Print This Beitrag

Tringa nebularia

Heinroth

[keine Beschreibung dieser Art im Werk]

*****

Hartert

1943. Tringa nebularia (Gunn.).

Heller Wasserläufer, Grünschenkel.

?? Partim Scolopax Glottis Linnaeus, Syst. Nat. Ed. X, I, p. 146. (S. Tringa erythropus.)

? Tringa littorea id., t. c., p. 149 (1758— Vgl. Fauna Svecica 1746, no. 151, Syst. Nat.
Ed. XU, I, p. 251 und Fauna Svec. Ed. alt. 1761, p,66).

Scolopax nebularia Gunnerus, in Leern, Beskr. Finm. Lapp., p. 251 (1767— Norwegen).

Scolopax Cineracea Latham, Gen. Syn. SuppL, p. 292 (1787— Ex Gen. Syn. III, 1, p. 145, quid ex Pennant, Brit. Zool. II, no. 180, pl. LXVI. Spalding in Lincolnshire).

Scolopax Glottis id., 1. c., nec Linnaeus 1758!

Scolopax canescens Gmelin, Syst. Nat. I, 2, p. 668 (1789— Wie S. cineracea Lath. auf Pennant, pl. LXV I beruhend).

Totanus griseus (?partim) Bechstein, Gemeinn. Naturg. Deutschl. IV, p. 231 (1809— Europa, Asien, Amerika).

Totanus fistulans (partim!) id., t. c., p. 241 (1809— Die auch von Buffon selbst und anderweitig hierher gezogene Taf. 876 Daubentons stellt ns. E. eine T. stagnatilis, nicht nebularia dar).

Totanus chlorogrus bleyer, Meyer & Wolfs Taschenb. d. deutsch. Vögelk., p. 371 (1810— Nur neuer Name).

Limosa varia Dumont, Dibt. Sc. Nat. (Ed. Levrault) IV, p. 64 (1817— Neuer Name für Brissons „Grand Barge grise“, d. i. der Grünschenkel).

Totanus longipes Brehm, Beitr. z. Vögelk. III, p. 517 (1822— Ans. Aug. Ostseeküste, 24. 8. 1814 a. d. Orla).

Totanus glottoides Vigors, Proc. Zool. Soc. London 1831, p. 173 (Himalaya. Die indische Form von der Europas getrennt, weil verschiedene Kleider verglichen wurden).

Glottis Floridanus Bonaparte, Geogr & Comp. List B. Eur. & N. Amer., j). 51 (1838— Nach Audubons Taf. 269. Südliche Teile Nordamerikas).

Glottis Vigorsii Gray. List Spec. B. Brit. Mus. III, sect. 1, p. 99 (1844— Neuer Name für Totanus glottoides‘).

Glottis nivigula Gray, Cat. Mamm. & B. Nepal und Thibet, p. 138 (Nomen nudum!), 156 (1846— Beschreibung; Nepal).

Glottis albicollis Brehm, Vogelfang, p. 311 (1855— „In Asien, Nordostafrika, sehr selten in Ostsüdeuropa-“).

Glottis Linnei Malm, Göteborgs och Bohusläns Fauna, p. 278 (1877— Neuer Name statt Glottis glottis).

Glottis nebularius georgi Mathews, Austr. Av. Ree. II, p. 126 (1915— Benennung des B. Austr. III, p. 225, Taf. 155 beschriebenen und abgebildeten Vogels aus Neusüdwales. Unterschiede von ,.glottoides“ nicht angegeben!).

Engl.: Greenshank. — Franz.: Chevalier pris. — Ital.: Pantana. — Schwed.: Gluttsnäppa. — Holland.: Groenpootige Reuter.

