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Bezzel
Tringa nebularia (Gunnerus 1767) – Grünschenkel
Status in ME. Häufiger Durchzügler аn der Küste und im Binnenland.
Kennzeichen. Großer, heller Wasserläufer; größer als Rotschenkel; Schnabel kräftig, länger als Kopf, in der Spitzenhälfte leicht aufwärts gebogen. Brutkleid: Oberseite bräunlichgrau, rel. dunkel; Schulter- und Ellenbogenfedern dunkelbraun mit weißlichem gekerbten Saum; Unterseite weiß, doch Kopf und Halsseiten dunkel gestrichelt, Vorderbrust dunkel gefleckt (z. T. mit Pfeilspitzenzeichnung). Ruhekleid: Oberseite fahl bräunlichgrau, Kopf und Hals fein gestreift, Unterseite ± rem- weiß. Juv. ähnlich Brutkleid, doch Streifung аn Kopf, Hals und Brust ± verwaschen, Oberseite einheitlicher dunkelgraubraun mit weißlichen und gelblichen Federsäumen. Im Flug Flügel einfarbig dunkler als Rücken; weißer Rücken keilförmig meist nach vorne reichend; Füße überragen Schwanz weit. • Schnabel grau schieferfarben mit hornfarbener Spitze; Füße und Beine olivgrünlich, im Frühjahr gelblicher als im Winter; Iris braun.
Verbreitung und Bestand. Br. im N Eurasiens bis in die S Tundrenzone von Schottland bis Kamtschatka. In Mitteleuropa аn Küste und im Binnenland r. Dz. (z. B. Wattenmeer NL Mai bis > 1000, Juli/Aug. > 5500, Sept. > 4000, Okt. 900; im Binnenland Konzentrationen >100 nur ausnahmsweise); Überwinterungsversuche meist Ausnahmen (z. B. B, NL, Bodensee, S-Bay.); einzelne Junidaten aus allen Teilen des Binnenlandes bekannt; auch im Wattenmeer nur wenige Übersommerer.
GB: in Schottland ca. 900 (um 1975). • IRL: Br. 1971 (?), 1972, 1974. N.: 17000 (1979). S.: ca. 50000 (um 1975). – SF: Zehntausende. • SU: Lett. SSR Brutverdacht 1979.
Wanderungen. Überwiegend Langstreckenzieher; Winterquartier atlantisches W-Europa, Mittelmeergebiet, Vorderasien bis Kapland, Sri Lanka, Hinterindien, Sundamseln, Australien. Hauptwegzugsrichtung der westpa- läarktischen Br. SSW/SW, z. B Weg- zügler SF bis F, I, PL und Wintervogel MA-SF; Wegzügler DK-D, F, I, E., Ghana, Mali, Zaire; Wegzügler D-Ghana, I, SF sowie von NL bis Elfenbeinküste. Binnenland wird in breiter Front überflogen, doch Zugverdichtungen entlang der Küste. Wegzug ab Ende Juni, zunächst ♀; letzte Br. ziehen bis Ende Sept. ab. In Mitteleuropa аn der Küste Beginn des Dz. Ende Juni; im Juli аn geeigneten Stellen bereits Tausende im Wattenmeer; Maxima Schl.-Holst. Juli, NL Aug.; Weiterzug bis Okt., bei mildem Wetter Nachzügler noch später. Im Binnenland Dz.-Beginn Anfang Juli (Ende Juni), mitunter Vorgipfel (ad.) Ende Juli/Anfang Aug., Höhepunkt аber Ende Aug./Anfang (Mitte) Sept., Nachzügler bis Ende Nov.; offenbar ab Anfang Aug. Einzug im tropischen Afrika. Rückzug beginnt im März, im Mittelmeerraum Dz.-Höhepunkt April; Mitteleuropa ab (Ende März) Anfang April, Gipfel Küste wie Binnenland аber erst Anfang/Mitte Mai und gegen Ende Mai ausklingend. Ankunft in Fen- noskandien Anfang/Mitte Mai. Zahlreiche Übersommerer in Afrika. Brut- und Geburtsortstreue nachgewiesen, ebenso Winterquartiertreue.
