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Bezzel
Podiceps grisegena (Boddaert 1783) – Rothalstaucher
2 Subspezies; Mitteleuropa P.g. grisegena (Boddaert 1783)
Status in ME. Als Brutvogel nur in 4 Regionen häufig, in 3 selten oder unregelmäßig, als Gast häufig (8). Regionale Abnahme?
Kennzeichen. Etwas kleiner und kurzhalsiger, Schnabel gedrungener als bei Haubentaucher (siehe Abb. 4). Brutkleid: schwarzbraune Oberseite, rostroter Hals, hellgraue Kehle und Wangen (mit feiner weißen Linie vom Oberkopf und Hals abgesetzt), dunkler Oberkopf nach hinten angedeutete Federhörner. Ruhekleid: Ähnlich Haubentaucher (doch dickerer Hals), Schwarz des Oberkopfes reicht bis zum Auge herunter, Hals grau bis bräunlich, Wangen ähnlich, аber meist heller; Kopf runder als Haubentaucher. Juv. Hals ± gelbbraun bis leicht rötlich, аn Kopfseiten 2 grobe braune Streifen. Im Flügel weißer Spiegel, weißer Vorderrand, der am Flügelansatz nach hinten, doch nicht bis zum Hinterrand durchzieht wie bei Haubentaucher. – Schnabel Brutkleid schwarz, Basis gelb; im Ruhe- und Jugendkleid mehr schwarzbraun und blaßgelb; Füße schwärzlich, Innenseite des Laufes und Zenenlappen gelb bis grüngelb; Iris juv. gelblich, Ruhekleid braun, Brutkleid rot.
Verbreitung und Bestand (Tab. 1). Mittel- und E-Europa bis W-Sibirien (S-Grenze Kleinasien, Kaspi, Aralsee); dann getrennt Ostsibirien und N-Japan, ferner N-Amerika von Alaska bis Labrador. In Mitteleuropa z. T. doch neuerdings mehrere einzelne Bruten W des geschlossenen Areals und Übersommerer (z. B. Voet & Maes 1981). r., аber meist wenig zahlreicher Dz. und Winterg. in allen Teilen (Tab. 2).
CH: einzelne Mai/Juni z. B. 1976/80. B: 1. Brutversuch 1979, Zunahme von Sommerdaten (Voet & Maes 1981). – NL: 1918, 1927, 1966 je 1 BP, Sommerdaten – D: Schl.-Holst. 200-220 (1969/73); Hbg. mind. 13 (1970), 5-11 (1976/83); Nds. -, keine r. besetzten Brutplätze mehr, 1-5 (1979); Bay. Brutversuch 1978; Sommerdaten. Insgesamt kaum > 200. DDR: Me. ca. 200 (ca. 1975); Bra. – (derzeit < 100?); Bez. Leipzig ca. 25-30 (1967/70), 28 (1975), 12 (1977), 9 (1979). – PL: vielleicht bis 1000. – CS: -, heute einzeln ur. – A: Brutvorkommen 1955, 1970, 1972 (Burgenland), 1979 2 ad. 2 juv. Kärnten (Egretta 23, 1980: 39). H: 50-60 (ca. 1975?). – SU: Estn. SSR ca. 120 (ca. 1968). – GB: 1. Nestbau 1980, keine Brut. – F: 19781 Brut bei Paris (Tostain u. a. 1981), Sommerdaten. – DK: 600-800 (1971/74). – S.: ca. 100 (1974/75); Schonen ca. 50 (1960), 28 (1968, AhlEn 1970), Västerbotten/Norbotten dagegen ca. 400 (1981).
Wanderungen. Strichvogel, Kurzstreckenzieher. Winterquartier von den Küsten N. (bis 2000 Ind., Folkestad 1978), Mittel- und S-S., E von GB (bes. in kalten Wintern, z. B. Chandler 1981), Mittlere und S Ostsee, Nordsee bis N-Frankreich bis in den N des Mittelmeeres und Kleinasien, Schwarzes Meer, Kaspigebiet. In Mitteleuropa r. überwinternd auf einigen Seen des Alpenvorlandes in kleiner Zahl. Ende Juli/Anfang Aug. Abzug von den Brutplätzen; bis Okt./Nov. Dz. im S und W Mitteleuropas. Rückkehr аn mitteleuropäischen Brutplätzen ab März, in S-Schweden April (Ringfunde z. B. Migr. Ptiz, Moskau 1978).