♂♀ ad. im Hochzeitskleide: Stirn, Zügel und Kopfseiten weiß, schwarz gestrichelt. Federn des Überkopfes schwarz, аn beiden Seiten weiß, die der Kopfseiten und des Halses weiß mit schmäleren schwarzen Schaftstreifen, die des Vorderrückens und der Schulterfittiche rostbräunlichgrau mit breiten schwarzen Mittelflecken, der übrige Rücken und Bürzel rein weiß. Handschwingen schwarz, Schaft der 1. weiß, Innenfahne mit Ausnahme der Spitze breit graubraun gesäumt. Armschwingen bräunlichgrau mit schmalen weißlichen Säumen, die innersten verlängerten bräunlichgrau mit schwarzen Schaftstreifen und ebensolchen Querzeichnungen. Steuerfedern weiß, die äußeren nur аn den Außen-, die inneren аn beiden Fahnen schwarzbraun quergebändert, dаs innerste Paar hell bräunlichgrau mit schwarzer Querzeichnung. Kinn rein weiß, Vorderhals, Kropf und Brustseiten mit länglichen bräunlichschwarzen Flecken, Weichen oft mit einigen ebensolchen Querzeichnungen. Oberflügeldecken dunkelbraun, die längsten und inneren mit schmalen weißlichen Säumen. Unterflügeldecken weiß mit schwärzlichen querverlaufenden und pfeilförmigen Zeichnungen, Axillaren weiß mit schmalen schwärzlichen Querlinien, die innersten längsten ganz oder fast ungebändert. Iris dunkelbraun, Schnabel schwarz, von der Mitte аn aufwärts gebogen, аn der äußersten Basis bläulichgrau, Füße vorn mit größeren, lauten mit kleineren Querschildern, grünlich, аn den Gelenken graubläulich. Flügel 180—200, meist etwa 190, Schwanz 76—82, Lauf 58—62, Schnabel 52—58 mm. — Vollständige Mauser Juli bis Januar, partielle von Januar bis Mai, mitunter auch einige Armschwingen mit. — Winterkleid: Vorderstirn, Zügel und Kopfseiten unterhalb der Ohrdecken rein weiß. Oberseite bräunlichgrau mit gräulichweißen Säumen, schwarzbraunen submarginalen Linien und ebensolchen Kritzeln, Schäften und Randflecken; Oberkopf und Hinterhals weiß oder weißlich mit bräunlichschwarzen Längsflecken, Unterrücken und Bürzel rein weiß. Ganze Unterseite rein weiß, nur Hals und Kropfseiten schwarzbraun gestrichelt. — Juv.: Stirn und Kopfseiten schwärzlich gestrichelt. Oberseite schwarzbraun, auf Kopf und Hinterhals mit weißen, Vorderrücken, Schulterfittichen, mittleren und großen Oberflügeldecken und innersten verlängerten Armschwingen mit hell rostbräunlichen Rändern. Unterseite weiß, Vorderhals unterhalb der oberen Kehle, Hals-, Kropf- und Brustseiten mit schwarzbraunen Flecken und Strichen. Mittelste Steuerfedern nicht grau, sondern weiß mit braunschwarzen Querbinden. — Dunenjunges: Oberseite hell rostbräunlich, fast rahmfarben, mit schwarzbraunen Zeichnungen, Hinterhals mehr weißgrau mit nur einem tiefbraunen Längsstreifen, Stirn gräulichweiß mit einer schmalen, meist unvollkommenen schwarzen Mittellinie und je einer ebensolchen durch die Zügel und meist auch Unterm Auge, Unterseite trübweiß, Kehle und Vorderhals etwas gräulicher.
Brutvogel in Schottland, auf den hohen Fjelds Skandinaviens, in Nordfinnland, Rußland von der Nordküste bis zu den Regierungsbezirken St. Petersburg, Pleskau (Pskow), Tula, Rjasan, Kasan und Ufa, in Nordasien bis Kamtschatka, südlich bis etwa 55° in der Baraba-Steppe und 54° in Ostsibirien. Sarudny fand ein Paar brütend im Turgai-Bezirke. — Auf dem Zuge in ganz Europa und Asien, überwintert vom Mittelmeere bis zum Kap der Guten Hoffnung, in Japan und Indien bis zu den Sunda-Inseln, Molukken, Australien und Tasmanien und Neuseeland. Vereinzelt auf Madeira, den Canaren und Azoren, auch in Florida.
Belebt die Ufer aller möglichen Gewässer, auch den Meeresstrand, und ist in der Regel sehr scheu und ein sehr munterer, gewandter Vogel. Die Nahrung besteht aus allem möglichen Getier, dаs sich аn solchen Orten findet. Der gewöhnliche Ruf ist ein herrlich und weithin klingendes zwei- oder dreisilbiges Klikli oder tütiitu, im Schreck ein kreischendes Krü oder tjie. Der Balzgesang ist ein flötendes Trillern, dаs hüt den Silben dahüdl, dahüdl, dahiidl (Naumann) oder lowit, lowit, lowit, lowit (Droste) wiedergegeben wurde. Das Nest ist eine oberflächlich ausgefütterte Mulde im Moos, Gras oder Sumpfgelände. Es enthält 4 (selten 3) Eier, in Lappland wohl nicht vor Juni, in Schottland vom 10. Mai an. Die Eier sind birnförmig, auf gelbbräunlichem oder rahmfarbenem bis gelblichweißem und steingraubräunlichem Grunde, mit scharfen, am stumpfen Ende großen lebhaft rotbraunen bis dunkelbraunen Flecken, auch Schnörkeln und Kritzeln und einigen bläulichgrauen Schalenflecken. Mittleres Gewicht von 25 Eiern nach Rey 1.386 g. 90 Eier (65 Jourdain, 25 Rey) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 49,77 x 33.97, Maximum 54.3 x 34.6 und 50.5 x 35.7, Minimum 45.7 x 33.1 und 47.3 x 31 mm.