Biotop. Br. in überwiegend offenen Gras-, Heide-, Moor- oder Tundrenlandschaften, feucht bis trocken; Vegetation darf nicht zu hoch sein. Lichte Baumbestände oder Einzelbäume können vorhanden sein; erhöhte Plätze bilden Ruf- und Sichtwarten. Offenes Wasser ist meist nicht sehr weit entfernt (Nahrungsgebiet). Nichtorüter und Dz. auf Wattenflächen аn der Küste, аn flachen Strandlagunen, аn Ufern von Binnengewässern, auch einzeln аn steinigen Ufern, auf Flußkiesbänken oder auf überschwemmten Wiesen.
Nahrung. Wirbellose des Schlamm- und Flachwasserbereichs, z. B. Ringelwürmer, Crustaceen, Insekten und deren Larven; s. auch über schnabellange Fischchen, kleinere häufiger; auch Kaulquappen, kleine Amphibien.
Stimme. Rufe ähnlich Rotschenkel, doch meist lauter und mit härteren Anlauten; Flugrufe z. B. »kjück kjück kjück«. meist 4-5silbig, bei überraschtem Abfliegen oft auch zunächst überschlagend oder mit rauhem Anlaut, wie »krii krii tjü tjü …«. Bei Störung im Brutgebiet in langen Reihen »tjip« oder »tschip«. Gesang sanft flötend, Reihen wie »tjui tjui…« o. ä, bei hoher Erregung auch mehrsilbig.
Verhalten (am Brutplatz Details Nethersole-Thompson 1979). Überwiegend tagaktiv, doch Zug häufig nachts. Beutetiere werden von der Boden- oder Wasseroberfläche abgelesen, sogar aus der Luft während des Laufens geschnappt, häufig auch aus dem Seichtwasser geholt. Dabei wird nicht s. mit dem offenen Schnabel durch dаs Wasser gepflügt oder im raschen Rennen schnell ins Wasser gestochen. Zur Brutzeit streng territorial, Brut- und Nahrungsreviere werden verteidigt. Singflug meist von erhöhtem Punkt aus und wieder auf einer höheren Warte beendet. Steiles Auf- und Absteigen, dabei auch Seitwärtsrollen. Auf dem Zug meist in kleinen und mittelgroßen Trupps. Balz und Paarbildung i. allg. nach Ankunft am Brutplatz, аber auch schon während des Heimzuges.
Fortpflanzung (Details Nfthersole- Thompson 1979). Erste Brut meist im 2. Lebensjahr, Revierverhalten schon im 1.; monogame Saisonehe; Partnertreue durch Reviertreue; Bigynie in Einzelfällen sogar über mehrere Jahre nachgewiesen. Reviergründung und -Verteidigung durch ♂, auch fernab vom Nest werden Nahrungsreviere beansprucht. Nest auf trockenem bis feuchtem Untergrund, max. bis zu 6 km vom Nahrungsplatz entfernt. Nestbau durch ♀ allein. Eier gestreckt kreiselförmig; Grundfarbe hellbraun, unterschiedliche dunkelbraune Flecken, dazwischen sehr helle Unterflecken. Gelege (3)4 Eier (5-8 wohl von 2 ♀). Legebeginn GB ab letztem Aprildrittel meist ab Anfang Mai bis Anfang Juni, in Fennoskandien ab Mitte Mai. 1 Jahresbrut; Nachgelege. Brutdauer 23/26 d, Legeintervall 30-60 h. ♂und ♀ brüten. Zunächst führen ♂ und ♀ (Hudern bis etwa 14 d), später entweder oft Teilung der Familie oder ein Partner (offenbar überwiegend ♀) verläßt die Familie. Führungszeit mind. 25d. • Bruterfolg: GB von 141 Gelegen 74,4% erfolgreich bebrütet; von 47 geschlüpften Küken nur 32% flügge (Details Nethersole-Thompson 1979).
Alter. Je ein 213,8 und 2 mind. 7 Brutperioden kontrolliert; ältester Ringvogel fast 12 Jahre.
Mauser. Jugendmauser (Teilmauser) ab Anfang Aug./Sept.; Beendigung im Winterquartier, Mauser der ST oft bis März/April. • Brutmauser (Vollmauser) beginnt entweder schon am Brutplatz oder in einem frühen Abschnitt des Wegzugs; Großgefieder scheint i. allg. erst spät gemausert zu werden, entweder auf dem Wegzug begonnen und dann unterbrochen oder im Winterquartier (dort z. B. HS-Mauser Mitte Nov./Anfang Jan.). • Ruhemauser (Teilmauser) Jan./Mai.
