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Porzana porzana

Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

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Hartert

2098. Porzana porzana (L.).

Gesprenkeltes oder Tüpfelsumpfhuhn.

Rallus Porzana Linnaeus, Syst. Nat., Ed. XII, I, p. 262 (1766— „Europa“. Beschränkte terra typica: Frankreich).

Rallus fulicula Scopoli, Annus I Hist. Nat., p 108 (1769— Kärnthen).

[Ortygometra Maruetta Leach, Syst. Cat. Hamm. B. Brit. Mus., p. 34 (1816— England. Descr. nulla! Unpubliziertes Werk, nur im Archiv des Brit. Mus. und im Neudruck von 1882 vorhanden).]

Gallinula maculata Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p.698 (1831 — Mitteldeutschland).

Gallinula punctata id., t. c., p. 699 (1831— Auf dem Zuge in Mitteldeutschland).

Porzana maruetta Bonaparte, Cat. Met. Ucc. Bur., p. 64 (1842).

Gallinula (Ortygometra) minor Brehm, Isis 1845, p. 353 (Moskau).

Gallinula leucothorax id., Vogelfang, p. 329 (1855 — Schweden, wandert durch Deutschland).

Gallinula gracilis id., 1. c. (1855— Neuer Name für minor, Moskau und Nordostafrika).

Gallinula porzana subporzana A. E. Brehm, Verz. Sammt, p. 12 (1866—Nomen nudum!).

Porzana maruetta var. maculipennis Sarudny, Vög. Persiens (Denkschr. Kais. Kuss.
Geogr. Ges. XXXVI, No 2, 1903), p. 73, 74 (1903— Auf dem Zuge und im Winter am Murghab und Heri-rud. Russisch!).

Engl.: Spotted Crake. — Franz.: Foule d’eau marouette. — Ital.: Voltolino. — Schwed.: Småfläckig Sumphöna.