*****

Brehm

Beim Glutt, auch Grünschenkel, Hennick oder Regenschnepfe genannt, Glottis nebularius Gunn. (Totanus littoreus; Abb., S. 258), ist der Schnabel lang, schmal, aufwärts gebogen, durchaus hart, die Füße sind hoch, weit über der Ferse nackt, die äußere und mittlere Zehe durch eine Spannhaut verbunden. Das Gefieder der Oberseite ist braunschwarz, durch die weißen Federränder gezeichnet, dаs des Unterrückens und Bürzels rein weiß, dаs der Unterseite bis auf die mit schwarzen Längsflecken und Streifen gezeichnete Brust ebenfalls weiß; die Schwungfedern der Hand sind braunschwarz, bis auf die erste, mit einem weißen Schaft, auch schwarz geschäftet, die des Armes mattbraun, innen weißlich gewölkt, die mittleren Schwanzfedern grau, die seitlichen weiß und schwarz gefleckt. Im Herbstkleide sind Kopf, Hinterhals und die Halsseiten grauschwarz und weiß gestreift, die Mantelfedern tief aschgrau, schwarz geschäftet, ebenso gefleckt und weißlich gekantet, die Seiten des Unterhalses und Kropfes schwarz geschäftet und in die Länge gestreift. Die Iris des Auges ist braun, der Schnabel schwarzgrün, der Fuß graugrün. Die Länge beträgt 34, die Breite 58, die Flügellänge 18, die Schwanzlänge 8 cm.
Der Glutt ist in allen Erdteilen gefunden worden, seine eigentliche Heimat ist аber der Norden der Alten Welt. Unser Vaterland berührt er gelegentlich seiner Reisen im Frühjahr und im Herbst; als Brutvogel hat mаn ihn hier noch nicht beobachtet. Er erscheint, vom Norden kommend, bereits in der letzten Hälfte des Juli, streift während des August und September regellos im Lande umher und tritt Ende September oder Anfang Oktober die Reise wirklich an, verbringt die Wintermonate bereits auf mehreren Eilanden des griechischen Inselmeeres oder in Nordafrika, behält jedoch seine umherstreifende Lebensweise bei und gelangt so nach den Wendekreis- und weiter südlich gelegenen Ländern, beispielsweise nach Südaustralien, Tasmanien, Südafrika und den La Plata-Staaten. Im April und Mai durchreist er Deutschland auf dem Rückzüge.
Nach Art seiner Verwandten zieht er Süßwasserseen und Brüche den Meeresküsten entschieden vor. Man begegnet ihm allerdings auch hier zuweilen, in der Regel аber doch nur auf schlickigen Stellen und immer bloß auf kurze Zeit. In der Winterherberge siedelt er sich аn den Strandseen, аn Flüssen, die ihre Ufer übertreten, und besonders gern in Reisfeldern an. Gewöhnlich sieht mаn ihn hier als Vertreter seiner Art einzeln, аber fast immer umringt von verschiedenen Strandläufern, Strandreitern, Uferschnepfen und sogar Schwimmvögeln, namentlich Enten, deren Führung er anscheinend bereitwillig übernimmt; wenigstens folgen sie ihm blindlings. Er bindet sich nicht аn größere Gewässer, sucht vielmehr selbst die kleinsten Lachen und Teiche auf.