Literatur (7). D. & M. Nethersole-Thomp- son, Greenshanks. Berkhamsted/Calton 1979. 275 p.
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Niethammer/Boxberger
Tringa nebularia (Gunnerus) — Grünschenkel.
Totanus littoreus (L.), Naumann IX, S. 81; Totanus nebularius Gunn., Reichenow, S. 58.
Beschreibung.♂ und ♀ ad. im Brutkleid: Stirn, Zügel und Kopfseiten weiß mit dunkler Strichelung. Obeikopf schwarz mit weißen Federrändern, Nacken schmäler gestrichelt. Vorderlücken und Schultern schwarzbraun mit weißlichen und graubraunen Federrändern. Die dunkle Fleckung ist ziemlich unregelmäßig und geht аn den Schultern auch in fast bänderartige Zeichnung über. Hinterlücken und Bürzel weiß, Oberschwanzdecken weiß, die längsten unregelmäßig dunkel graubraun gebändert. Schwanz weiß mit schwarzbrauner Bänderung. Das mittelste Steuerfederpaar von hellgrauer Grundfarbe, oft аber auch weiß und unregelmäßig gebändert. Handschwingen braunschwarz, аn den Innenfahnen bräunlicher, besonders bei den inneren mit weißer Marmorierung und weißem Endsaum. Schaft der ersten Handschwinge weiß. Armschwingen bräunlichgrau mit schmalen weißen Säumen, die innersten wie die Schultern, аber deutlicher quer- und längsgezeichnet. Oberflügeldecken (bis auf die innersten großen, die wie der Rücken gefärbt sind) dunkelbraun. Unterseite weiß, Kehle, Kropf und Brustseiten drosselartig (aber länglicher) dunkel gefleckt, аn den Weichen mehr Querfleckung. Schnabel schief erseh war z, sanft aufwärts gebogen; Füße grünlich mit bläulichen Gelenken. Iris dunkelbraun. — Ruhekleid: Oberkopf dunkelbraun gestrichelt, mit weißen Rändern. Stirn und Zügel weiß, Ohrdecken und Halsseiten weiß mit graubrauner Strichelung. Rücken und Schultern graubraun; Federn mit dunkelbraunen Schaftflecken und weißlichen Rändern, unregelmäßig dunkelbraun gefleckt und gebändert. Hinterrücken und Bürzel wie die ganze Unterseite weiß. Nur die Kropfseiten dunkel graubraun gestrichelt. Schwingen und Schwanz wie im Brutkleid, nur die inneren Armschwingen und Decken wie die Schulterfedern, also heller als im Brutkleid. — Jugendkleid: Oberkopf weiß (besonders аn der Stirn), schwarz und bräunlich gestrichelt, ebenso, аber zarter, die Kopfseiten. Vordenücken- und Schulterfedern dunkelbraun, fahl rostfarben gerändert. Untere Schulterdecken mehr wie im Ruhekleid, аber auch mehr röst lieh gerändert. Ähnlich sind auch die inneren Armschwingen gezeichnet, nur tritt hier wie bei den inneren Flügeldecken der Querbändercharakter deutlicher hervor. Schwanzfedern mehr oder weniger rostfarbig gesäumt, dаs mittlere Paar in der Grundfarbe nicht grau. Untere Kehle, Kropf und Vorderbrust auf weißem Grund mit dunklen Pfeil- und Streifenflecken. — Mauser‘. Jugendmauser (Teilmauser) August bis März; Ruhemauser (Teilmauser) Januar bis Mai; Brutmauser (Vollmauser) Juni bis Januar. — Maße-, Flügel ♂ 184—194, ♀ 184—200 mm; Schnabel ♂ 50—56, ♀ 53—59 mm; Lauf 55—61 mm (Witherby). Gewicht (5 Stück) 134—215 g (September).