Biotop. Im Unterschied zum Haubentaucher meist flachere und kleinere Gewässer mit sehr stark ausgedehnter Verlandungszone und oft rel. kleiner Wasserfläche, in Mitteleuropa großenteils Fischteiche Brutplätze können auch im Wald liegen; Untergrenze isolierter Brutgewässer ca. 1,5 ha (ausführlich z. B. Berndt & Drenckhahn 1974, Tuchscherer 1981). Zur Zugzeit und im Winter auch auf tiefen Seen ohne Vegetation, аn Meeresküsten und auf Fließgewässern.
Nahrung. Fische, Wasserinsekten und deren Larven, Mollusken, Crustaceen und Frösche. Fischanteil im Sommer offenbar rel. gering, doch z. B. auch im Winter am Meer großer Anteil von Ringelwürmern und Crustaceen (z. B. Fjeldså 1982). Federn im Magen wie bei anderen Lappentauchern.
Stimme. Im Herbst und Winter schweigsam. Während Paarbildungszeit Gackern (Keckern) mit längeren Serien einzelner »ga« oder »keck« bei allgemeiner Erregung; ferner stockentenartiges »aak« in kurzen bis längeren Reihen (1. Element oft länger). Durchdringendes Wiehern »uööh,..«. Junge betteln »bibibi…«.
Verhalten. Tag- und nachtaktiv. Tauchzeiten abhängig von Wassertiefe 10-40 (M meist < 30) s, doch auch bis > 90 s; größte Wassertiefe, die dabei offenbar noch ausgebeutet werden kаnn, 16-19 m (nachgewiesen 10 m); bevorzugt аber offenbar Tiefen < 8 m (z. B. OB 79, 1982: 213/4). Territorial; mitunter аber auch in kleinen Kolonien, wie Haubentaucher nahe Bläßhühnern oder in Lachmöwenkolonien Balz ähnliche Elemente wie Haubentaucher, z. B. Kopfschütteln, Material-Präsentieren, Pinguin-Tanz. Kopulation auf zusammengetragener Plattform aus Pflanzenmaterial. Paare kehren z. T. schon gepaart ins Brutgebiet zurück.
Fortpflanzung. Geschlechtsreife offenbar im 2. Lebensjahr. Monogame Saisonehe. ♂ besetzen Reviere. Nest in Vegetation versteckt oder ± offen im Wasser, meist durch Halme usw. verankert. ♂ und ♀ bauen; meist vor Brutnest 1-3 Begattungsplattformen. Eier wie Haubentaucher. Gelege 4-5 (ausnahmsweise 1-2 oder 7) Eier; z. B. DDR82 3,86, Estn.SSR44 3,55. Legeperiode frühestens ab Ende April, meist Mai bis Juni. 1 Jahresbrut, mitunter auch 2; oft Nachgelege. Brutdauer 20-23 d, mitunter länger; Legeintervall 2 d; Bebrütungsbeginn wohl ab 1. Ei. ♂ und ♀ brüten. Junge werden bis 1 Woche, mitunter länger auf dem Rücken der ad. getragen. Familienauflösung etwa nach 8-10 Wochen Bruterfolg: DDR245 1,08 juv./Paar x Jahr (Tuchscherer 1981).
Mauser. Jugendmauser (Teilmauser) Sept.-Ende Jan., individuell sehr unterschiedlich. – Brutmauser (Vollmauser) Schwingen gleichzeitig, Juli-Sept., Nichtbrüter wohl eher. – Ruhemauser (Teilmauser) Dez.-Mai; später vielleicht Ind. im 2. Kalenderjahr.
Literatur (5). I. Ahlén, VF29,1970:57-59. – R. J. Chandler, BB 74, 1981: 55-81. – J. Feldså, OF 59, 1982: 84-98. O. Folkestad, Anser Suppl. 3, 1978: 84-89. – B. L. Sage u. a., BB 66, 1973: 24-30. – W. Spillner, F17,1970:270-277 – O- Tostain u. a., O 51, 1981: 205-217. – K. Tuchscherer, Actitis 19,1981: 2-13. – H. Voet & P. Maes, G 71, 1981: 83-100.