Der Glutt betätigt alle Munterkeit, Gewandtheit und Beweglichkeit seiner Verwandten, trägt sich hoch, mаn möchte sagen stolz, schreitet mit wagerecht gehaltenem Leibe leicht und behende dahin, watet gern in dаs Wasser, schwimmt, und nicht bloß im Notfalle, oft über ziemlich weite Wasserstrecken, taucht bei Gefahr vortrefflich und rudert unter dem Wasser mit Hilfe seiner Flügel weiter, fliegt, meist in gerader Richtung, mit raschen und kräftigen Schlägen schnell und gewandt dahin, beschreibt prachtvolle Wendungen und wirft sich vor dem Niedersetzen sausend bis dicht über den Boden hinab, erst hier die Eile der Bewegung durch Flügelschläge hemmend. Seine Stimme ist ein hohes, helles, weittönendes Pfeifen, dаs sich durch die Silbe „tjia“ ungefähr wiedergeben läßt und sehr angenehm klingt, der Lockton ein leises „Dick dick“, der Ausdruck der Angst ein kreischendes „Kriih krüh“, der Paarungsgesang ein flötenartiges „Dahüdl dahüdl dahüdl“, dаs oft wiederholt, аber nur im Fluge vorgetragen wird. Er ist unbedingt vorsichtiger und scheuer als seine Verwandten und deshalb gerade zur Führerschaft im höchsten Grade befähigt. Man sieht ihn zu jeder Tageszeit in Bewegung; denn er schläft nur in den Mittags- oder vielleicht noch in den Mitternachtsstunden, аber auch dann nur so leise, daß ihn jedes Geräusch sofort erweckt. Sein Lockton gilt allen Verwandten und ebenso den Strandläufern als untrügliches Zeichen, daß die Örtlichkeit sicher ist; sein Betragen dient allen zur Richtschnur.
Die Nahrung ist wesentlich von derselben Art, wie sie auch andere Wasserläufer genießen, besteht in sehr verschiedenem Wassergetier, hauptsächlich wohl in Insekten und deren Larven, Eintagsfliegen, Libellen und dergleichen, ebenso in Würmern, Krebs- und Weichtieren, besonders solchen des Meeres, auch wohl in Froschlarven und kleinen ausgebildeten Fröschchen und endlich in jungen Fischen verschiedener Art. Naumann sah ihn mit Behagen Drehkäferchen von der Oberfläche des Wassers wegnehmen oder ihnen bis tief ins Wasser nachlaufen.
Obwohl der Glutt schon auf den dänischen und schwedischen Inseln brütet, bevorzugt er doch nördlicher gelegene Länder, um zur Fortpflanzung zu schreiten. Zum Brutplatze wählt er wohl am liebsten baumlose Strecken in der Tundra, zumal in der Nähe der See, nicht minder аber auch Waldungen mit freien Blößen, wie ich dies am untern Ob beobachtet habe. Hier läßt er sich dann regelmäßig auf den Wipfeln der höchsten Fichten und Kiefern nieder, um von solcher Höhe herab seinen Paarungsruf ertönen zu lassen, und nimmt sich in solcher Stellung herrlich aus. Das Nest, kunstlos aus Halmen gebaut, steht auf einem Grashügel, meist unter einem Busche, und enthält im Juni 4 ziemlich große, etwa 50 mm lange, 40 mm dicke Eier, die auf bleich olivengelbem Grunde mit mehr oder weniger sichtbaren bräunlichgrauen Schalenflecken und vielen kleinen und mittelgroßen rotbraunen Flecken und Punkten gezeichnet sind.
Infolge seiner Vorsicht und Scheu läßt sich der Glutt nicht leicht berücken, vereitelt vielmehr in den meisten Fällen die Nachstellungen des Jägers wie des Fängers, die ihn durch Nachahmung seiner Stimme auf den Schnepfenherd zu locken suchen und aus dem Grunde besonders auf ihn fahnden, weil die verwandten Strandvögel ihm folgen. Glücklich erbeutet, gewöhnt er sich bald аn dаs allgemeine Ersatzfutter der Strandvögel, hält sich dabei jahrelang, wird leicht zahm und gewährt namentlich im Gesellschaftsbauer viel Vergnügen.