Feldornithologische Kennzeichen. Gut misteldrosselgroß; ziemlich hochbeinig. Der überkopflange Schnabel sehr sanft aufwärts gebogen. Flügel einfarbig dunkel, Hinterrücken und Bürzel breit weiß, Rücken (besonders im Ruhe- und Jugendkleid) bedeutend heller als die Flügel erscheinend. Unterseite im Ruhekleid ganz weiß, sonst аn der Vorderbrust gefleckt. Recht scheu. Sie halten sich für sich gesondert oder sind mehr oder weniger lose mit anderen Wasserläufern (Bruchwasserläufer und Dunkler Wasserläufer) gemischt. — Stimme: laut schallend grünspechtartig ,,kjük- jükjü“, viel härter als beim Rotschenkel. Vielfach geht dieser Ruf in ein kreischendes „krükrükrü“ über, dаs allein ausgestoßen eine Art Schreckruf zu sein scheint. Balztriller flötend „dowidl dowidl“ (auch ,,dahüdl“ oder ,,lowit“ wiedergegeben).
Allgemeine Verbreitung. Schottland und Hebriden, Nordskandinavien [in Norwegen südwärts bis etwa 61° (Valdres, Hedemarken), in Schweden bis etwa 64°), (ehemals auch Gotland), Nordfinnland, in Lappland bis zum 70.° nordwärts, Nordiußland und Sibirien bis Kamtschatka; die Südgrenze verläuft in Rußland etwa längs des 60.°, senkt sich аber im gebirgigen Ostsibirien südwärts bis zum Südende des Stanowoigebirges (Stegmann briefl.). Fehlt in der eigentlichen europäischen Tundra (Pleske 1928).
Wanderungen. Zugvogel, der (in Südasien, im indoaustralischcn Archipel, Australien, Tasmanien, Neuseeland und) im Mittelmeergebiet sowie in ganz Afrika bis zum Kapland überall аn geeigneten Stellen überwintert, zuweilen vereinzelt auch in England, Holland und Belgien zurückbleibt. In Nordostafrika trifft er zum Teil bereits im August, in Südafrika im September ein. Bei uns findet der Durchzug vor allem Anfang August bis Mitte Oktober und Anfang April/Mitte Mai statt. Doch wird die Zahl der normalerweise nichtbrütend bei uns übersommernden Stücke (solche auch regelmäßig im Winterquartier) schon ab Anfang Juli durch die zuerst abziehenden alten ♀ vermehrt, denen dann die Jungen und ♂ gemeinsam folgen. In ganz Mitteleuropa ziemlich gleich häufig im Herbst wie im Frühling, dabei ohne ausgeprägte Bindung аn Küsten und Flußläufe und tagsüber wie nachts ziehend. Im allgemeinen vergesellschaftet mit Tringa erythropus, die sich hinsichtlich des Zuges ähnlich verhält. Das erschwert die Feststellung ihrer Häufigkeit, die wohl größer ist als bisher angenommen (in der östlichen Mark ist der Grünschenkel nach Ruthke, 1937, der am häufigsten durchziehende Wasserläufer). — Ringfunde: von Mittelschweden nach Jütland (September); von Nordschottland nach Südirland (Oktober).
Vorkommen in Deutschland. In ganz Deutschland auf dem Zuge nirgends selten. In Süddeutschland (Bayern) einzeln nach Mitte März, gewöhnlich аber erst im letzten Drittel April und im Mai auf dem Frühjahrszug und ab Mitte Juli (in Ostpreußen schon von Anfang Juli) bis September, weniger häufig im Oktober, auf dem Herbstzug. Einzelne bleiben sommerüber und gaben dann Anlaß, dаs Brüten zu vermuten (so z. B. Lech bei Augsburg; Verh. Orn. Ges. Bayern IX, S. 18 und 162 ).
Biotop. Die Brutplätze liegen in Mooren und Sümpfen bis hinauf in die alpine Stufe der Gebirge, oft auch abseits feuchter Strecken auf Waldblößen und in sehr lichten Kiefernbeständen in trockener Cladonia-Heide. Bevorzugte Rastplätze während des Zuges werden аn der Küste von Schlickflächen, im Binnenlande von verschlammten Stellen аn Teich- und Flußufern gebildet.
Fortpflanzung. Hartert II, S. 1616.
Nahrung. Anscheinend nur animalisch und sehr verschiedenartig: Coleopteren, Dipteren und andere Insekten und ihre Larven, Crustaceen und kleine Mollusken, Würmer, Kaulquappen, kleine Frösche und Fische, auch Fischlaich.
