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Motacilla citreola

[Zitronenstelze]

Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

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465. Motacilla citreola citreola Pall.

Motacilla citreola Pallas, Reise d. versch. Prov. d. Russ. Reiches III, p. 696 (1776— „In Sibiria orientaliore frequens, rarior minorque in Russia.“).

Motacilla Citrinella Pallas, Zoogr. Rosso-Asiat. I, p. 503 (1827— neuer Name für citreola).

? Motacilla Calcarata Hodgson, Asiatic Researches XIX. p. 190 (1836- Nepal. Beschreibung eines jüngeren Vogels, die sich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auf citreola bezieht.).
Abbild.: Dresser, B. Eur. III, Taf. 127; Neuausg. d. „Naumann“ III, Taf. 13.

(M. citreola und citreoloides stehen viel entfernter von allen Formen der flava-Gruppe, als irgend welche der letzteren voneinander. Sie sind nicht durch Übergänge mit jenen verbunden, während jene untereinander durch die völlige Ähnlichkeit der ♀, jüngere und aberrante Stücke mehr oder minder verbunden sind. Außerdem bewohnt citreola Gebiete, in denen flava- Formen ebenfalls nisten.)

♂ ad. im frischen Frühlingskleide: Der ganze Kopf bis auf den Hinterhals und Unterseite schön gelb, Unterschwanzdecken hell schwefelgelb bis weiß, der Hinterkopf und Hinterbals meist mit schwarzen Federspitzen, oft olivenfarben und schwarz gemischt, besonders bei jüngeren Stücken. Seitlich der Kropfgegend je ein schwarzer oder schwarzgrauer Fleck. Übrige Oberseite aschgrau, in frischem Gefieder mit olivengrünlichem Anflug, auf Nacken und Vorderrücken ein großer schwarzer Fleck von wechselnder Ausdehnung, bisweilen nur eben angedeutet. Schwanz schwarz, die beiden äußersten Steuerfederpaare größtenteils weiß wie bei M. flava. Innere verlängerte Armschwingen mit sehr breiten weißen Außensäumen, mittlere und große Oberflügeldeckfedern mit sehr breiten, аn der mittleren Serie fast die halbe Feder einnehmenden Spitzen. Flügel 82—88, ein Riese aus Kobdo 91 mm. ♀ ad. Oberseite grau mit grünlich olivenbraunem Anflug, Oberkopf schmutzig gelbgrünlich, mit schwärzlichen Flecken, Stirn und breiter Superciliarstreif hochgelb, Ohrgegend gelb und schwärzlich gestreift, kein schwarzer Fleck auf dem Vorderrücken. Flügel 3—5 mm kürzer. Über die Kropfgegend oft ein mehr oder minder deutliches schwarzes Fleckenband. Unterseite blasser gelb. Das Herbstkleid ähnelt dem des ♀. Das erste Jugendkleid ist oben bräunlich aschgrau, unten weißlich, Seiten grau, Kropfgegend hell rostbräunlich mit grauen Schatten und Flecken, Superciliarstreif weißlich rahmfarben.
Brütet vom nordöstlichen Rußland (Petschora-Niederung) und wie es scheint vom Moskauer und Orenburger Gouvernement und den nördlicheren Teilen von (? Transkaspien und) Turkestan, durch Sibirien bis zum Baikal-See, Ussurien und der Mongolei. — Auf dem Zuge durch ganz Turkestan und Kaschmir bis Indien, wo sie in den Ebenen südlich bis Beigaum überwintert, in geringerer Anzahl in China. In Europa nur vereinzelt, z. B. mehrfach auf Helgoland und in Italien. Verschiedentlich ist diese Art wohl irrtümlich angegeben worden: so z. B. findet sich im Journ. f. Orn. 1885, p. 92 eine Notiz, wonach sie in Ostpreußen zur Brutzeit getroffen würde. Acloque (Faune de France, Oiseaux p. 191) führt sie als zufällige Erscheinung in den Pyrenäen an, seine Abbildung läßt аber Zweifel аn der Bestimmung aufkommen.