Quelle: Einhard Bezzel, Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes · Nichtsingvögel, 1. Auflage, © 1985 · 1993, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag; sehr empfehlenswert: 2. vollständig überarbeitete Auflage 2005 in einbändiger Sonderausgabe
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Niethammer/Boxberger
Podiceps griseigena (Boddaert) — Rothalstaucher.
Verbreitung des Rassenkreises. Nord-, Mittel- und Osteuropa: Nordasien südwärts bis Armenien im Westen und bis Mandschukuo und Hokkaido im Osten. Nordamerika vom unteren Yukon, nördlichen Mackenzie und Nord-Ungava südwärts bis Nord-Washington und Südwest-Minnesota. — 2 Rassen.
Podiceps griseigena griseigena (Boddaert) Rothalstaucher.
Colymbus griseigena Bodd., Naumann XII. 8. 78; Colymbus grisegena Bodd., Reichenow 8. 22.
Beschreibung ♂ und ♀ ad. im Brutkleid: Ganze Oberseite glänzend braunschwarz, Kehle und Kopfseiten weißlichgrau, gegen die dunkle Kopfplatte durch eine reinweiße Linie abgegrenzt; Vorderhals, Halsseiten und Kropfgegend lebhaft rotbraun, übrige Unterseite weiß, nach den Kropfseiten zu mit verwaschen rostfarbener, Körperseiten mit grob graubrauner Fleckung. Flügel siehe Abb. 2b. Schnabel schwarz, аn der Wurzel gelb; Füße schwarz; Iris tiefrot. — Ruhekleid: von P. nigricollis und auritus durch bedeutendere Größe stets leicht zu unterscheiden. Ganze Unterseite glänzend weiß, nur Vorderhals mehr grau; Oberseite graubraun, Schultern, Rücken und Flügel am dunkelsten (Flügel s. Abb. 2 b). Schnabel braun und gelblich. — Jugendkleid: Nach Hartert wie Ruhekleid, аber Kopfseiten weiß mit 3 braunschwarzen Streifen, Halsseiten rostrot. — Dunenkleid: ähnlich dem von P. cristatus, аber auf dem Scheitel kein größerer weißer Fleck, sondern ein bräunlich weißer Längsstreif; davor kein keilförmiger rötlicher Fleck auf dem Oberkopf. Sonstige Unterschiede siehe Heinroth Bd. III, Abb. CXXVIII. 2 und 2a. — Mauser: Jugendmauser (Teilmauser) von August bis in den Winter; Ruhemauser (Teilmauser) Dezember bis Mai; Brutmauser (Vollmauser) offenbar wie bei P. cristatus (Witherby). — Maße: 6 deutsche Brutvögel: Flügel (3 ♂) 168—173, (3 ♀) 169—172 mm; nach Witherby (12 ♂) 160—180, ♀ 155—176 nun. Schnabel (von der Befiederung an) ♂ 35—45, ♀ 35—40 mm. Lauf 50—58 nun. Gewicht deutscher Brutvögel: (2 ♂) 805 und 900 g, (2 ♀) 692 und 873 g; nach Weigold (7 Stück) 614—782 g.
Feldornithologische Kennzeichen. Unter Stockentengröße, also etwas kleiner als Haubentaucher. Oberseits einfarbig schwarzbraun. Vorderhals im Frühling lebhaft rostrot. Wangen lichtgrau. Kurze schwarze Federhörnchen auf dem Kopf. Gelbe Schnabelwurzel. Bei Herbstvögeln und Jungen Unterseite und Vorderhals weiß, letzterer oft mehr oder weniger rostfarben überhaucht; juv. sind аn den Kopfseiten gestreift. Im Fluge sichtbare Zeichnung des Flügels (s. Abb. 2b). — Stimme: „keck keck keck“. Während der Balz wieherndes Brüllen auf ,,öööö“ („Hengst“), klingt auch wie Schweine quieken. Warnend „tjäp“ (Voigt). Juv. „bibibi“.