Parasiten. Federlinge: Degeeriella furva. — Milben: Sphaero- gastra thylacodes. — Saug Würmer: Cyclocoelum problematicwn, Tanaisia fedtschenkoi. — Bandwürmer: Liquida intestinalis. Fadenwürmer: Schistorophus longicornis. — Kratzer: Prostorhynchus totani.
Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag
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Heinroth
[keine Beschreibung dieser Art im Werk]
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Hartert
1943. Tringa nebularia (Gunn.).
Heller Wasserläufer, Grünschenkel.
?? Partim Scolopax Glottis Linnaeus, Syst. Nat. Ed. X, I, p. 146. (S. Tringa erythropus.)
? Tringa littorea id., t. c., p. 149 (1758— Vgl. Fauna Svecica 1746, no. 151, Syst. Nat.
Ed. XU, I, p. 251 und Fauna Svec. Ed. alt. 1761, p,66).
Scolopax nebularia Gunnerus, in Leern, Beskr. Finm. Lapp., p. 251 (1767— Norwegen).
Scolopax Cineracea Latham, Gen. Syn. SuppL, p. 292 (1787— Ex Gen. Syn. III, 1, p. 145, quid ex Pennant, Brit. Zool. II, no. 180, pl. LXVI. Spalding in Lincolnshire).
Scolopax Glottis id., 1. c., nec Linnaeus 1758!
Scolopax canescens Gmelin, Syst. Nat. I, 2, p. 668 (1789— Wie S. cineracea Lath. auf Pennant, pl. LXV I beruhend).
Totanus griseus (?partim) Bechstein, Gemeinn. Naturg. Deutschl. IV, p. 231 (1809— Europa, Asien, Amerika).
Totanus fistulans (partim!) id., t. c., p. 241 (1809— Die auch von Buffon selbst und anderweitig hierher gezogene Taf. 876 Daubentons stellt ns. E. eine T. stagnatilis, nicht nebularia dar).
Totanus chlorogrus bleyer, Meyer & Wolfs Taschenb. d. deutsch. Vögelk., p. 371 (1810— Nur neuer Name).
Limosa varia Dumont, Dibt. Sc. Nat. (Ed. Levrault) IV, p. 64 (1817— Neuer Name für Brissons „Grand Barge grise“, d. i. der Grünschenkel).
Totanus longipes Brehm, Beitr. z. Vögelk. III, p. 517 (1822— Ans. Aug. Ostseeküste, 24. 8. 1814 a. d. Orla).
Totanus glottoides Vigors, Proc. Zool. Soc. London 1831, p. 173 (Himalaya. Die indische Form von der Europas getrennt, weil verschiedene Kleider verglichen wurden).
Glottis Floridanus Bonaparte, Geogr & Comp. List B. Eur. & N. Amer., j). 51 (1838— Nach Audubons Taf. 269. Südliche Teile Nordamerikas).
Glottis Vigorsii Gray. List Spec. B. Brit. Mus. III, sect. 1, p. 99 (1844— Neuer Name für Totanus glottoides‘).
Glottis nivigula Gray, Cat. Mamm. & B. Nepal und Thibet, p. 138 (Nomen nudum!), 156 (1846— Beschreibung; Nepal).
Glottis albicollis Brehm, Vogelfang, p. 311 (1855— „In Asien, Nordostafrika, sehr selten in Ostsüdeuropa-“).
Glottis Linnei Malm, Göteborgs och Bohusläns Fauna, p. 278 (1877— Neuer Name statt Glottis glottis).
Glottis nebularius georgi Mathews, Austr. Av. Ree. II, p. 126 (1915— Benennung des B. Austr. III, p. 225, Taf. 155 beschriebenen und abgebildeten Vogels aus Neusüdwales. Unterschiede von ,.glottoides“ nicht angegeben!).
Engl.: Greenshank. — Franz.: Chevalier pris. — Ital.: Pantana. — Schwed.: Gluttsnäppa. — Holland.: Groenpootige Reuter.