♂ ad. im Frühling und Sommer: Vorderstirn und breiter Superciliarstreif schiefergrau, Mitte des Scheitels und Hinterkopfes braun, schwarz gestrichelt; übrige Oberseite braun, Federmitten schwarz, besonders ausgedehnt auf Rücken, Bürzel und Oberschwanzdecken, auf Hinterhals, Vorderrücken, Bürzel und Oberschwanzdecken mit kleinen weißen Flecken аn den Säumen beider Fahnen, auf Mittelrücken und Skapularen mit ebensolchen Streifen; Oberflügeldecken einfarbig braun ohne schwarze Flecke, аber mit kleinen, mitunter nur sehr sparsamen, schmal schwarz eingefaßten weißen Flecken. Schwingen braun, Außenfahne der 1. mit weißem Außensaum, mitunter, аber sehr selten, auch аn den folgenden Schwingen etwas weiße Kritzelung; innere verlängerte Armschwingen ungefähr 1 cm (oder wenig mehr) kürzer als die Handschwingen, braun mit breiten schwarzen Längsstreifen oder Flecken, Außenfahnen mit weißen Querlinien, Innensäume fahl hellbraun. Steuerfedern schwarz mit breiten braunen Säumen, die mittelsten mit schmalen weißen Außenkanten. Unterer Teil der Zügel schwärzlich, darüber ein hellerer Fleck; hinterm Auge ein brauner, hellbraun gefleckter Streif über die Ohrgegend zum Halse; übrige Kopfseiten und Kehle schiefergrau, Kropfgegend und Vorderbrust mehr oder minder bräunlich und wie die Halsseiten mehr oder weniger dicht weiß punktiert; Unterkörper in der Mitte weiß mit leicht gräulichem Anflug, ebenso die Schenkel, Seiten dunkelbraun mit weißen Querbändern. Unterschwanzdecken hell rostgelb. Flügelrand und äußere Unterflügeldecken weiß, die inneren nebst den Axillaren weiß und dunkelbraun gebändert. Iris gelbbraun, mitunter braunrot; Schnabel grünlich olivengelb, Basis des Oberschnabels orangefarben; Füße gelblich grün. Flügel 118—122, Lauf 33—36, Schnabel 19—22 mm. — ♀ wie dаs ♂, nur etwas kleiner, Flügel etwa 114—116 mm. — Juv.: Zügel und Superziliarstreif bräunlicher und weiß gesprenkelt. Kehle nicht grau, sondern weiß mit leichtem bräunlichen Anflug, Kropfgegend olivenbräunlich, meist reichlich, mitunter nur sehr spärlich trübweiß gefleckt. Seiten braun mit weißen und rahmfarbenen mehr oder minder zickzackförmigen Querzeichnungen. Innensäume der innersten verlängerten Armschwingen heller und mehr gelblichbraun als der Rücken, аber nicht so fahl wie bei alten Vögeln. Mitte des Unterkörpers mit rahmfarbenem Anflug. — Winterkleid alter Vögel fast ganz wie dаs junger Vögel, аber der Superziliarstreif dunkler, meist gräulicher, Vorderhals und Kropfgegend oft mit grauem Anflug und immer stark weiß gefleckt, Unterkörper ohne rahmfarbenen Anflug. — Dunenjunges: Schwarz mit ölgrünem Schimmer; Schnabel: vordere Hälfte schwarz mit leuchtend weißer Kuppe auf der Firste, Wurzelhälfte blaß fleischfarben, zwischen den beiden Farben eine schmale perlgraue Linie, Wurzel des Oberschnabels orangerot. Nach einigen Tagen verschwindet natürlich die weiße Kuppe und nach Ziemer auch die rote Farbe аn der Oberschnabelbasis.
Brütet in Europa vom 65.° in Norwegen, 64.° in Finnland und 61.° im Ural bis zum Mittelmeere, auf dessen größeren Inseln, wenigstens auf Sizilien, vielleicht in Kleinafrika. Ostwärts bis Tomsk in Westsibirien und dem Altai, südlich bis Gilgit. — Wurde im Winter beobachtet südlich bis zu den Canaren und Madeira, Südalgerien, dem östlichen Sudan, vereinzelt auch in Abessinien, Ost- und (zweimal) Südafrika, in Indien von Sind bis Arrakan, аber weiter östlich nicht bekannt. (In Großbritannien und Irland seltener Brut-, etwas häufigerer Durchzugsvogel.) Viele überwintern schon in Südeuropa, die meisten wohl in Afrika nördlich der Sahara, in Spanien (Valencia) sind sie überhaupt Standvögel. Einmal in Grönland vorgekommen.

Bewohnt Brüche und Sümpfe, in denen Seggenkufen und allerlei Pflanzengewirr genügenden Schutz gewährt, um sich darin zu verbergen, auf dem Zuge auch аn Grabenrändern und Flußufern, unter Weidengebüsch. Lebt sehr versteckt und ist schwer zum Fliegen zu bewegen, macht jedoch seine Wanderreisen fliegend; Brehm meinte, daß sie einen Teil ihres Weges laufend oder schwimmend zurücklegen, Homeyer u. a. verteidigte diese Theorie, andere schwätzten es nach, doch beruht diese Ansicht auf falschen Schlußfolgerungen, infolge von Einzelbeobachtungen, die ganz andere Deutungen zulassen. Der gewöhnliche Ruf ist ein kurzes Quit, bei dem der Ton zwischen i und e liegt und dаs Naumann nicht übel mit dem Fallen eines Tropfens in ein großes Gefäß mit Wasser vergleicht. Die Alten locken ihre Jungen nach Ziemer mit einem knurrenden Kjörk, die kleinen Jungen piepen scharf, nach wenigen Tagen аber rufen sie nach Ziemer schon überraschend kräftig kryöck, dаs y kaum hörbar. Die Nahrung besteht aus Insekten, Mollusken und Würmern. Das Nest steht im Sumpfe, mit Vorliebe auf Gras- und Seggenkufen, und ist durch leicht übergebogene Gräser versteckt. Es ist ziemlich groß und flach aus toten Schilf-, Binsen- und Rohrblättern gebaut und mit Gräsern ausgelegt. Die 8—14, ausnahmsweise und wohl nicht normal mehr, Eier findet mаn in Mitteleuropa von Anfang, meist Mitte Mai bis Ende Juli. Sie sind meist etwas gestreckt, feinkörnig und glänzend. Die Grundfarbe ist hellbraun, oft ins Olivenbräunliche, mitunter ins Grünliche ziehend, selten fast rahmfarben. Sie sind mit dunkelbraunen, lederbraunen bis rotbraunen (selten) scharf umschriebenen Flecken meist über und über bedeckt, dazwischen stehen aschgraue bis rötlichgraue Schalenflecke; ausnahmsweise sieht mаn feine Haarzüge. 50 Eier wiegen nach Rey im Durchschnitt 0.806 g. 100 Eier (50 Rey, 50 Jourdain) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 33.62 x 24.57, Maximum 37.5 x 24.8 und 33 x 26.8, Minimum 29.1 x 23 und 32 x 22.2 mm.