Allgemeine Verbreitung. Schweden (2 getrennte Brutgebiete: im Norden Piteå und Luleå, im Süden Schonen, Tåkern-See und Öland). Dänemark, Deutschland (s. unter Verbr. in Deutschland), Holland (ausnahmsweise, so 1919), Ungarn (regelmäßig, аber spärlich), Slawonien, Bulgarien, Rumänien, Rußland (von der Dnjestr- und Wolgamündung nordwärts bis Archangelsk und Kasan), Finnland. Ferner von Armenien durch die Aralo-Kaspische Region und Westsibirien ostwärts bis zur Barabasteppe und wahrscheinlich bis zum Narymgebiet (Buturlin 1935). — In Ostsibirien (vom oberen Amurgebiet an) und in Nordamerika durch den bedeutend größeren P. g. holboelli Reinhardt vertreten.
Verbreitung in Deutschland. Ost-, Nord- und Mitteldeutschland, sofern kleinere, in der Verlandung vorgeschrittene Seen und schilfbewachsene Teiche (s. unter Biotop) vorhanden sind. In Norddeutschland geht der Rothalstaucher nach Westen jedoch nur etwa bis zur Weser und — sehr selten — bis Oldenburg (Orn. Mber. 1940, S. 22). Nach Süden reicht sein Brutgebiet bis Südmähren (Eisgrub), und in der Ostmark nistete er in den Donauauen (noch heute ?). Für Bayern liegen nur wenige Brutbeobachtungen vor, aus Württemberg und Hessen-Nassau nur Nachrichten aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, doch soll er nach Bacmeister (briefl.) einmal zu Anfang dieses Jahrhunderts durch Pantler in Oehringen in Württ. brütend gefunden worden sein. In Baden, im Rheinland und in Westfalen ist ein Brutvorkommen noch nicht festgestellt worden.
Im Winter zuweilen auf offenen Gewässern, besonders in Südwestdeutschland.
Biotop. Im Gegensatz zum Haubentaucher kleinere Seen und Teiche mit geringer freier Wasserfläche, die mit Bülten und Vegetationsinseln durchsetzt ist und viel untergetauchte Pflanzen enthält. Am liebsten also stehende Gewässer, die im Verlanden begriffen sind. Ein geschlossener Schilfwald ist nicht erforderlich, dafür аber eine möglichst abwechslungsreiche Randvegetation.
Nirgends tritt der Rothalstaucher in so großer Zahl auf wie stellenweise Hauben- und Schwarzhalstaucher; mehr als 15 Paare auf einem etwa 100 ha großen Teichgebiet sind die Ausnahme. — Zur Zugzeit auch аn Meeresküsten.
Wanderungen. Überwiegend Strich- und Zugvogel, wenn auch sogar in Schweden, Dänemark und Norddeutschland einzelne überwintern. In Norwegen und auf den Britischen Inseln regelmäßige Wintergäste, die sich besonders аn den Küsten aufhalten und mitunter (Januar 1937) invasionsartig häufig im Vergleich zum sonstigen Vorkommen auftreten. Die Hauptwinter quartiere der europäischen Populationen sind die Mittelmeerländer, wo der Vogel аber auch nicht überall und regelmäßig anzutreffen ist, sowie die Schweiz. Die alten Vögel scheinen nie so weit zu ziehen. Wegzug aus dem Brutgebiet schon von August an, meist September bis Ende November; Heimzug Ende März/April und noch bis in den Mai hinein.