♂♀ ad. im Hochzeitskleide: Stirn, Zügel und Kopfseiten weiß, schwarz gestrichelt. Federn des Überkopfes schwarz, аn beiden Seiten weiß, die der Kopfseiten und des Halses weiß mit schmäleren schwarzen Schaftstreifen, die des Vorderrückens und der Schulterfittiche rostbräunlichgrau mit breiten schwarzen Mittelflecken, der übrige Rücken und Bürzel rein weiß. Handschwingen schwarz, Schaft der 1. weiß, Innenfahne mit Ausnahme der Spitze breit graubraun gesäumt. Armschwingen bräunlichgrau mit schmalen weißlichen Säumen, die innersten verlängerten bräunlichgrau mit schwarzen Schaftstreifen und ebensolchen Querzeichnungen. Steuerfedern weiß, die äußeren nur аn den Außen-, die inneren аn beiden Fahnen schwarzbraun quergebändert, dаs innerste Paar hell bräunlichgrau mit schwarzer Querzeichnung. Kinn rein weiß, Vorderhals, Kropf und Brustseiten mit länglichen bräunlichschwarzen Flecken, Weichen oft mit einigen ebensolchen Querzeichnungen. Oberflügeldecken dunkelbraun, die längsten und inneren mit schmalen weißlichen Säumen. Unterflügeldecken weiß mit schwärzlichen querverlaufenden und pfeilförmigen Zeichnungen, Axillaren weiß mit schmalen schwärzlichen Querlinien, die innersten längsten ganz oder fast ungebändert. Iris dunkelbraun, Schnabel schwarz, von der Mitte аn aufwärts gebogen, аn der äußersten Basis bläulichgrau, Füße vorn mit größeren, lauten mit kleineren Querschildern, grünlich, аn den Gelenken graubläulich. Flügel 180—200, meist etwa 190, Schwanz 76—82, Lauf 58—62, Schnabel 52—58 mm. — Vollständige Mauser Juli bis Januar, partielle von Januar bis Mai, mitunter auch einige Armschwingen mit. — Winterkleid: Vorderstirn, Zügel und Kopfseiten unterhalb der Ohrdecken rein weiß. Oberseite bräunlichgrau mit gräulichweißen Säumen, schwarzbraunen submarginalen Linien und ebensolchen Kritzeln, Schäften und Randflecken; Oberkopf und Hinterhals weiß oder weißlich mit bräunlichschwarzen Längsflecken, Unterrücken und Bürzel rein weiß. Ganze Unterseite rein weiß, nur Hals und Kropfseiten schwarzbraun gestrichelt. — Juv.: Stirn und Kopfseiten schwärzlich gestrichelt. Oberseite schwarzbraun, auf Kopf und Hinterhals mit weißen, Vorderrücken, Schulterfittichen, mittleren und großen Oberflügeldecken und innersten verlängerten Armschwingen mit hell rostbräunlichen Rändern. Unterseite weiß, Vorderhals unterhalb der oberen Kehle, Hals-, Kropf- und Brustseiten mit schwarzbraunen Flecken und Strichen. Mittelste Steuerfedern nicht grau, sondern weiß mit braunschwarzen Querbinden. — Dunenjunges: Oberseite hell rostbräunlich, fast rahmfarben, mit schwarzbraunen Zeichnungen, Hinterhals mehr weißgrau mit nur einem tiefbraunen Längsstreifen, Stirn gräulichweiß mit einer schmalen, meist unvollkommenen schwarzen Mittellinie und je einer ebensolchen durch die Zügel und meist auch Unterm Auge, Unterseite trübweiß, Kehle und Vorderhals etwas gräulicher.
Brutvogel in Schottland, auf den hohen Fjelds Skandinaviens, in Nordfinnland, Rußland von der Nordküste bis zu den Regierungsbezirken St. Petersburg, Pleskau (Pskow), Tula, Rjasan, Kasan und Ufa, in Nordasien bis Kamtschatka, südlich bis etwa 55° in der Baraba-Steppe und 54° in Ostsibirien. Sarudny fand ein Paar brütend im Turgai-Bezirke. — Auf dem Zuge in ganz Europa und Asien, überwintert vom Mittelmeere bis zum Kap der Guten Hoffnung, in Japan und Indien bis zu den Sunda-Inseln, Molukken, Australien und Tasmanien und Neuseeland. Vereinzelt auf Madeira, den Canaren und Azoren, auch in Florida.