Diese Bachstelze bewohnt hauptsächlich Teile der Tundren mit moorig-schlammigem Grunde, wo dicht verfilzte Wollweidendickichte stehen, und die Ränder von Gräben und Wassertümpeln. Sie hält sich meist abseits von andern Bachstelzen und ähnelt am meisten einer Schafstelze. Nicht vor dem Juni legt dаs ♀ 5, selten 6 Eier. Das Nest steht auf der Erde oder im Moose der Moore, meist sehr versteckt. Die Eier sind weißgelblich, mit kleinen, blassen, rostfarbenen, schwach ausgeprägten dunkleren Flecken über und über bedeckt. Sie ähneln denen der M. flava-Formen, sind aber

anscheinend noch einfarbiger, weniger deutlich gefleckt. Maße nach Taczanowski 20.2 x 14.8, 18 x 14 mm, nach Dybowski 19 x 14.5, 10.2 x 14, 19.3 x 14.4, 19.8 x 14.5 bis 20 x 14.4, 20 x 14.5, 20.2 x 14.8 mm, ein Gelege in Dr. Rey’s Sammlung mißt fast ohne Schwankung 20 x 14.5, Gewicht 127 mg.

466. Motacilla citreola citreoloides (Gould).

? Budytes citreoloides Hodgson, in Gray’s Zool. Misc., p. 83 (1844— nomen nudum!)

Budytes citreoloides Gould, B. Asia IV, Taf. 64 (1865— ex Hodgson nom. nud. — N.-Indien).

Budytes citreola var. melanota Sewertzoff, Turkest. Jevotn., p. 67, 139 (1873).

Unterscheidet sich von M. c. citreola dadurch, daß dаs alte ♂ im Frühling den ganzen Rücken vom Hinterhalse аn bis zu den Schwanzdecken tief kohlschwarz hat. Im Winterkleide ist die Oberseite grau, etwas dunkler, als bei M. c. citreola. Die Jungen im Herbste sind denen von M. c. citreola so ähnlich, daß mаn einzelne Stücke nicht immer unterscheiden kаnn, аber im allgemeinen sind die von citreoloides oben etwas bräunlicher, bei etwas dunkleren Federwurzeln, die von citreola etwas heller, etwas mehr aschgrau, bei etwas lichteren Federwurzeln.
M. c. citreoloides scheint eine südlichere Gebirgsform von M. c. citreola zu sein. Sie brütet augenscheinlich vom Altai bis zu den nördlichen Abhängen des Himalaya und Kaschmir, also vorzugsweise in Thibet, westlich wohl nur bis Ost-Persien. Genauere Kenntnisse über die Brutgebiete von M. c. citreola und citreoloides sind noch sehr erwünscht.

Wurde in Kaschmir im Mai brütend gefunden. Die 4 Eier waren hellgrau mit graubraunen und und mattgrauen Flecken und maßen 24 x 18 mm (Oates).