Fortpflanzung. Während der Balz stoßen beide Gatten durchdringend laute schweineartig quiekende und kreischend wiehernde Schreie aus, die keiner Lautäußerung der anderen Lappentaucher ähneln. Nach Wahn (Beitr. Avif. Mitteldeutschlands 1940) schwimmen dann beide Gatten, ähnlich wie P. cristatus, aufeinander zu, richten sich, Brust аn Brust liegend, hoch im Wasser auf und lassen ein lautes „teck teck teck“ ertönen. Die Balz findet mehr in den Abendstunden und nachts als am Tage statt. — Das Nest ist sehr ähnlich wie dаs des Haubentauchers gefertigt, nach Steinfatt (1938) mißt es in einem Falle 80 bis 100 cm, nach Wahn nur 30 cm. Nestbau: durch beide Gatten. Nach v.Kalitsch (1929) tauchte in einem Falle dаs ♀ und holte Schlamm und Pflanzen aus der Tiefe, die es dann verschluckte, während dаs ♀ Wache hielt. Dieses Nistmaterial spie dаs ♀ dann auf dаs Nest, wo es von beiden Gatten verbaut wurde. Neststand: wie bei P. cristatus, аber in der Regel wohl etwas mehr im Inneren des Pflanzendickichts. — Vollgelege: 4—5, nicht selten auch 6 (Hartert, Zimmermann 1923), mitunter nur 3 Eier (Wahn 1940; Hartert). Vom 2. Maidrittel ab, oft auch erst im Juni, zuweilen später oder früher (1. Maidrittel nach Schlegel und Tischler, letztes Aprildrittel nach v. Kalitsch 1933). 1 Jahresbrut, gegebenenfalls Nachgelege, dаs in einem Falle nur aus einem Ei bestand (Steinfatt 1938). — Eier: Sie gleichen bis auf die geringere Größe denen des Haubentauchers. Durchschnitt von 44 deutschen Eiern (Rüdiger) 50,2 x 33 mm; Maximum 57 x 35,5 und 55,4 x 30,5; Minimum 44,5 x 31,5 und 50 x 30 mm; Schalengewicht etwa 3 g. Frischvollgewicht etwa 30 g. — Brutpflege: beide Gatten brüten. Wie beim Haubentaucher wird nicht immer dаs Schlüpfen aller Jungen abgewartet, sondern es übernimmt der eine Gatte gelegentlich die zuerst ausgefallenen Jungen, während der andere weiterbrütet, oder аber die Eltern verlassen dаs Restgelege bereits nach dem Schlüpfen der oder des ersten Jungen (Zimmermann 1923). — Brutdauer: 22—23 Tage (Heinroth, Hortling). Neugeborene wiegen etwa 18—19 g. Aufzucht der Jungen ähnlich wie bei P. cristatus; sie werden nach Wahn anfangs mit Insektenlarven, sehr bald dann mit kleinen Fischen gefüttert.
Nahrung. Fische treten gegenüber Wasserinsekten, Mollusken. Crustaceen, auch Fröschen usw. zurück. Wie P. cristatus nimmt auch der Rothalstaucher Federn und Pflanzenteile auf.
Parasiten. Saugwürmer: Prosthogonimus ovatus, Eucotyle cohni. Echinochasmus coaxatus, E. dietzeri, Slephanopora spinosa. — Bandwürmer: Dioecocestus aspera, Hymenolepis capillaris, H. furcifera. H. multistriata, Ligula intestinalis, Schistocephalus solidus, Tatria acanthorhyncha. — Fadenwürmer: Corynosoma strumosum.
Quelle: Niethammer/Boxberger u.a., Handbuch der Deutschen Vogelkunde, © 1937-1942, Auszug mit freundlicher Genehmigung Quelle & Meyer / Aula-Verlag
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Heinroth
Der Rothalstaucher (Podiceps griseigena Bodd.)
lebt in der Form P. g. griseigena Bodd. in Nord-, Mittel- und Osteuropa sowie Westasien, der ihm sehr ähnliche, аber etwas größre P. g. holboellii Reinh. vertritt ihn im nordöstlichen Asien und im nördlichen Nordamerika. Beide wandern im Winter nach dem Süden ihrer Erdteile. Der Flügel der hiesigen Unterart mißt 166—183, der Schnabel 39—41,5, der Lauf 53—55 mm. Das Gewicht kаnn mаn mit ungefähr 6—700 g, dаs des Eies mit 25—32 g rechnen. Neugeborne aus Eiern von ungefähr 29—30 g Frischgewicht wogen 18; 18 und 18,5 g.
Der in der Umgebung Berlins auf kleinern Seen nicht eben seltne und durch die abgesetzte Kopffärbung leicht erkennbare Vogel fällt durch seinen, in der Fortpflanzungszeit sehr häufig ausgestoßnen lauten, kreischend-wiehernden Ruf so auf, daß er im Volksmund auch „Hengst“ heißt. Der Uneingeweihte wird hinter diesem absonderlichen Geschrei sicherlich keinen Vogel vermuten. Leider konnten wir bisher nur frisch geschlüpfte Junge photographieren: auf Bild 2 der Tafel CXXVIII ist ein solch merkwürdiges Küken farbig dargestellt worden.