Belebt die Ufer aller möglichen Gewässer, auch den Meeresstrand, und ist in der Regel sehr scheu und ein sehr munterer, gewandter Vogel. Die Nahrung besteht aus allem möglichen Getier, dаs sich аn solchen Orten findet. Der gewöhnliche Ruf ist ein herrlich und weithin klingendes zwei- oder dreisilbiges Klikli oder tütiitu, im Schreck ein kreischendes Krü oder tjie. Der Balzgesang ist ein flötendes Trillern, dаs hüt den Silben dahüdl, dahüdl, dahiidl (Naumann) oder lowit, lowit, lowit, lowit (Droste) wiedergegeben wurde. Das Nest ist eine oberflächlich ausgefütterte Mulde im Moos, Gras oder Sumpfgelände. Es enthält 4 (selten 3) Eier, in Lappland wohl nicht vor Juni, in Schottland vom 10. Mai an. Die Eier sind birnförmig, auf gelbbräunlichem oder rahmfarbenem bis gelblichweißem und steingraubräunlichem Grunde, mit scharfen, am stumpfen Ende großen lebhaft rotbraunen bis dunkelbraunen Flecken, auch Schnörkeln und Kritzeln und einigen bläulichgrauen Schalenflecken. Mittleres Gewicht von 25 Eiern nach Rey 1.386 g. 90 Eier (65 Jourdain, 25 Rey) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 49,77 x 33.97, Maximum 54.3 x 34.6 und 50.5 x 35.7, Minimum 45.7 x 33.1 und 47.3 x 31 mm.
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Brehm
Beim Glutt, auch Grünschenkel, Hennick oder Regenschnepfe genannt, Glottis nebularius Gunn. (Totanus littoreus; Abb., S. 258), ist der Schnabel lang, schmal, aufwärts gebogen, durchaus hart, die Füße sind hoch, weit über der Ferse nackt, die äußere und mittlere Zehe durch eine Spannhaut verbunden. Das Gefieder der Oberseite ist braunschwarz, durch die weißen Federränder gezeichnet, dаs des Unterrückens und Bürzels rein weiß, dаs der Unterseite bis auf die mit schwarzen Längsflecken und Streifen gezeichnete Brust ebenfalls weiß; die Schwungfedern der Hand sind braunschwarz, bis auf die erste, mit einem weißen Schaft, auch schwarz geschäftet, die des Armes mattbraun, innen weißlich gewölkt, die mittleren Schwanzfedern grau, die seitlichen weiß und schwarz gefleckt. Im Herbstkleide sind Kopf, Hinterhals und die Halsseiten grauschwarz und weiß gestreift, die Mantelfedern tief aschgrau, schwarz geschäftet, ebenso gefleckt und weißlich gekantet, die Seiten des Unterhalses und Kropfes schwarz geschäftet und in die Länge gestreift. Die Iris des Auges ist braun, der Schnabel schwarzgrün, der Fuß graugrün. Die Länge beträgt 34, die Breite 58, die Flügellänge 18, die Schwanzlänge 8 cm.
Der Glutt ist in allen Erdteilen gefunden worden, seine eigentliche Heimat ist аber der Norden der Alten Welt. Unser Vaterland berührt er gelegentlich seiner Reisen im Frühjahr und im Herbst; als Brutvogel hat mаn ihn hier noch nicht beobachtet. Er erscheint, vom Norden kommend, bereits in der letzten Hälfte des Juli, streift während des August und September regellos im Lande umher und tritt Ende September oder Anfang Oktober die Reise wirklich an, verbringt die Wintermonate bereits auf mehreren Eilanden des griechischen Inselmeeres oder in Nordafrika, behält jedoch seine umherstreifende Lebensweise bei und gelangt so nach den Wendekreis- und weiter südlich gelegenen Ländern, beispielsweise nach Südaustralien, Tasmanien, Südafrika und den La Plata-Staaten. Im April und Mai durchreist er Deutschland auf dem Rückzüge.
Nach Art seiner Verwandten zieht er Süßwasserseen und Brüche den Meeresküsten entschieden vor. Man begegnet ihm allerdings auch hier zuweilen, in der Regel аber doch nur auf schlickigen Stellen und immer bloß auf kurze Zeit. In der Winterherberge siedelt er sich аn den Strandseen, аn Flüssen, die ihre Ufer übertreten, und besonders gern in Reisfeldern an. Gewöhnlich sieht mаn ihn hier als Vertreter seiner Art einzeln, аber fast immer umringt von verschiedenen Strandläufern, Strandreitern, Uferschnepfen und sogar Schwimmvögeln, namentlich Enten, deren Führung er anscheinend bereitwillig übernimmt; wenigstens folgen sie ihm blindlings. Er bindet sich nicht аn größere Gewässer, sucht vielmehr selbst die kleinsten Lachen und Teiche auf.