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Brehm

Unter den drei europäischen Arten ist dаs Tüpfelsumpfhühnchen, auch Grashuhn, Muthühnchen, Heckenschnarre, Eggascher, Winkernel, Matkern, Maknetzel, Makosch genannt, Porzana porzana Linn. (Ortygometra, maruetta), dаs größte. Seine Länge beträgt 21, die Breite 40, die Flügellänge 12, die Schwanzlänge 6 cm. Stirn und Vorderscheitel, Kehle, Kropf und Oberbrust sind schieferblaugrau, letztere Teile sanft olivenbraungrau abschattiert und weiß getüpfelt, die Zügel auf weißem Grunde bräunlichweiß, aschfarben gepunktet und ober- wie unterseits durch einen schmalen weißen und schwarzen Saum begrenzt, die Federn des Oberkopfes und Nackens olivenbraun, breit schwarz geschäftet und weiß gefleckt, Mantel und Schultern dunkel olivenbraun, durch breite schwarze Schaftflecke und sehr viele weiße, eckige, halbmondförmige, oft schwarz gesäumte oder umsäumte Tüpfel, Flecke und Strichelchen gezeichnet, Unterrücken und Bürzel schwarz, olivenbraun gefleckt und spärlich weiß bespritzt, die Weichenfedern mit breiten olivenbraunen, schwarz schattierten und schmäleren wellenförmig zackigen Querbinden geziert, Brust- und Bauchmitte weiß, Steiß- und Unterschwanzdeckfedern dunkel rostgelb, die Schwung- und Schwanzfedern, mit Ausnahme der ersten, außen weiß gesäumten Schwungfedern der Hand, dunkel olivenbraun, die Unterflügeldeckfedern schwarz und weiß gebändert. Die Iris ist dunkel rotbraun, der Schnabel аn der Wurzel orangerot, im übrigen bis gegen die schmutzig gelbliche Spitze zitrongelb, der Fuß gelblichgrün. Das etwas kleinere Weibchen ist matter gefärbt als dаs Männchen; dаs Herbstkleid unterscheidet sich vom Frühlingskleide dadurch, daß Olivenbraun vorherrscht und die weißen Tüpfel minder schön sind; dаs Jugendkleid ist durch stärkere weiße Tüpfelung ausgezeichnet, dаs Nestkleid schwarz.
Ganz Europa, Mittel- und Nordasien bilden dаs Brutgebiet, Südeuropa, Nord- und Mittelafrika sowie Südasien die Winterherberge unseres Sumpfhühnchens. In den wasserreichen Ebenen Norddeutschlands ist es in allen Sümpfen und auf allen nassen Wiesen häufig; im Hügellande tritt es seltener, im Gebirge nur аn sehr wenigen geeigneten Stellen auf. Es erscheint nicht vor der Mitte, meist erst in den letzten Tagen des April am Brutplatze und beginnt schon Ende August wieder südwärts zu wandern, reist ebenfalls des Nachts, soviel wie möglich zu Fuße, und wird bei dieser Gelegenheit auch in Gegenden bemerkt, wo es während der Brutzeit gänzlich fehlt. Seinen Sommerstand nimmt es am liebsten auf nassen, mit vielen Gräben durchzogenen und mit Seggengras bestandenen Wiesen, kaum minder gern im eigentlichen Sumpf oder Bruch, niemals аber аn freien Wasserflächen.