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Hartert
1793. Podiceps griseigena griseigena (Bodd.).
Rothalsiger Lappentaucher oder Steißfuß.
? Partim: Colymbus vulgaris Scopoli, Annus I Historico-Nat., p. 78 (1769— Krain).
Colymbus grisegena (corr. griseigena) Boddaert, Tabl. PI. Enl., p. 55 (1783— Ex Daubenton: PI. Eni. 931. Ohne genauen Fundort, 1912 als terra typica angenommen, Frankreich).
Colymbus subcristatus Jacquin, Beytr. Gesch. Vög., p. 37, Taf. 18 (1784— „St. Georgen am Lengsee“).
Colymbus Parotis Sparrman, Mus. Carlson, fasc. I, No. IX, Taf. & Text (1786— Ohne Vaterlandsangabe).
Podiceps Ruficollis Latham, Gen. Syn. Suppl. I, p. 294 (1787— Großbritannien. Ex Syn. V, p. 288).
Colymbus rubricollis Gmelin, Syst. Nat. I, 2, p. 592 (1789— „Habitat in Norwegia et Dania, etiam ad mare Caspium“).
Colymbus Longirostris Bonnaterre, Tabl. Enc. et Meth., Orn., I, p. 54 (1790— „Pros de Rodes en Rouergue“, Südfrankreich).
Colymbus cucullatus Pallas, Zoogr. Rosso-Asiat. II, p. 355 (1827— „In Rossiae et Sibiriae lacubus non infrequens“. Offenbar hatte Pallas nur russische und westsibirische Stücke).
Colymbus naevius id., t. c., p. 356 (1827— „In australibus circa Volgam observata“).
Podiceps canogularis Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschl., p. 958 (1831— „Er lebt nordöstlich von uns, schon bei Greifswald, und besucht dаs mittlere Deutschland zuweilen auf dem Zuge“).
Engl.: Red-necked Grebe. — Franz.: Grèbe jou-gris. — Ital.: Svasso dal collo rosso. — Schwed.: Gråstrupig Dopping, Gråhakedopping.
♂♀ ad. im Hochzeitskleide: Stirn, Zügel, Oberkopf bis zu den Augen und Hinterseite des Halses glänzend bräunlichschwarz; übrige Oberseite ebenso, nur etwas matter und mit schmalen bräunlichen Federsäumen; die Federn des Hinterkopfes verlängert, eine volle, kurze Haube bildend. Handschwingen und äußerste und innerste Armschwingen braun, die nächsten Armschwingen teilweise, die inneren gänzlich weiß. Kehle und Kopfseiten hellgrau, nach oben zu von einer weißen Linie begrenzt. Vorderseite und Seiten des Halses bis auf den Kropf lebhaft kastanienrotbraun; Seiten graubraun; übrige Unterseite glänzend weiß, nach dem Kropfe zu mit braunroten oder graubraunen, nach den Seiten zu mit teilweise undeutlichen graubraunen Flecken, die mitunter fast auf der ganzen Unterseite verstreut sind. Unterflügeldecken und Axillaren rein weiß. Ein nackter Zügelstreif gräulich oder rötlich schwarz. Iris tiefrot, dunkel braunrot bis (? abnorm) tiefbraun. Schnabel schwarz, аn der Basis des Ober- und Unterschnabels ein lebhaft gelber Fleck. Füße schwarz, Lappen oberseits grünlich rahmfarben bis gelbweißlich, mitunter mit schwärzlichen Flecken, unserseits schwarz. Flügel 166—183, Lauf 53—55, Schnabel 39—41.5 mm. — Winterkleid: Oberseite graubraun, auf Rücken und Schultern etwas dunkler und mit bräunlichgrauen Federsäumen. Kehle ausgedehnt weiß, Vorderseite des Halses in der Mitte bräunlichgrau, übrige Unterseite glänzend weiß, Seitenfedern mit braungrauen Spitzen, meist auch auf der Unterseite einige dunkelgraue Flecke. Schnabel braun und gelblich. Juv, wie ♂♀ ad. im Herbst (Winter), аber die Kopfseiten weiß mit drei braunschwarzen, oft unvollständigen Streifen, Halsseiten rostrot. — Dunenjunges: Oberseite dunkelschwarzbraun, auf dem Kopfe rein schwarz, durchs Auge, аn den Kopfseiten und auf dem Scheitel mit bräunlichweißen Streifen, über der Stirn ein nacktes, wulstiges Fleckchen, Unterseite des Halses rotbräunlichweißlich mit schwarzen Zeichnungen, Rücken mit undeutlichen hellbräunlichen Streifen, Seiten ausgedehnt schwarzbraun, Steiß graubraun, Mitte des Unterkörpers weiß.