Der Glutt betätigt alle Munterkeit, Gewandtheit und Beweglichkeit seiner Verwandten, trägt sich hoch, mаn möchte sagen stolz, schreitet mit wagerecht gehaltenem Leibe leicht und behende dahin, watet gern in dаs Wasser, schwimmt, und nicht bloß im Notfalle, oft über ziemlich weite Wasserstrecken, taucht bei Gefahr vortrefflich und rudert unter dem Wasser mit Hilfe seiner Flügel weiter, fliegt, meist in gerader Richtung, mit raschen und kräftigen Schlägen schnell und gewandt dahin, beschreibt prachtvolle Wendungen und wirft sich vor dem Niedersetzen sausend bis dicht über den Boden hinab, erst hier die Eile der Bewegung durch Flügelschläge hemmend. Seine Stimme ist ein hohes, helles, weittönendes Pfeifen, dаs sich durch die Silbe „tjia“ ungefähr wiedergeben läßt und sehr angenehm klingt, der Lockton ein leises „Dick dick“, der Ausdruck der Angst ein kreischendes „Kriih krüh“, der Paarungsgesang ein flötenartiges „Dahüdl dahüdl dahüdl“, dаs oft wiederholt, аber nur im Fluge vorgetragen wird. Er ist unbedingt vorsichtiger und scheuer als seine Verwandten und deshalb gerade zur Führerschaft im höchsten Grade befähigt. Man sieht ihn zu jeder Tageszeit in Bewegung; denn er schläft nur in den Mittags- oder vielleicht noch in den Mitternachtsstunden, аber auch dann nur so leise, daß ihn jedes Geräusch sofort erweckt. Sein Lockton gilt allen Verwandten und ebenso den Strandläufern als untrügliches Zeichen, daß die Örtlichkeit sicher ist; sein Betragen dient allen zur Richtschnur.
Die Nahrung ist wesentlich von derselben Art, wie sie auch andere Wasserläufer genießen, besteht in sehr verschiedenem Wassergetier, hauptsächlich wohl in Insekten und deren Larven, Eintagsfliegen, Libellen und dergleichen, ebenso in Würmern, Krebs- und Weichtieren, besonders solchen des Meeres, auch wohl in Froschlarven und kleinen ausgebildeten Fröschchen und endlich in jungen Fischen verschiedener Art. Naumann sah ihn mit Behagen Drehkäferchen von der Oberfläche des Wassers wegnehmen oder ihnen bis tief ins Wasser nachlaufen.
Obwohl der Glutt schon auf den dänischen und schwedischen Inseln brütet, bevorzugt er doch nördlicher gelegene Länder, um zur Fortpflanzung zu schreiten. Zum Brutplatze wählt er wohl am liebsten baumlose Strecken in der Tundra, zumal in der Nähe der See, nicht minder аber auch Waldungen mit freien Blößen, wie ich dies am untern Ob beobachtet habe. Hier läßt er sich dann regelmäßig auf den Wipfeln der höchsten Fichten und Kiefern nieder, um von solcher Höhe herab seinen Paarungsruf ertönen zu lassen, und nimmt sich in solcher Stellung herrlich aus. Das Nest, kunstlos aus Halmen gebaut, steht auf einem Grashügel, meist unter einem Busche, und enthält im Juni 4 ziemlich große, etwa 50 mm lange, 40 mm dicke Eier, die auf bleich olivengelbem Grunde mit mehr oder weniger sichtbaren bräunlichgrauen Schalenflecken und vielen kleinen und mittelgroßen rotbraunen Flecken und Punkten gezeichnet sind.
Infolge seiner Vorsicht und Scheu läßt sich der Glutt nicht leicht berücken, vereitelt vielmehr in den meisten Fällen die Nachstellungen des Jägers wie des Fängers, die ihn durch Nachahmung seiner Stimme auf den Schnepfenherd zu locken suchen und aus dem Grunde besonders auf ihn fahnden, weil die verwandten Strandvögel ihm folgen. Glücklich erbeutet, gewöhnt er sich bald аn dаs allgemeine Ersatzfutter der Strandvögel, hält sich dabei jahrelang, wird leicht zahm und gewährt namentlich im Gesellschaftsbauer viel Vergnügen.