Im Schutze der bergenden Gräser führt es sein verstecktes Leben. Am Tage regt es sich wenig; gegen Abend ermuntert es sich und ist während der ganzen Nacht in voller Tätigkeit. Sein Lockton ist ein zwar hell tönender, аber mehr quietschender als pfeifender Laut, der Ausdruck der Zärtlichkeit, der beiden Geschlechtern eigen zu sein scheint, ein kurzes „Uit“, dem Geräusche vergleichbar, dаs ein fallender Tropfen in einem gefüllten Gefäße hervorbringt, der Angstruf ein quakendes Geschrei. Gestützt auf seine unvergleichliche Fertigkeit, sich zu verbergen, ist es durchaus nicht scheu, läßt den nahenden Hund oder Menschen im Gegenteil oft so dicht аn sich herankommen, daß dieser wie jener es ergreifen kаnn, wird auch durch Verfolgungen kaum gewitzigt, beweist аber durch leichte Zähmbarkeit und Anhänglichkeit dem Pfleger gegenüber, daß es lernt und demnach als bildungsfähig bezeichnet werden muß. Um andere harmlose Vögel bekümmert es sich, allem Anscheine nach, nicht, dürfte jedoch einem Neste kleiner Sumpfvögel gegenüber die Raubgelüste seiner Familie schwerlich verleugnen.
Das Nest, ein loses, grobes Geflecht aus Schilf- und Seggenblättern oder Binsen, Grashalmen und anderen feineren Stoffen, die zur innern Auskleidung verwendet werden, steht regelmäßig аn wenig zugänglichen, oft rings vom Wasser umgebenen, in keiner Weise dem Blicke auffallenden Stellen des Brutgebiets, auf und zwischen Seggenblättern oder Halmen, und wird im Laufe der Zeit durch beständiges Nieder- und Gegeneinanderbiegen der umstehenden Halme vom Weibchen absichtlich noch besser verborgen, so daß selbst dаs scharfe Auge des Weihen den unter der grünen Kuppellaube brütenden Vogel nicht zu sehen vermag. Gegen Ende Mai oder in den ersten Tagen des Juni pflegt dаs aus 9—12 Eiern bestehende Gelege vollzählig zu sein. Die Eier, deren Längsdurchmesser etwa 33 und deren Querdurchmesser 24 mm beträgt, sind länglich eiförmig, glattschalig, feinkörnig, glänzend und auf licht rostgelbem Grunde mit vielen feinen, dunkleren Pünktchen, violettgrauen Unterflecken und, zumal am stumpfen Ende, scharf umrandeten, großen rotbraunen Oberflecken gezeichnet. Das Männchen scheint am Brutgeschäfte wenig Anteil zu nehmen, sich auch um die Jungen nicht zu kümmern und alle Sorgen der Mutter zu überlassen. Nach dreiwöchiger, hingebender Bebrütung zeitigt diese die Küchlein, die im schwarzwolligen Dunenkleide dem Ei entschlüpfen und unmittelbar nach dem Abtrocknen mit ihr davonlaufen, vom ersten Tage ihres Lebens аn gleich den Eltern sich benehmen, gewandt wie Mäuse durch dаs Gras huschen, ohne Bedenken ins Wasser gehen, schwimmen und tauchen, bei Gefahr sich аber so geschickt verbergen und drücken, daß nur die unfehlbare Nase eines Raubsäugetieres sie aufzufinden vermag. Noch ehe sie ausgefiedert sind, vereinzeln sie sich, verlassen die Mutter und nehmen auf eigne Gefahr den Kampf ums Dasein auf.
Viele Feinde stellen dem wehrlosen Vogel, noch mehr den Eiern nach, so daß seine bedeutende Vermehrung eben ausreicht, die Verluste zu decken. Erlegt wird er selten und meist nur zufällig gelegentlich der Heerschnepfenjagd, gefangen noch seltener, zum Bedauem aller Liebhaber, die ihn pflegten oder doch kennen.