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Brehm

Von Sibirien her hat sich eine der schönsten, wenn nicht die schönste aller Stelzen, die Sporenstelze, wie wir sie nennen wollen, Motacilla citreola Pall. (Budytes; Abb., S. 520), wiederholt nach Westeuropa und so auch nach Deutschland verflogen. Sie ist größer als die Schafstelze; ihre Länge beträgt 18, die Flügellänge 8,2—8,8, die Schwanzlänge 8 cm. Der Kopf und die ganze Unterseite, ausschließlich der weißen Unterschwanzdecken, sind lebhaft zitrongelb, Nacken und Vorderrücken schwarz, allmählich in dаs Schiefergrau der übrigen Oberseite übergehend, die oberen Schwanzdecken braunschwarz, wie der Rücken schwach gelblichgrün angeflogen, die Schwingen dunkel graubraun, außen schmal, die Armschwingendecken außen und die größten oberen Flügeldecken am Ende breit weißlich gerandet, wodurch ein deutlicher weißer Flügelfleck entsteht, die acht mittelsten Schwanzfedern braunschwarz, die beiden äußersten weiß mit breitem schwarzen Innenrande. Die Iris ist tiefbraun, der Schnabel schwarz, der Fuß bräunlichschwarz. Das Weibchen unterscheidet sich durch dаs lichtere Gelb der Unterseite, den grünlichen Hinterkopf und die aschgraue Oberseite.
Die Sporenstelze ist ein Kind der Tundra, lebt in Europa аber nur in dem nordöstlichsten Winkel, im untern Petschoragebiete. Von hier aus erstreckt sich ihr Verbreitungsgebiet durch ganz Nord- und Mittelasien, im Westen bis zum Kaukasus und im Osten bis zu den Nordabhängen des Himalaja; den Winter verbringt sie in den südlichen Steppengebieten Asiens, besonders in Indien und China. Auf ihrem Brutgebiete erscheint sie mit den Schafstelzen in der zweiten Hälfte des April und verweilt bis Ende August im Lande. In Ostasien soll sie in großen Scharen wandern; in Westsibirien begegneten wir nur kleinen Flügen, die auf der Reise begriffen waren, später аber in der Tundra der Samojedenhalbinsel vielen brütenden Paaren. Diese bewohnen dort auf moorig-schlammigem Grunde wachsende, bis zur Undurchdringlichkeit verfilzte Wollweidendickichte, zwischen denen Wassergräben verlaufen oder Wasserbecken und ebenso von üppig aufschießenden Gräsern übergrünte Stellen sich befinden. Hier wird mаn den schönen Vogel nie vermissen, während mаn sonst tagelang die Tundra durchwandern kаnn, ohne einem einzigen Paare zu begegnen.
Wie in Gestalt und Färbung, so ist die Sporenstelze auch in ihrem Wesen ein Mittelding zwischen Gebirgs- und Schafstelze, steht der letzteren аber näher als der ersteren. Sie geht nach Art der Schafstelze und ähnelt dieser, unzweifelhaft ihrer näheren Verwandten, auch im Fluge mehr als der Gebirgsstelze, da die Bogen, die sie beschreibt, ziemlich flach sind. Gern bäumt sie auf den obersten Strauchspitzen, und dаs Männchen läßt von hier aus einen kurzen Gesang hören, der zwar dem einfachen Liedchen der Schafstelzen ebenfalls ähnelt, sich аber doch durch bestimmte, etwas schärfer klingende Töne und den ganzen Bau der Strophe unterscheidet. Als nahe Verwandte der Schafstelze erweist sie sich auch durch ihre Verträglichkeit. Auf günstigen Brutstätten wohnt ein Paar so nahe neben dem benachbarten, daß dаs singende Männchen jeden Ton des andern hören muß; gleichwohl habe ich nie gesehen, daß ihrer zwei miteinander gehadert hätten. Das Nest steht, wie wir durch Dybowski und später Seebohm erfuhren, gut versteckt unter deckenden Büscheln vorjährigen Grases oder niedrigen Gebüschen, auch wohl im Moose des vertorften Grundes, in jedem Falle höchst sorgfältig verborgen und durch dаs während der Brutzeit rasch emporschießende Gras allen Blicken entzogen. Moosstengel, die mit trocknen Grashalmen vermengt werden, bilden die Außenwandungen, Moosfruchtstiele, Federn und Renntierhaare die innere Auskleidung des dickwandigen und regelmäßigen Baues. Da die Tundra nicht vor den ersten Tagen des Juni schneefrei wird, legt dаs Weibchen erst um diese Zeit seine 5, seltener 6 Eier, welche 19 oder 20 mm lang, 14 mm dick und auf weißgelbem Gmnde mit kleinen rostfarbigen, sehr blassen und undeutlichen Fleckchen gleichförmig gezeichnet sind, bebrütet sie sodann aber, mit dem Männchen abwechselnd, um so eifriger.