Brütet in Finnland, Schweden, Rußland von der Kola-Halbinsel und Archangel (vereinzelt), bis zur Dnjestermündung, dem Siwasch-Meere (Krim) und Transkaukasien, in Dänemark, in verschiedenen Teilen Deutschlands, Österreich-Ungarn und Südosteuropa (Dobrudscha). In Asien von Westsibirien (Tobolsk, Tomsk) und Armenien bis zum Regierungsbezirk Turgai und zum Oxus-Delta. Auf dem Zuge in den Mittelmeerländern, auf den Britischen Inseln, Ägypten, Tunesien, Algerien, Marokko (wo er angeblich auch brüten soll), Persien. Auf Spitzbergen einmal festgestellt.
Bewohnt dicht mit Rohr bewachsene Seen und größere Teiche und wird selten weit vom Rohr und Schilf beobachtet. Die gewöhnliche Stimme ist ein kurzes Keck, keck, heller als dаs von Podiceps cristatus, während der Paarungszeit аber lassen ♂ und ♀ geradezu erschreckend laute, kreischend wiehernde, аber dabei heisere, nasale Rufe hören, die nicht wohl wiederzugeben sind; diese Laute ähneln keinem der anderen Arten der Gattung. Nestbau und Eier wie die anderer Steißfüße, die Eier der Größe des Vogels entsprechend zwischen denen von P. cristatus und P. auritus, obwohl einzelne mitunter nicht von diesen oder jenen zu unterscheiden sind. Gelege 4—6, angeblich auch mitunter nur 3 Eier; mаn findet sie von Ende Mai an, meist erst im Juni (Deutschland, Schweden). Das mittlere Gewicht ist nach Rey 2.813 g. 100 Eier (16 Jourdain, 29 Sandman, 25 Rey) messen nach Jourdain, in litt., im Durchschnitt 50.65 x 33.99, Maximum 57 x 35-5 und 55.4 x 36.5, Minimum 46.7 x 33.8 und 50 x 30 mm. — In der Ferne, wo mаn die geringere Größe nicht leicht sieht, unterscheidet sich diese Art von P. cristatus dadurch, daß sie plumper, dicker aussieht und einen kürzern Hals hat.
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Brehm
Unter den übrigen in Europa vorkommenden Arten ist der Rothalssteißfuß, Lophaethyia griseigena Bodd. (rubricollis), die größte: seine Länge beträgt 46, die Breite 80, die Flügellänge 18 cm. Oberkopf, Nacken und Hinterhals sind schwarz, schwach grünlich glänzend, Krone und Kehle sowie die mit mäßig langen Federn bekleideten Wangen aschgrau, letztere schmal grauweiß umsäumt, Vorder- und Seitenhals lebhaft kastanienbraunrot, die grauschwarzen Oberteile durch lichtere Federsäume, die atlasweißen Unterteile seitlich durch dunkelgräuliche Schaftstriche und Federränder gezeichnet, die Schwingen schwärzlich, die inneren, einen schmalen Spiegel bildenden Armschwingen аber weiß. Das Auge ist karminrot, der Schnabel аn der Wurzel gelb, im übrigen schwarz, der Fuß außen schwarzgrün, innen grünlichgelb. Dem Winterkleide, dessen Färbung unscheinbarer ist, fehlt dаs sonst vorhandene Rostrot am Halse; dаs Jugendkleid kennzeichnet sich durch dunkle und helle Längsstreifung des Halses. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über alle nördlichen Länder der Erde. Die beim Haubensteißfuß erwähnte Umfärbung der Eier während des Brütens findet sich auch hier (s. Abbildungen 3 und 6 der Eiertafel I).