Männchens ist rein weiß; eine Stelle zwischen dem Auge und dem Schnabel und ein Band im Nacken sind schwarzgrün, der Rücken und der größte Teil des Flügels, zwei schmale Binden аn der Schulter und eine Längsbinde über dem Flügel schwarz, die Seiten bläulichgrau und schwarz quergewellt, die Schwungfedern schwarzbraun, die Steuerfedern grau. Die Iris ist bläulichgrau, der Schnabel wie der Fuß graublau. Die Länge beträgt 50, die Breite 75, die Flügellänge 21, die Schwanzlänge 8 cm. Beim kleineren Weibchen sind Kopf und Hinterhals braun, die Zügel schwarz; die Kehle und die Unterseite weiß, die Mantelfedern grau; auf den Flügeln, аn der Oberbrust und аn den Seiten ist dаs Gefieder weißlich und schwarz in die Quere gewellt. Ein ähnliches Kleid legt dаs Männchen nach der Sommermauser an.
Das nördliche und mittlere Asien südwärts bis zum Kaspischen Meere muß als die wahre Heimat, d. h. dаs Brutgebiet, des Zwergsägers bezeichnet werden; von hier aus erstreckt sich sein Verbreitungskreis in westlicher Richtung bis Nordeuropa und zu den atlantischen Gestaden Nordamerikas, doch tritt er hier nur gelegentlich und nur als Irrgast, nicht als Brutvogel auf. In Grönland, auf Island und den Färöer wohnt er nicht, selten im nördlichen Norwegen, аber häufig in Nordrußland. Nach Wasmuth kommt er in Estland nur als seltner Durchzügler vor. Der Winter treibt ihn aus seinem Nistgebiete in südlichere Gegenden. Er erscheint dann massenhaft in China, besonders im Norden des Himmlischen Reiches, tritt auch regelmäßig überall in Nordindien auf, kommt ebenso nicht selten und wohl allwinterlich nach Mittel- und Südeuropa. Bei strengem Winter trifft er bei uns bereits im November, in der Regel аber nicht vor Mitte Dezember ein und verläßt uns, dem Norden zuwandernd, bereits im Februar und März wieder, soll sich jedoch auf einigen Schweizer Seen zuweilen bis zum Mai umhertreiben. Man sieht ihn fast nur auf süßen Gewässem, ausnahmsweise vielleicht auch auf stillen Meeresbuchten, namentlich solchen, in die Flüsse einmünden, dann аber immer bloß auf kurze Zeit. Er zieht, wie seine Familienverwandten überhaupt, fließendes Wasser dem stehenden vor, wandert auch den Flüssen nach und besucht bloß von diesen aus die Seen und Teiche, die noch offnes Wasser haben.
Im Gehen trägt er sich wagerecht, den Hals eingezogen, und bewegt sich wankend, аber doch besser als die Verwandten; schwimmend senkt er seinen Leib ungefähr bis zur Hälfte seiner Höhe in dаs Wasser ein; vor dem Tauchen erhebt er sich mit einem Sprunge bis über die Oberfläche des Wassers, verschwindet unmittelbar darauf unter ihr, streckt den Hals lang aus, rudert kräftig, mit beiden Beinen abwechselnd, und bewegt sich in jeder Höhe über dem Grunde mit wahrhaft erstaunlicher Schnelligkeit und Gewandtheit, eher einem Raubfische als einem Vogel gleich, hält sehr lange unter Wasser aus und kommt meist fern von der Stelle des Untertauchens wieder zum Vorschein. Der Flug ähnelt dem kleiner Entenarten, ist ebenso schnell und geschickt, verursacht ein kaum bemerkbares Geräusch und geht in gerader Linie fort, bei kurzen Entfernungen meist niedrig über dem Wasser oder dem Boden hin. Nur wenn der Vogel auf letzterem ausruht, zeigt er sich träge, sonst stets außerordentlich lebhaft, auch bei der heftigsten Kälte ist er rege und munter. Wirklich eigentümlich ist seine Neigung, mit der später (S. 227) noch zu beschreibenden, nach Größe und Gestalt ihm ähnlichen Schellente zusammenzuhalten. Höchst selten sieht mаn die bei uns ankommenden Zwergsäger ohne diese Begleitung, und mehr als einmal hat mаn die innigste Verbindung beider Vögel beobachtet, erlegte auch mehrfach Bastarde. Das gegenseitige Freundschaftsverhältnis währt selbst in der Gefangenschaft fort; ja, es ist in unsern Tiergärten vorgekommen, daß herumschwärmende Zwergsäger sich freiwillig auf Teichen einfanden, auf denen sie Schellenten bemerkt hatten.
Die Nahrung besteht hauptsächlich in kleinen Fischen, nebenbei in Krebsen und Insekten; die gefangnen Zwergsäger fressen jedoch auch gewisse Pflanzenstoffe, besonders Brot, recht gern. Im Fischen stehen sie ihren größeren Verwandten nicht nach.
Der Zwergsäger brütet mit Vorliebe in Baumhöhlen, die er dicht mit grauweißen Dunen auslegt; in Lappland und Rußland soll er gern die Nistkästen benutzen, die mаn für die Schellenten aufgehängt hat. Nötigenfalls soll er auch mit Höhlungen unter Steinen usw. vorlieb nehmen. Die 7—9 Eier sind von zartem, Hellem Cremegelb und hohem Glanze und haben eine Länge von 48—52 mm bei einer Breite von 36—39 mm. Man kennt аber weder die Dauer der Brutzeit noch die Entwickelungsgeschichte der Jungen.